Allgemeine Sozialberatung der Caritas
„Es bleibt nie Geld übrig“

Katrin Hagen (l.) hat für Hilfesuchende immer ein offenes Ohr.
  • Katrin Hagen (l.) hat für Hilfesuchende immer ein offenes Ohr.
  • Foto: Woiciech

Rhein-Sieg-Kreis. „Ich gebe den Menschen eine erste Orientierung, ganz gleich, ob es sich um finanzielle Aspekte handelt oder um Konfliktbewältigung.“ Katrin Hagen ist für die „allgemeine Sozialberatung“ im Caritasverband Rhein-Sieg zuständig und per Telefon, aber auch online für Hilfesuchende und Bedürftige schnell erreichbar. „Meine Prämisse ist es, sofort zu helfen, wenn ich kann, häufig ist es sinnvoll, an die Fachberatungen, zum Beispiel die Schuldnerberatung weiter zu verweisen.“ Die Allgemeine Sozialberatung wurde 2019 mit dem Schwerpunkt Telefon und Online eingeführt. „Es sollte ein niedrigschwelliges Angebot sein, das viele nutzen, weil sie nicht sofort ihr Gesicht zeigen oder persönlich anreisen müssen“, ergänzt Kirsten Liebmann, Leiterin des Fachbereichs Familie und Gesundheit. „Die meisten der Klienten verfügen über kein Fahrzeug und häufig fallen weite Wege an. Oft höre ich von den Gesprächspartnern, dass sie für einen Freund oder Angehörige anrufen“, weiß Katrin Hagen zu berichten.

Man würde gar nicht vermuten, wie weit ihr Tätigkeitsfeld reicht. Neben Krankheit und Behinderung ist ferner Einsamkeit ein Grund, um sich an Hagen zu wenden. „Bei mir melden sich Bürger aus unterschiedlichen Gründen. Die einen suchen nur eine Kurzberatung, andere brauchen einen Ratschlag, zum Beispiel wenn sich eine Frau von ihrem Mann trennen möchte.“ In solchen Situationen spielt manchmal Gewalt eine Rolle, auch Schwierigkeiten, mit den Kindern oder finanzielle Abhängigkeit können Themen sein.

Jeder Fall für sich habe eine individuelle Geschichte. Egal, ob Arbeitslosigkeit, Ver- oder Überschuldung sowie Suchtkrankheiten - all dies schafft prekäre Lebenssituationen. „Manche der Klienten betreue ich über eine längere Zeit hinweg. Ich unterstütze sie bei den Abrechnungen des Jobcenters oder wenn eine Überprüfung ansteht.“

Ohnehin gestaltet sich das Beziehen von „Hartz IV“ immer komplizierter. Alleine beim Ausfüllen des Antragsformulars entstehen die ersten Hürden. Doch auch mit einer Bewilligung ist längst nicht alles in trockenen Tüchern. „Der Regelsatz alleine reicht meist nicht aus. Dann müssen Darlehen beim Jobcenter beantragt werden.“

Gerade in der heutigen Zeit, bei steigenden Mieten und Lebensmittelpreisen, einer zusätzlichen Explosion an Heiz- und Stromkosten, ist eine Überforderung vorprogrammiert. „So müssen die Familien die Heizkosten im Auge behalten, damit ihnen kein unwirtschaftlicher Bedarf unterstellt wird. Doch lebt der Sozialhilfeempfänger eher in einem Altbau und nutzt gebrauchte Elektrogeräte, die mehr Strom verursachen als ein Null-Energie-Haus mit modernster Waschmaschine.“

Hinzu kam die Corona-Pandemie, die mit Homeoffice und Heimunterricht der Kinder einen erheblichen Mehrverbrauch bewirkte. „Daher sind viele Aufstocker, die regelmäßig arbeiten und trotzdem bleibt nie Geld übrig. Deshalb wird immer nur das angeschafft, was dringend benötigt wird.“

Daneben gehöre eine immense Kraftanstrengung dazu, allen Anforderungen gerecht zu werden und alles im Auge zu behalten, wenn man mit einem niedrigen Budget wirtschaftet. Sollten dann allerdings noch Stromnachzahlungen oder Rückforderungen des Jobcenters ins Haus flattern, bleibe Ende des Monats kaum Geld für den täglichen Bedarf. Dennoch gebe es Fälle, wo sich Perspektiven ergeben.

„Durch Qualifikationen und Weiterbildungen lässt sich ein Weg aus der Armut erkämpfen“, zieht Katrin Hagen ein kleines Fazit. „Mich erreichen auch schon mal freudige Nachrichten - jemand hat eine neue Wohnung oder einen Job bekommen, das sind schöne Teilerfolge.“

Die Beratung greift aber nicht nur im Rhein-Sieg-Kreis, sondern ebenso in Altenkirchen, wo Hagen eine Beratung für Tafelkunden anbietet. Hier steht vor allem der persönliche Kontakt zu den Bedürftigen im Fokus. „Es wird miteinander geredet, ausgetauscht und die Kommunikation wahrgenommen.“ Eine Dreiviertelstunde Wartezeit bei der Abgabe der Lebensmittel ist keine Seltenheit und für Arbeitende oftmals ein Problem. Nicht jeder hier ist auf „Hartz IV“ angewiesen. „Nichtwissen oder Scham hält Personen, welche Hilfe bräuchten, von einem Besuch ab. Auch kennen sich die Menschen nicht unbedingt mit den gesetzlichen Gegebenheiten aus. So haben Geringverdiener unter Umständen Anspruch auf Wohngeld.“ Ergänzend könne eventuell ein „Lotse“ helfen. Die Ehrenamtlichen sind im gesamten Kreisgebiet zu finden und unterstützen unkompliziert in verschiedenen Lebenslagen, etwa beim Ausfüllen von Anträgen, Kontakt zu Behörden, vermitteln von Informationen, oder eben Begleitung zur Tafel.

Katrin Hagen berät bei der Allgemeinen Sozialberatung online sowie telefonisch unter sozialberatung@caritas-rheinsieg.de oder 01522-1551811. Weitere Informationen unter www.caritas-rheinsieg.de.

Redakteur:

Dirk Woiciech aus Siegburg

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