Mittelaltermarkt
Zeitreise auf Schloss Homburg

Blick auf Schloss Homburg: Beim Mittelaltermarkt drängen sich Besucher zwischen den Ständen im Burghof, während die historische Anlage über dem bunten Treiben thront | Foto: Michael Kupper
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  • Blick auf Schloss Homburg: Beim Mittelaltermarkt drängen sich Besucher zwischen den Ständen im Burghof, während die historische Anlage über dem bunten Treiben thront
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Nümbrecht. Das erste Maiwochenende auf Schloss Homburg stand mit dem viertägigen Mittelaltermarkt ganz im Zeichen historischer Zeiten. Die rund 800 Jahre alte Anlage erlebte dabei ein Gewusel, wie es dereinst tatsächlich geherrscht haben mag. Mehrere Tausend Besucher, viele von ihnen in historischer Gewandung, füllten die Gassen zwischen den liebevoll hergerichteten Ständen. Ritter in blitzenden Rüstungen tummelten sich zwischen Burgfräuleins, Gauklern und Tänzerinnen. Während sich Danny Freiherr von Wallmerod aus dem Westerwald auf sein Schwert stützt, erklärt seine Begleitung, eine Lederhexe: „Wir besuchen gerne Mittelaltermärkte und historische Festivals – bis hin zur tschechischen Grenze.“

Bereits am Abend zum 1. Mai wurde das Spektakel mit einem Beltane-Umzug der Akteure um den Herold Walther von der Pferdeweide, alias Jürgen Körber aus dem Organisationsteam des Veranstalters Kramerey und Kurtzweyl, und Äbtissin Adelheid eingeleitet. Beltane markiert im irischen Kalender den Sommeranfang und wird in der Walpurgisnacht gefeiert. So hatten sich auch einige Hexen – mit frischem Birkengrün getarnt – in den Zug vom Vorplatz des Roten Hauses bis zur Bühne auf dem unteren Burghof unter das bunte Völkchen gemischt.

Vor dem Konzert der Gruppe „Tanzwut“ erlebten die Gäste eine Feuershow mit den Tänzerinnen Solei, Polina Lux und Mirimah. Daran beteiligten sich auch der Gummersbacher Gaukler Lupus und „Fin de Filou“ vom Duo Confilius mit einer Feuerjonglage. Ihren Mut musste die holde Maid Vanessa aus dem Publikum unter Beweis stellen. Zur Musik der Gruppe „Herzgespann“ ließen die beiden Jongleure brennende Keulen vor ihrem Gesicht und hinter ihrem Rücken in atemberaubendem Tempo durch die Luft wirbeln, während die Zuschauer den Atem anhielten und anschließend begeistert applaudierten.

Einen weiteren Umzug gab es am Maifeiertag, angeführt von Tanzweib Mirimah – über und über mit Blumen geschmückt, nun als Verkörperung des Frühlings. Während sie schließlich vor der Rembold-Bühne im unteren Burghof zur Musik von „Chapelloise“ zum Tanzen animierte, begeisterte sich der zehnjährige Elia aus Windeck für die historischen Waffen des Hamburgers Thomas Samek im Landschaftshaus. Auf kindgerechte Weise vermittelte dieser – als Robin Hood gewandet – die Entwicklung vom Schwert zum Degen. Auf der Rasenspirale lud das Theater „Gimolino“ die Kinder zum mittelalterlichen Kegeln ein.

Spannende Ausflüge in die Vergangenheit gab es auch in der Neuen Orangerie. Dort konnten sich die Kinder bei Eckhard Pfiffer, ehemaliger Lehrer der Realschule Bielstein, in die Kunst des Buchdrucks einführen lassen und dies direkt selbst ausprobieren. Nebenan präsentierte die Archäologin Ulrike Claßen-Büttner die mittelalterliche Kunst des Schlaufenflechtens, die einerseits als Dekoration, andererseits als Vorläufer von Knöpfen sowie in breiterer Form als Gürtel diente. Die Expertin für historische Textiltechniken schreibt derzeit ein Buch darüber und erzählt lachend: „Beim Schlaufenflechten sind die Kinder gefesselt und laufen nicht weg, bevor sie ihr Band zu Ende geflochten haben.“

Auch im Außenbereich war vielfältiges Handwerk zu sehen. Vor dem Roten Haus hatte sich etwa Frennzus, der Besenbinder aus dem Raum Stuttgart, postiert, im oberen Burghof ließ Pan aus Wiehl-Alferzhagen die Kohle in der fußbetriebenen Schmiedeesse glühen. Gleich daneben zeigte die Osnabrückerin Sarah Veltman im alten Wehrgang, wie Seile und Taue entstehen. Sie schmunzelte: „Heute ist die Reeperbahn auf Schloss Homburg.“

Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:

Michael Kupper aus Reichshof

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