IFU-Wirtschaftspreis 2026
Jecke Überraschung für Dr. Jürgen Höser

Glückliche Gesichter bei der Verleihung des IFU-Wirtschaftspreises 2026: (v.l.) Markus Teichmann, Bürgermeister Uwe Tietz, Preisträger Dr. Jürgen Höser mit Ehefrau Michaela Schmitz-Höser, der IFU-Vorsitzende Ingo Arlinghaus und Laudatorin Rita Markus-Schmitz, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Köln.  | Foto: Lars Kindermann
  • Glückliche Gesichter bei der Verleihung des IFU-Wirtschaftspreises 2026: (v.l.) Markus Teichmann, Bürgermeister Uwe Tietz, Preisträger Dr. Jürgen Höser mit Ehefrau Michaela Schmitz-Höser, der IFU-Vorsitzende Ingo Arlinghaus und Laudatorin Rita Markus-Schmitz, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Köln.
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Der IFU-Wirtschaftspreisträger des Jahres 2026 steht fest. In der neuen Mercedes Benz Niederlassung in Frechen wurde der Jurist und ehemalige IFU-Vorsitzende Professor Dr. Jürgen Höser für seinen „unermüdlichen und ehrenamtlichen Einsatz für den Wirtschaftsstandort Frechen“ ausgezeichnet.

Von Lars Kindermann

Frechen. Es ist schon auffällig: Auch wenn man den Großteil seines öffentlichen Lebens die Contenance bewahrt, bleibt anscheinend gerade das Abweichen von der Norm im Gedächtnis. So erinnern sich nicht nur Fußballfans an Per Mertesackers legendäres „Eistonnen-Interview“, die „Weizenbier-Wutrede“ von Rudi Völler und die „Flasche leer-Abrechnung“ von Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni. Auch der diesjährige Wirtschaftspreisträger Dr. Jürgen Höser wurde bei seiner Ehrung in der neu errichteten Mercedes Benz-Niederlassung mit seiner aufsehenerregenden Rede gegen die Frechener Stadtverwaltung und die damalige Bürgermeisterin Susanne Stupp konfrontiert.

Beim IFU-Frühjahrsempfang 2024 kritisierte der ansonsten stets höfliche, korrekte und entgegenkommende IFU-Vorsitzende Dr. Höser den Umgang der Verwaltung mit möglichen Investoren, sprach von „stetig neuen Steinen“, die diesen in den Weg gelegt wurden und erklärte aufgebracht: „Hier haben die Investoren das Gefühl, nicht willkommen zu sein.“

Die Rede wurde von IFU-Mitgliedern mit Applaus aufgenommen, beschäftigte den Preisträger jedoch auch im Nachgang. „Ich war damals wirklich aufgebracht und im Anschluss habe ich sehr mit mir gehadert. Für den Ton entschuldige ich mich, aber inhaltlich sehe ich zu jedem Wort meiner Aussage“, erklärte der IFU-Ehrenvorsitzende bei seiner Dankesrede zwei Jahre später.

Die Entscheidung für den diesjährigen Preisträger fiel laut IFU-Vorsitzendem Ingo Arlinghaus schnell. „Ich habe ihn vorgeschlagen und alle waren sich einig: Das ist der Richtige!“, sagte er. Überreicht wurde die Auszeichnung von Stefan Huck, Präsident der Prinzengarde Frechen, der gemeinsam mit weiteren uniformierten Gardisten erschien. „Denn der Jürgen kann nicht nur Wirtschaft und Politik, er kann auch Karneval und Kultur“, gratulierte Huck. Der Geehrte zeigte sich sichtlich gerührt von der gelungenen Überraschung und entschuldigte sich bei den zahlreich erschienenen Gästen für die „Fliege, die mir gerade eben ins Auge geflogen ist“.

Die Laudatio hielt Rita Markus-Schmitz, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Köln. Sie zeichnete den beruflichen und ehrenamtlichen Weg des 1953 in der Eifel geborenen Juristen nach, der in Köln studierte und später in der Region in verschiedenen Funktionen als Jurist und Lehrbeauftragter tätig war. Sie beschrieb Höser als charmant und aktiv, zugleich aber auch als „kantig, wenn nötig“.

In seiner Rede machte der Preisträger deutlich: „IFU war schon immer keine One-Man-Show“ und bedankte sich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinen Vorstandskollegen Franz Pierenkemper, Francesco Calio, Marc Bonte und Stephan Nagelschmitz.

Seinen späten Einstieg in die Kommunalpolitik als CDU-Stadtratsmitglied erklärte er mit einem persönlichen Motivationsschub: „Als die Anfrage kam, habe ich zuerst gezögert. Doch dann hat meine Frau gesagt: Du hast doch immer über die Politik geschimpft, jetzt kannst du sie mitbestimmen!“

Seitdem versuche er seinen Partei- und Ratskollegen deutlich zu machen, dass es ihnen stets um das Allgemeinwohl der Frechener und nicht um die Durchsetzung persönlicher Interessen gehen müsse. So sei er sehr erfreut darüber, dass Politik und Verwaltung sich endlich für einen Ausbau des Wohngebiets auf Grube Carl ausgesprochen hätten. „Ich sage es ganz deutlich: Wir brauchen dringend bezahlbaren Wohnraum. Da haben die Interessen einzelner nichts zu suchen!“

Zu den ersten Gratulanten gehörten Gastgeber Markus Teichmann von Mercedes Benz und der Frechener Bürgermeister Uwe Tietz, der die IFU in seinem Begrüßungsworten als „starken, vertrauensvollen Partner für die Stadt“ lobte und eingestand, dass die aktuelle finanzielle Situation der Stadt „alles andere als rosig“ sei. Vor Frechen und seine Bürger läge ein „harter und steiniger Weg“, umso wichtiger sei es, Frechen, gemeinsam mit den angesiedelten Unternehmen, wieder voran zu bringen.

Einen Ausblick in die wirtschaftliche Entwicklung der Region gewährte Gastredner Thomas Körber, Vorstandsmitglied der RWE Power AG. Man sei aktuell „mittendrin im Kohleausstieg, aber immer noch da“, machte der Leiter des Ressorts Braunkohle deutlich. Die Kohlekraftwerke der RWE seien aktuell so etwas wie die „Feuerwehr der Energiewende“, doch 2030 sei „Schluss mit der Kohlegewinnung“.

Schon jetzt schaffe man durch die Sprengung und den Rückbau von Kühltürmen, Pumpenstationen und Braunkohlebaggern Platz für Neues wie Windparks, Batteriespeicher, Gasturbinen, Gewerbe- und Wohngebiete sowie rund 7000 Hektar Seen-Land. Im Jahre 2030 solle es heißen: „Wasser marsch!“ und dem IFU-Vorsitzenden Ingo Arlinghaus versprach Körber: „Schwimmen soll aber Mitte der 2030er-Jahre bereits möglich sein. Da können auch sie und ich uns noch an der Lucherberger Lagune abkühlen gehen.“

Redakteur/in:

Lars Kindermann aus Rhein-Erft

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