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Gesundheitsvorsorge
„Nur Sonne wird am Ende des Tages nicht reichen“

Foto: Helios MVZ Wipperfürth
  • Foto: Helios MVZ Wipperfürth
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Wipperfürth. Nur wenige Mittel sind aktuell in der Gesundheitsprävention so gefragt wie Vitamin D. Doch über kaum einen anderen Stoff gibt es so viele offene Fragen wie über das „Sonnenvitamin“. Markus Tullius, Allgemeinmediziner des Helios MVZ Wipperfürth und ausgebildeter Vitamin-D-Berater, stellte sich Ende April bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung den vielen Fragen der Besucher – und stand im Anschluss für ein Interview bereit.

Herr Tullius, der Saal war bei Ihrem Vortrag in Wipperfürth bis auf den letzten Platz gefüllt. Überrascht Sie dieses Interesse?
Nein, ich erlebe in meinem Praxisalltag immer wieder, dass die Frage nach der optimalen Versorgung mit Vitamin D – vor allem aufgrund des aktuellen medialen Hypes um das Thema – immer häufiger gestellt wird. Das spiegelte sich auch in der Zahl der Besucher meines Vortrags wider.

Was ist Vitamin D überhaupt? Mal ganz sachlich erklärt?
Bei Vitamin D handelt es sich eigentlich um ein fettlösliches Hormon, das der Körper mithilfe von Sonnenlicht selbst bildet. Es reguliert vor allem den Calcium- und Phosphathaushalt und ist entscheidend für gesunde Knochen, die Muskelfunktion und das Immunsystem.

Was passiert in unserem Körper, wenn es daran mangelt?
Das kann zu einer ausgeprägten Knochenschwäche führen, zum Beispiel zu Osteoporose. Aber auch eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte kann das Resultat sein. Bei Kindern kann ein ausgeprägter Mangel Rachitis verursachen, bei älteren Menschen steigt die Sturzwahrscheinlichkeit. Grundsätzlich sind die Symptome jedoch zunächst unspezifisch, weshalb ein Mangel häufig übersehen wird. Klarheit bringt oft erst ein Bluttest beim Arzt. Viele Betroffene merken lange Zeit gar nichts.

Es gibt jedoch einige Anzeichen, die für einen Mangel sprechen können. Dazu gehören ständige Müdigkeit und Erschöpfung, Muskelschwäche oder diffuse Muskelschmerzen sowie Knochenschmerzen – vor allem im Rücken oder in den Beinen. Auch Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmungen können damit zusammenhängen.

Wie verbreitet ist ein Vitamin-D-Mangel in Deutschland, und welche Bevölkerungsgruppen sind besonders betroffen?
In Deutschland haben viele Menschen, besonders im Winter, niedrige Vitamin-D-Spiegel. Risikogruppen sind vor allem ältere Menschen, Pflegebedürftige, Menschen mit wenig Sonnenkontakt und Personen mit dunkler Hautfarbe.

Dann kommt es doch nur auf die richtige Ernährung an, oder?
Jein. Denn Vitamin D kommt nur in wenigen Lebensmitteln in nennenswerter Menge vor. Die wichtigsten Quellen sind fettreicher Fisch wie Lachs, Makrele oder Hering sowie Leber und Eigelb. Das sind allerdings nicht unbedingt Dinge, die die meisten Menschen regelmäßig in größeren Mengen konsumieren. Daher lässt sich der Bedarf über die Ernährung allein oft nicht vollständig decken. Den größten Anteil bildet der Körper selbst über die Haut mithilfe von Sonnenlicht.

Also dann immer schön in die Sonne gehen?
Nur Sonne wird am Ende des Tages nicht reichen. Denn damit steigt auch das Hautkrebsrisiko. Zudem haben wir in unseren Breiten einen Großteil des Jahres nicht die notwendige Sonneneinstrahlung, um ausreichend Vitamin D zu bilden.

Welche Rolle kann mein Hausarzt spielen, damit ich den richtigen Vitamin-D-Spiegel erreiche?
Hausärzte erkennen oft schon im Beratungsgespräch, ob ein Mangel vorliegen könnte. Sie beraten individuell und veranlassen bei Bedarf Bluttests. Zudem geben sie Empfehlungen zu Sonnenexposition, Ernährung und gegebenenfalls zur sinnvollen Dosierung von Vitamin-D-Präparaten.

Was können die Präparate bewirken?
Grundsätzlich werden sie häufig als „Wundermittel“ überschätzt. Sie sind kein Lifestyle-Stimmungs- oder Energie-Booster, der Flügel verleiht. Man fühlt sich damit nicht automatisch besser als normal – ein Mangel kann sich jedoch negativ bemerkbar machen. Optimal versorgt zu sein bedeutet vor allem, keine Mangelsymptome zu haben. Umgekehrt wird die Bedeutung für die Knochengesundheit, das Immunsystem und bei chronisch kranken Patienten oft unterschätzt. Ein Mangel sollte auch bei jüngeren Menschen ausgeglichen werden, damit der Körper normal funktionieren kann – und das funktioniert über das richtige Maß an Nahrungsmittelergänzungen sehr gut.

LeserReporter/in:

Marco Wehr aus Wipperfürth

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