Musterwohnung im AOK-Haus
Demenz besser verstehen
- In der Küche sind zum Beispiel weiße Teller auf einem weißen Tischtuch oft nicht mehr erkennbar, sodass dunkle Platzsets oder bunte Teller Abhilfe schaffen können.
- Foto: Fries
Siegburg. Mehr als einmal gab es erstaunte Gesichter, als Sebastian Schmitz in der „Musterwohnung Demenz“ auf vermeintlich unscheinbare Details hinwies. Denn der Fachberater für Demenz der AOK Rheinland/Hamburg veranschaulicht, wie einfach sich der Alltag Betroffener erleichtern lässt.
Die mobile Demenz-Musterwohnung gastiert aktuell im neu gebauten AOK-Gebäude in Siegburg und ist eingebettet in das praxisorientierte Schulungskonzept „Demenz – mein Leben und Du“. Alle Interessierten können kostenlos daran teilnehmen – unabhängig von der Krankenkassenzugehörigkeit.
„Wir wollen aufklären und Verständnis schaffen“, so Sebastian Schmitz. Denn wenn bei Vater, Mutter oder anderen Familienmitgliedern Demenz diagnostiziert wird, wissen viele nicht, wie sie damit umgehen sollen.“ Aufklärung tut also Not. Das wurde schon Beginn der Führung anhand sogenannter Spiegelkästen klar, mit denen das einfache Nachzeichnen eines Sterns plötzlich unmöglich erschien – eine eindrückliche Erfahrung, die die veränderte Wahrnehmung bei Demenz erahnen ließ.
Verständnis für Demenzerkrankte liegt dem ehemaligen Altenpfleger Sebastian Schmitz enorm am Herzen. So zeigte er überall in der Wohnung welche kleinen Maßnahmen für mehr Sicherheit und Wohlbefinden sorgen können.
In der Küche sind zum Beispiel weiße Teller auf einem weißen Tischtuch oft nicht mehr erkennbar, sodass dunkle Platzsets oder bunte Teller Abhilfe schaffen können. Auch Spiegel, Fotos und die falsche Kleidung können mitunter für Verunsicherung sorgen.
„Ein Schema F gibt es jedoch nicht“, ergänzte Sebastian Schmitz. „Es geht vielmehr darum, sich konkret mit der betroffenen Person auseinanderzusetzen und individuelle Lösungen zu finden.“
Hilfreiche Werkzeuge dafür vermittelt das ergänzende Schulungskonzept, das sich an pflegende Angehörige – und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gerontopsychiatrie (IGP) auch an Pflegefachkräfte –richtet. Die Inhalte reichen von Simulationen der veränderten Erfahrungswelt bei Demenz, über Kommunikation und Biographiearbeit bis hin zu Selbstfürsorge für Angehörige. Die Module sind aufeinander aufbauend oder einzeln belegbar.
Die Musterwohnung kann nach Anmeldung auch ohne Schulung kostenfrei besucht werden. Sie gastiert zusammen mit dem Schulungsprogramm noch bis zum 14. November im AOK-Gebäude. Eine Liste aller Termine mit Buchungsmöglichkeit befindet sich auf www.aok.de/rh/demenzschulung. Für Rückfragen und zur Vereinbarung zusätzlicher Besuchstermine – auch für Gruppen - können sich Interessierte per Mail an Tanja Baumann wenden: tanja.baumann@rh.aok.de
Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:Heike Fries aus Windeck |