80 Jahre Kriegsende - Teil 2
Wie es so weit kommen konnte

Die Skulpturengruppe „Die Opfer“ des Kölner Bildhauers Willy Meller auf dem Alten Friedhof bei St. Audomar in Frechen. Die fünf Figuren heißen: „Der Soldat“, „Die Mutter“, „Die Jugend“, „Der Gefangene“ und „Der Verhungerte“. Sie stehen für die 60 Millionen Opfer des 2. Weltkriegs.  | Foto: Lars Kindermann
  • Die Skulpturengruppe „Die Opfer“ des Kölner Bildhauers Willy Meller auf dem Alten Friedhof bei St. Audomar in Frechen. Die fünf Figuren heißen: „Der Soldat“, „Die Mutter“, „Die Jugend“, „Der Gefangene“ und „Der Verhungerte“. Sie stehen für die 60 Millionen Opfer des 2. Weltkriegs.
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Im Frühjahr 1945 – vor genau 80 Jahren – stand der Untergang des Dritten Reiches kurz bevor. Die Straßen der heutigen Kreiskommunen waren gefüllt mit flüchtenden Familien aus dem bereits von US-Truppen besetzten Westen und sich zurückziehenden Wehrmachtsverbänden. Der Artilleriebeschuss und die Luftangriffe nahmen zu und viele Menschen verließen die Luftschutzbunker überhaupt nicht mehr. Das von Adolf Hitler großspurig ausgerufene „tausendjährige Reich“ war nach zwölf Jahren am Ende. Zurück ließ es Tod, Zerstörung und Leid. Wie konnte es so weit kommen?

von Lars Kindermann

Ganze drei Monate und nur 33,1 Prozent bei der letzten freien Reichstagswahl im Herbst 1932 reichten Adolf Hitler und seiner Nationalsozialistischen Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) aus, um im Frühjahr 1933 eine Demokratie zu zerstören. Dazu brauchten sie nicht einmal die Unterstützung im ganzen Reich. In Frechen erhielten sie zum Beispiel gerade einmal 12,2 Prozent der Stimmen.

Die Machtergreifung der Nazis gilt als ein Schlüsselereignis der Weltgeschichte und als mahnendes Beispiel dafür, wie schnell für uns als selbstverständlich geltende Rechte eingeschränkt und eine Gewaltherrschaft etabliert werden kann.

Erfahrene Politiker wie Franz von Papen sowie Wirtschafsgrößen hatten geglaubt, Adolf Hitler kontrollieren und mit ihm als Marionette das Ruder übernehmen zu können. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch Reichspräsident Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933 markierte stattdessen das Ende der parlamentarischen Demokratie.

Als Reichskanzler bediente er sich umgehend aller ihm zur Verfügung stehenden staatlichen Machtmittel. 50.000 nationalsozialistische „Hilfspolizisten“ gingen gegen „Staatsfeinde“ vor und Politiker von Oppositionsparteien wurden in „Schutzhaft“ genommen. Eine „Notverordnung zum Schutze von Volk und Staat“ setzte schließlich alle wesentlichen Grundrechte der Verfassung außer Kraft: Versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit wurden eingeschränkt. Dieser Ausnahmezustand wurde bis 1945 nicht aufgehoben.

Im März 1933 trat schließlich das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ in Kraft. Alle 81 Abgeordneten der KPD und 26 SPD-Abgeordnete konnten an der Abstimmung nicht teilnehmen: Sie befanden sich bereits in „Schutzhaft“ oder waren vor drohender Verfolgung geflohen. Das „Ermächtigungsgesetz“ bildete die rechtliche Grundlage für die systematische Zerstörung des Verfassungsstaates. Mit diesem Gesetz hatte das – bereits nationalsozialistisch beherrschte - Parlament sich selbst entmachtet.

In den folgenden Jahren folgten eine massive Aufrüstung der Reichswehr, die zwar Arbeitsplätze schuf, aber erheblich mehr Geld kostete, als der Staat einnahm. Eine dilettantisch-unsolide Finanzpolitik, die „Aufrüstung auf Pump“ und der dadurch drohende Bankrott führten letztendlich zum Kriegsausbruch, den Überfall auf Polen und dem 2. Weltkrieg.

Der Preis für zwölf Jahre Nationalstolz, monumentale Prachtbauten, eine unmenschliche Rassenideologie und Hitlers Weltmachtswahn: Über 60 Millionen Tote.

Redakteur/in:

Lars Kindermann aus Rhein-Erft

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