Neues Haus im Freilichtmuseeum
Ein Haus, zwei Geschichten
- Das neue Haus aus Radevormwald Heide auf dem Gelände des LVR-Freilichtmuseums Lindlar.
- Foto: Robert Mehl, LVR
Lindlar. In den vergangenen drei Jahren wurde ein historisches Gebäude aus Radevormwald-Heide auf dem Gelände des LVR-Freilichtmuseums Lindlar wiederaufgebaut. Jetzt wurde das Haus offiziell eingeweiht und rund 100 Gäste fanden den Weg in die Baugruppe „Am Mühlenberg“, um die Eröffnung gemeinsam zu feiern.
Der Fachwerkbau wurde um 1770 als Scheune im Dorf Heide bei Radevormwald errichtet und 1870 umfassend zum Wohnhaus umgebaut. Eine Hälfte wurde zum Wohnhaus und beheimatete bis ins 20. Jahrhundert verschiedene Arbeiterfamilien - die andere Hälfte blieb Scheune. In den Jahren 2022 bis 2023 zog das stark sanierungsbedürftige Gebäude auf das Museumsgelände in Lindlar um und wurde dort aufwändig instandgesetzt.
Arbeiterwohnung
Im Wohnteil ist eine Ausstellung über die Wohnsituation von Arbeiterfamilien Ende des 19. Jahrhunderts zu sehen. Hierfür wurde die Arbeiterwohnung der Familie Bransch rekonstruiert, so wie sie zwischen 1890 und 1905 ausgesehen haben dürfte.
In akribischer, detailgenauer und exakter Arbeit wurden Farbschichten an Türen, Wänden und in Ecken abgelöst, um auf diese Weise möglichst präzise das damalige Tapetenmuster nachzudrucken. Die Restauratoren legten die Zeitungsfragmente frei, rollten sie vorsichtig aus und fanden eine Ausgabe der Barmer Zeitung vom 4. März 1885.
Familiengeschichte und Geschichte der Region
Die Ausstellung erzählt anhand der Familiengeschichte und der Baugeschichte des Hauses, wie die Industrialisierung das Bergische Land verändert hat. Sie beschäftigt sich auch mit der Frage, wie Arbeiterinnen und Arbeiter vor 120 Jahren im Bergischen Land gelebt haben: Was ist über das Leben dieser ganz normalen Leute heute noch in historischen Quellen überliefert? Was erzählt das Haus, in dem alltägliches Familienleben und Arbeitsfunktionen ländlichen Lebens Raum fanden? Und was erzählen die Lebensgeschichten dieser Menschen, der Familie Bransch, über die Geschichte der Region und über unseren eigenen Lebensalltag im Jahr 2026?
Familie Bransch lebte von 1887 bis 1906 im Haus. Die Eltern des Ehepaars Bransch kamen in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Arbeitsmigranten aus Eupen im heutigen Belgien ins Bergische Land.
Raum für den Förderverein
In der ehemaligen Scheune ist ein Aufenthaltsraum für die ehrenamtlich engagierten Mitglieder des Museumsfördervereins entstanden, der vielfältig zu nutzen ist - für Gespräche, für das Zusammensein und für den Austausch. Der Förderverein hat das Projekt durch seine finanzielle und praktische Unterstützung erst möglich gemacht, und der neu geschaffene Raum ist ein Zeichen der Wertschätzung für die vielen tatkräftigen Unterstützerinnen und Unterstützer.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |
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