Kreis & Privathaushalte
Hochwasserschutz und Überflutungsvorsorge

Hochwasser an einer Tankstelle in Hückeswagen. | Foto: Archivfoto: OBK
  • Hochwasser an einer Tankstelle in Hückeswagen.
  • Foto: Archivfoto: OBK

Oberberg. Das verheerende Hochwasser im Ahrtal liegt inzwischen fünf Jahre zurück. Die außergewöhnlich intensiven und großflächigen Niederschläge richteten auch im Oberbergischen Kreis erhebliche Schäden an. Zahlreiche Einsatzkräfte von Feuerwehren, Hilfsorganisationen und weiteren Behörden waren über Tage im Einsatz. Einsatzschwerpunkt waren der Kreisnorden mit den Stadtgebieten Hückeswagen und Wipperfürth. Aber auch in Gummersbach, Lindlar und Engelskirchen sorgten die starken Regenfälle im Juli 2021 für Überflutungen.

Investitionen in den Bevölkerungsschutz

„Diese Erfahrungen haben gezeigt, dass wir uns auf extreme Wetterereignisse einstellen müssen und wie wichtig eine umfassende Vorbereitung ist. Deshalb investieren wir gemeinsam mit unseren Städten und Gemeinden, den Feuerwehren, Hilfsorganisationen und vielen weiteren Partnern kontinuierlich in den Bevölkerungsschutz“, sagt Landrat Klaus Grootens.

Katastrophenschutzpläne

Bereits vor einer gesetzlichen Verpflichtung erstellte der Oberbergische Kreis einen Katastrophenschutzbedarfsplan, der 2024 vom Kreistag beschlossen wurde. Darin werden unterschiedliche Schadenslagen, darunter auch Hochwasser- und Starkregenereignisse, betrachtet und konkrete Maßnahmen für den Bevölkerungsschutz abgeleitet. Zahlreiche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, so bauten die Kommunen das kreisweite Sirenennetz weiter aus. Seit 2023 ergänzt Cell Broadcast die bestehenden Warnsysteme. Zudem kann die Feuer- und Rettungsleistelle des Kreises Warnmeldungen über Radio Berg verbreiten.

Die Kommunikationswege zwischen Kreis und Kommunen wurden unter anderem durch Satellitentelefone gestärkt sowie moderne IT-Systeme für den Führungs- und Krisenstab beschafft.

Birgit Hähn, Dezernentin für Sicherheit und Ordnung: „Katastrophenschutz ist kein starres System, sondern entwickelt sich beständig weiter. Unsere Planungen schreiben wir daher kontinuierlich fort und passen sie an neue Erkenntnisse und Entwicklungen an.“

Übungen und Ausstattung

Regelmäßige Übungen bilden einen weiteren Schwerpunkt der Vorbereitung. Der Führungsstab des Oberbergischen Kreises trainiert seine Abläufe monatlich und zusätzlich im Rahmen größerer Übungen.

Hochwasserszenarien werden unter anderem am Institut der Feuerwehr NRW in Münster geübt. Darüber hinaus werden die Feuerwehren im Oberbergischen Kreis gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk im Bereich Hochwasserschutz und Deichverteidigung ausgebildet.

Parallel baut der Oberbergische Kreis seine Ausstattung für den Katastrophenschutz kontinuierlich aus. Hierzu zählen ein neues Katastrophenschutzlager mit einem Logistikfahrzeug sowie umfangreicher Materialvorhaltung sowie die Beschaffung eines Utility Task Vehicles (UTV) für die Lageerkundung.

Die Hilfsorganisationen werden durch neue Ausstattung und gezielte Förderung unterstützt. So konnten unter anderem die Strömungsretterinnen und Strömungsretter der DLRG mithilfe des Landes NRW mit neuer Spezialausstattung ausgestattet werden.

Überflutungsvorsorge an Agger und Wupper

Hochwasser und Starkregen machen nicht an kommunalen Grenzen halt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt deshalb auf der Zusammenarbeit über Kreisgrenzen hinweg. Der Oberbergische Kreis engagiert sich gemeinsam mit dem Ennepe-Ruhr-Kreis, dem Rhein-Sieg-Kreis, dem Rheinisch-Bergischen Kreis, den Städten Leverkusen, Remscheid, Solingen und Wuppertal sowie dem Agger- und Wupperverband in der Kooperation „Überflutungsvorsorge an Agger und Wupper“. „Die Zusammenarbeit über kommunale Grenzen hinweg hilft dabei, Ressourcen effizient einzusetzen und die gesamte Region besser auf zukünftige Ereignisse vorzubereiten“, sagt Frank Herhaus, Dezernent für Planung, Regionalentwicklung und Umwelt.

Notfallvorsorge der Bürgerinnen und Bürger

Neben der Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes setzt der Oberbergische Kreis auf die Stärkung der Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung. Mit Info-Veranstaltungen an der VHS Oberberg und dem Pilotprojekt „Katastrophenschutz macht Schule“ möchte die Kreisverwaltung Bürgerinnen und Bürger für die Notfall-

vorsorge im privaten Bereich sensibilisieren.

„Ein wirksamer Schutz gelingt nur im Zusammenspiel von Behörden, Einsatzkräften und einer gut vorbereiteten Bevölkerung. Unsere Einsatzkräfte trainieren solche Szenarien regelmäßig. Dennoch gilt: Bei großflächigen Schadenslagen kann nicht überall gleichzeitig Hilfe geleistet werden. Deshalb sollte jede und jeder prüfen, ob das eigene Zuhause durch Starkregen oder Hochwasser gefährdet sein könnte und entsprechende Vorbereitungen treffen“, macht Landrat Klaus Grootens deutlich.

Persönliches Risiko einschätzen

Die Starkregen- und Hochwasserkarten des Oberbergischen Kreises im Geodatenportal „Raum-Information Oberberg (RIO)“ unter www.obk.de/rio helfen, das Risiko adressgenau einzuschätzen.

Tipps der Feuerwehr

Kreisbrandmeister Julian Seeger gibt konkrete Empfehlungen, um das eigene Zuhause zu schützen: „Sinnvoll sind eine Rückstauklappe zum Schutz vor eindringendem Abwasser, mobile Schutzsysteme wie Sandsäcke, die Sicherung von Heizöltanks gegen Aufschwimmen sowie die Lagerung wichtiger Dokumente und wertvoller Gegenstände in höher gelegenen Bereichen des Hauses.“ Sinnvoll sei es auch Warn-Apps wie NINA oder KATWARN sowie die Meine-Pegel-App auf dem eigenen Handy zu installieren und einzurichten,um im Ernstfall gewarnt zu werden.

Weitere Infos

• Karten zu Hochwasser-, Überschwemmungs- und Starkregengefahren im Geodatenportal „Raum-Information Oberberg (RIO)“ im Bereich „Klima, Natur und Umwelt“: www.obk.de/rio

• Hochwasserportal NRW mit aktuellen Pegelständen und hydrologischen Lageberichten: www.hochwasserportal.nrw.de

• Apps für iOS und Android:

NINA, KATWARN, Meine Pegel

• Web-App zur Risikoermittlung für das eigene Zuhause: hochwasser-app.nrw

• Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ des Bundes: www.bbk.bund.de

• Informationen des Oberbergischen Kreises zur Notfallvorsorge: www.obk.de/notfall-info

• Informationen zum kreisweiten Starkregenrisikomanagement: www.obk.de/starkregen

• Informationen zur Kooperation „Überflutungsvorsorge an Agger und Wupper“: www.kooperation-agger-wupper.de

Redakteur/in:

RAG - Redaktion

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