Zentrale Rolle in der Gesellschaft
Wirtschaftsfaktor Pflege im Rhein-Sieg-Kreis
- In der Caritas-Tagespflegestation in Eitorf wird gerne gespielt oder Stuhl-Gymnastik betrieben.
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von Iris Zumbusch und Christa Gast
Rhein-Sieg-Kreis. Die Pflegebranche nimmt eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft ein. Sie ist nicht nur essenziell, um die Lebensqualität älterer oder pflegebedürftiger Menschen zu sichern, sondern hat sich auch als bedeutender Wirtschaftsfaktor etabliert. In Deutschland, wo die Bevölkerung immer älter wird, wächst die Nachfrage nach Pflegeleistungen stetig - eine Entwicklung, die sowohl Chancen als auch Herausforderungen birgt. Insbesondere die Krankenpflege ist ein zentraler Bereich der Pflegebranche, der sich auf die medizinische Versorgung von kranken und verletzten Menschen konzentriert. Sie ist eng mit dem Gesundheitssystem verbunden und spielt eine unverzichtbare Rolle in der Genesung, Rehabilitation und Prävention.
Die Pflege als Wirtschaftsfaktor
Die Pflegewirtschaft umfasst ein breites Spektrum an Dienstleistungen, Einrichtungen und Berufen. Von stationären Pflegeeinrichtungen über ambulante Dienste bis hin zu spezialisierten Pflegemodellen: Diese Branche trägt erheblich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Studien zeigen, dass der Pflegebereich nicht nur Arbeitsplätze schafft, sondern auch Investitionen in Technologie, Infrastruktur und Weiterbildung fördert. Zudem profitieren auch andere Sektoren wie Medizin und Pharmazie von einer starken Pflegebranche.
Die volkswirtschaftliche Relevanz wird auch durch die stetig steigenden Gesundheitsausgaben unterstrichen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts lagen die Ausgaben für Pflege im Jahr 2020 bei etwa 53 Milliarden Euro - Tendenz steigend.
Pflegekräftemangel: Eine wachsende Herausforderung
Trotz seiner wirtschaftlichen Bedeutung steht der Pflegesektor vor einer gravierenden Problematik: Dem Mangel an Fachkräften. Der demografische Wandel hat dazu geführt, dass der Bedarf an Pflegekräften schneller wächst, als diese ausgebildet werden können. Laut aktuellen Prognosen fehlen bereits heute zehntausende Pflegekräfte, und diese Lücke wird sich in den kommenden Jahren weiter vergrößern.
Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Zum einen werden die Arbeitsbedingungen in der Pflege oft als belastend beschrieben, was viele potenzielle Fachkräfte abschreckt. Zum anderen spielt auch die vergleichsweise geringe Entlohnung in manchen Bereichen eine Rolle. Um den Pflegekräftemangel zu bekämpfen, bedarf es nicht nur einer besseren Bezahlung, sondern auch struktureller Reformen und einer stärkeren gesellschaftlichen Wertschätzung für Pflegeberufe. (zi)
Beispiel Caritasverband Rhein-Sieg
Der größte Arbeitgeber Deutschlands im Bereich der Pflege ist der Deutsche Caritasverband. 573 hauptamtliche Mitarbeitende und 89 ehrenamtliche Mitarbeitende des Caritasverbandes Rhein-Sieg, der 2021 mit dem Caritasverband des Kreises Altenkirchen verschmolz, sind in der Pflege tätig. (Stand: 31.12. 2023). Ihre Einsatzgebiete sind vielfältig: Von acht Ambulanten Pflegestationen werden insgesamt 1.190 alte oder pflegebedürftige Klienten in der eigenen Wohnung gepflegt, beraten und bei der täglichen Versorgung und im Haushalt unterstützt. Über einen Hausnotruf sind die Ambulanten Pflegestationen jederzeit - auch nachts - erreichbar. 229 Senioren werden in zwei Altenheimen der Caritas von 259 Voll- und Teilzeit-Pflegekräften betreut und gepflegt. Zusätzlich bieten die Altenheime acht Kurzzeitpflegeplätze für Menschen, die vorübergehend nicht zu Hause gepflegt werden können. Um daheim pflegende Angehörige zu entlasten, werden außerdem in drei Tagespflegestationen täglich jeweils zwölf Senioren von 8 bis 16 Uhr kompetent gepflegt und in familiärer Atmosphäre betreut. Voraussichtlich im Herbst 2025 öffnet in Much eine weitere Tagespflegestation, in der täglich 18 Gäste betreut werden können. In der ambulanten Pflege des Caritasverbands sind insgesamt 193 Pflegekräfte tätig.
Außer der Altenpflege bietet der Caritasverband unter anderem auch „besondere Wohnformen für Menschen mit Behinderung“. An vier Standorten leben insgesamt 70 Menschen mit einer geistigen Behinderung im Ambulant Betreuten Wohnen. 121 Teil- und Vollzeitkräfte pflegen, begleiten und unterstützen sie im Alltag und bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. In Wissen entstehen zurzeit im ehemaligen Schwesternwohnheim des St. Antonius-Krankenhauses neun Apartments für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, die im Rahmen des Ambulant Betreuten Wohnens begleiten werden sollen.
Doch überall fehlen Fachkräfte. „Wir suchen immerzu Pflegefachkräfte und Pflegeassistenzkräfte. Viele Stellen sind noch offen“, erklärt Dörte Staudt, Stabsstelle Information und Kommunikation des Caritasverbandes. Ein Altenzentrum könne beispielsweise nur eingeschränkt belegt werden, weil Fachkräfte fehlen. Eine Lösung des Problems sei noch nicht in Sicht. Zwar wurde die Ausbildung in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zum 1. Januar 2020 vereinheitlicht, doch die Zahl der ausgebildeten Pflegefachkräfte sei dadurch nicht nennenswert gestiegen. Eine Pflegefachkraft, die in der Altenpflege gewonnen wurde, fehle dann in der Krankenpflege. „An der Bezahlung kann es eigentlich nicht liegen. Die Caritas-Mitarbeiter werden schon immer nach einem guten Tarif bezahlt“, meint Staudt. So verdiene etwa eine Fachkraft in der Altenpflege im ersten Berufsjahr bereits 3.300 Euro plus diverser Zuschläge.
- Das GFO-Seniorenzentrum Am Oelberg bietet neben der stationären Altenpflege auch eine Tagespflegestation und mehr.
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Die Einrichtungsleiterin des GFO-Seniorenzentrums Am Oelberg in Königswinter, Eva-Maria Mergelsberg, kann sich freuen: „Wir sind zurzeit in der glücklichen Lage, nur eine freie Stelle in der Küche zu haben, sonst ist alles besetzt.“ Die GFO (Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH), ebenfalls ein wichtiger Arbeitgeber in Sachen Pflege, unterhält im Rhein-Sieg-Kreis drei Krankenhäuser, vier Seniorenzentren, ein Hospiz und einen Ambulanten Palliativdienst. Mergelsberg weiß auch um das Problem des Fachkräftemangels. Aber generell sei der Fachkräftemangel in der Pflege schon ein Problem. „Der Zivildienst muss dringend wieder verpflichtend eingeführt werden“, meint sie. (cg)
Redakteur/in:RAG - Redaktion |
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