Direkte Wirkung statt linearer Geschichten
Nico „KAPA“ Eschweiler beeindruckt mit ausdrucksstarker Ausstellung in Mines Spatzentreff
- Nico "KAPA" Eschweiler erläuterte seinen künstlerischen Weg bei der Vernissage in Mines Spatzentreff, zu der mehr als 50 Kunstinteressierte gekommen sind.
- Foto: Anita Brandtstäter
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Wesseling. Mit „KAPA-esk“ präsentiert Nico „KAPA“ Eschweiler seine zweite Soloausstellung und lädt die Besucherinnen und Besucher zu einer intensiven Reise durch expressive Bildwelten und emotionale Spannungsfelder ein. Unter dem Titel „Zwischen Kontrolle und Absturz, zwischen Angst und Ausdruck“ entfaltet sich in Mines Spatzentreff eine Ausstellung, die bewusst auf unmittelbare Wirkung setzt und den Betrachter mitten ins Geschehen zieht.
Zur Ausstellungseröffnung am Samstag durfte sich Gastgeberin Mine Murzoglu über eine tolle Resonanz freuen: Mehr als 50 Kunstinteressierte waren gekommen. Die Einführung übernahm Kuratorin Margot Keila, die ihre Darlegungen exemplarisch anhand des großformatigen Werkes „Leben wie Gott in Frankreich“ entwickelte:
Die Szenen wirken wie spontane Fantasien, doch sie tragen Spuren von Kunstgeschichte, Popkultur und persönlicher Mythologie. Der Garten Eden wird zum Spielfeld, weil hier zwei Welten ineinander fallen: das Paradieshafte und das Profane, das Heilige und das Sportliche, das Erhabene und das Alltägliche. Die Nummer 10 ist nicht nur ein Trikot - sie ist ein Symbol für Heldenstatus, für Projektion, für die Sehnsucht nach dem "Genie auf dem Platz". Die Engel, die Trauben reichen, zitieren barocke Überflussbilder, aber mit einem Augenzwinkern, fast wie Comicfiguren, die sich in alte Meister eingeschlichen haben. Die Hähne sind Wächter, aber auch ironische Machtsymbole, der Eiffelturm steht wie ein globales Wahrzeichen, das plötzlich in eine private Fantasie gerutscht ist...
Und überall tauscht der Name KAPA auf. Nicht als reine Signatur, sondern als Code, als Selbstbehauptung, als wiederkehrendes Motiv, das die Bilder miteinander verknüpft - ein persönliches Echo, das sagt: Ich war hier. Das ist mein Kosmos.
Anschließend gab Nico „KAPA“ Eschweiler persönliche Einblicke in seinen künstlerischen Werdegang. Seine ersten Arbeiten entstanden als Graffiti an der Ahr, seiner Heimatregion. Obwohl er erst auf eine Soloausstellung zurückblicken kann, haben seine Werke bereits Anerkennung gefunden: Seit 2024 sind sie dauerhaft in der BetaGenese Privatklinik Bonn zu sehen. Die aktuelle Ausstellung in Mines Spatzentreff kam durch die Vermittlung der Künstlerin Antje Cibura und die Zusammenarbeit mit Kuratorin Margot Keila zustande. Besonders freute sich der Künstler darüber, dass bereits mehrere Werke neue Besitzer gefunden haben und nun „tolle Räume illustrieren“. Sein herzlicher Dank galt allen, die diese Ausstellung ermöglicht haben. Als Autodidakt bewegt sich Nico „KAPA“ Eschweiler künstlerisch genau dort, wo Sicherheit endet und Ausdruck beginnt. Seine Wurzeln liegen im Graffiti, das ihn seit mehr als zwei Jahrzehnten prägt – nicht nur stilistisch, sondern auch in seiner Haltung. Diese Herkunft ist bis heute spürbar: in der Energie, der Direktheit und der kompromisslosen Ausdruckskraft seiner Bilder.
In „KAPA-esk“ zeigt der Künstler Arbeiten des Comic-Realismus, die mit unterschiedlichen Materialien auf Leinwand entstehen. Seine Bildwelten speisen sich aus Film- und Musikzitaten, freien Assoziationen und persönlichen Erfahrungen. Was häufig in nächtlichen Stunden entsteht, wenn Gedanken an Intensität gewinnen, verdichtet sich zu einer unverwechselbaren Bildsprache zwischen Reflexion, Verarbeitung und künstlerischer Selbstvergewisserung. Die Werke erzählen keine linearen Geschichten. Vielmehr erzeugen sie Stimmungen, öffnen psychologische Räume und laden dazu ein, sich auf ihre emotionale Kraft einzulassen. Gerade diese unmittelbare Wirkung macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus. „KAPA-esk“ ist weit mehr als eine klassische Werkschau – sie ist ein eindrucksvoller Erfahrungsraum, der gesehen, entdeckt und vor allem gespürt werden möchte.
Die Ausstellung ist noch bis 13. September 2026 in Mines Spatzentreff zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag sowie Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Samstag von 13 bis 18 Uhr.
LeserReporter/in:Anita Brandtstäter aus Köln |
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