Leidenschaft, Humor und Bandoneonklang
Tango de Cologne begeistert beim Eichholzer Schlosskonzert im Rheinforum
- Tango Cologne auf der Bühne des großen Saals des Rheinforums: Wolfgang Richter, Violine, Stefan Thomas, Klavier, Markus Gantenberg, Kontrabass, Henrik Albrecht, Bandoneon.
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Wesseling. Konzertante Tanzmusiken voller Leidenschaft, Spielfreude und Humor begeisterten beim Eichholzer Schlosskonzert im Rheinforum die zahlreich gekommenen Zuhörerinnen und Zuhörer. Das Ensemble Tango de Cologne verwandelte den Saal für gut zwei Stunden in eine musikalische Brücke zwischen Buenos Aires und Köln – mit dem unverwechselbaren Klang des Bandoneons im Mittelpunkt.
Das Ensemble besteht aus gestandenen Musikern, die den Tango nicht nur stilistisch beherrschen, sondern ihm auch eine ganz eigene Handschrift verleihen: leidenschaftlich, volkstümlich, humorvoll und stets mit großer musikalischer Raffinesse. Bandoneonist und Moderator Henrik Albrecht, der durch Aufenthalte in Argentinien ein tiefes Verständnis für diese Musik entwickelt hat, führte mit viel Charme und Hintergrundwissen durch das Programm, unterstützt von seinen Mitmusikern. Besonders die ganz außergewöhnlichen Arrangements von ihm und von Stefan Thomas beeindruckten und sorgten immer wieder für Schmunzeln im Publikum.
Schon die klassischen argentinischen Tangos verzauberten das Publikum, obwohl sie weniger bekannt sind: „Bahía Blanca“ von Carlos Di Sarli, „Buscándote“ von Lalo Scalise und „Retirao“ von Carlos Posadas erklangen mit eleganter Melancholie und rhythmischer Präzision.
Von Piazzolla bis „Mer losse d’r Dom in Kölle“
Spannend wurde es bei drei weltbekannten Tangos in großartigen Arrangements: „Jalousie“ des dänischen Violinisten Jacob Gade, ein Paradestück für Wolfgang Richter an der Violine, der klassische „Tango aus España op. 165“ von Isaac Albéniz sowie „El Choclo“ von Ángel Gregorio Villoldo im ungewöhnlichen Arrangement von Stefan Thomas, das als furioses Abschlussstück des offiziellen Programms gefeiert wurde.
Ein weiterer Programmblock war dem Tango nuevo von Astor Piazzolla gewidmet. Mit „Invierno Porteño“, dem "Winter" aus den "Vier Jahreszeiten", dem weniger bekannten Tango „Decarísimo“ und dem äußerst beliebten lyrischen Tango „Oblivion“, der als Filmmusik für "Henry IV." verwendet wurde, bewies das Ensemble, wie eindrucksvoll sich die Originalarrangements des Piazzolla-Quintetts auch in dieser Besetzung entfalten können: voller rhythmischer Spannung, großer Dynamik und intensiver Klangfarben. Das Fehlen der E-Gitarre ist zu verschmerzen:
Dass Tango de Cologne nicht nur "Tango kann", zeigten zwei Bearbeitungen von Stefan Thomas: Frédéric Chopins Valse op. 64 Nr. 1 - als "Minutenwalzer" bekannt - sowie „La Muchacha del Rin“ - Basis war das Lied "Die Loreley" von Friedrich Silcher - überraschten und begeisterten. Mit „Für et Lisbeth“, einer Tango-Komposition auf der Grundlage von Beethoven-Themen, vor allem „Für Elise“, schlug Thomas schließlich eine ebenso geistreiche wie humorvolle Brücke zwischen Bonn und Buenos Aires: der angeblich "älteste Tango", gefunden in den Bonner Archiven.
Natürlich durfte auch der rheinische Tango nicht fehlen, den Henrik Albrecht 1990 im Hafenviertel von Köln erfand. Die Themen der kölschen Karnevalslieder und des argentinischen Tangos sind doch sehr ähnlich. Die beiden Stücke „Dejamos la Catedral – Mer losse d’r Dom in Kölle“ - mit einer Assoziation an den Einsturz des Historischen Archivs in der Severeinstraße 2009 - und „En nuestro Barrio – In unserem Veedel“ von Henrik Albrecht wurden vom Publikum mit besonderer Begeisterung aufgenommen und sorgten für kölsches Heimatgefühl im Tangogewand.
Einzelne Ensemblemitglieder konnten solistisch glänzen und auch das Musikspektrum bereichern. Stefan Thomas spielte am Flügel „Pavan und Galliard“ aus dem „Fitzwilliam Virginal Book“, der umfangreichsten historischen Sammlung von Cembalo-Musik, von William Byrd aus dem elisabethanischen Zeitalter sowie die virtuose „Valse folle“ vom französischen Opernkomponisten Jules Massenet. Im Duo mit Markus Gantenberg erklang Serge Koussevitzkys eingängige „Valse Miniature“ für Kontrabass und Klavier, geschrieben von einem russisch-US-amerikanischen Kontrabassisten, während Wolfgang Richter gemeinsam mit Thomas „Liebesleid“ und „Liebesfreud“ aus den „Alt-Wiener Tanzweisen“ von Fritz Kreisler mit viel Wiener Charme und feiner Klangkultur interpretierte.
Nach einem begeisternden Konzertabend wurden die Musiker von Ludger Strobel mit Blumen verabschiedet. Der lang anhaltende Schlussapplaus führte schließlich zu einer Zugabe – einem rheinischen Tango, der das Publikum noch einmal mitriss und den Abend beschwingt ausklingen ließ.
Das nächste Eichholzer Schlosskonzert findet am 25. September im Rheinforum statt: Der ukrainische Akkordeonist Andrii Fesenko gestaltet das Benefizkonzert „Akkordeon für den Frieden in der Ukraine“ mit ukrainischen Kompositionen und Werken, die die ganze Vielfalt des „Instruments des Jahres 2026“ zeigen. Der Eintritt ist frei, um Spenden für humanitäre Projekte in der Ukraine wird gebeten.
Tango de Cologne ist außerdem erneut am 4. Oktober mit einem Tango-Konzert in der Erlöserkirche Köln-Rodenkirchen zu erleben – ebenfalls bei freiem Eintritt.
LeserReporter/in:Anita Brandtstäter aus Köln |
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