Kinderschutzbund Rheinisch Bergischer Kreis
Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe

Das Team des Patenprojekts „Große helfen Kleinen“ (v.l.): Ulrike Nürnberg, Bernhild Neu, Dietmar Nuhn, Angelika Bilo, Manfred Lenthe, Angelika Krell und Joachim Lippe (Es fehlt: Dorothee Grönke). Foto: Flick
  • Das Team des Patenprojekts „Große helfen Kleinen“ (v.l.): Ulrike Nürnberg, Bernhild Neu, Dietmar Nuhn, Angelika Bilo, Manfred Lenthe, Angelika Krell und Joachim Lippe (Es fehlt: Dorothee Grönke). Foto: Flick
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Rhein-Berg (sf). Ein Musikinstrument lernen, im Sportverein mitmachen oder an einer Ferienfreizeit teilnehmen: Für viele Kinder und Jugendliche ist dies Teil ihres Alltags, doch gibt es im Rheinisch-Bergischen Kreis auch zahlreiche Familien, die ihren Kindern diese Aktivitäten finanziell nicht ermöglichen können: Über 5.000 Kinder im Rheinisch-Bergischen Kreis leben in einem Umfeld, das auf Sozialleistungen angewiesen ist. Das bedeutet: Die Familien müssen jeden Cent dreimal umdrehen – und ihren Kindern immer wieder die traurige Nachricht mitteilen: „Das können wir uns nicht leisten.“ In solchen Fällen kommt das Team vom Patenprojekt „Große helfen Kleinen“ zum Einsatz. Das Projekt unter dem Dach des Kinderschutzbundes Rheinisch-Bergischer Kreis feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern, deren Familien auf Sozialleistungen angewiesen sind, zu ermöglichen, am sozialen und kulturellen Leben teilzuhaben und so Ausgrenzungen entgegenzuwirken.
Angefangen hatte die Geschichte des Patenprojekts „Große helfen Kleinen“ im Jahr 2006, als der damalige Vorsitzende des Kinderschutzbundes Friedhelm Bilsky gemeinsam mit Werner Haas beschlossen hatte, Kindern, die in bedürftigen Familien aufwachsen, soziale Teilhabe zu ermöglichen. 20 Jahre später blickt das Patenprojekt auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte zurück: In 20 Jahren konnten 2.200 individuelle Maßnahmen umgesetzt werden. Rund 1.800 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahren wurden in den vergangenen 20 Jahren unterstützt. „Hinter jeder einzelnen Zahl steht eine persönliche Geschichte – von neuem Selbstvertrauen, besseren Bildungschancen und dem Gefühl, dazuzugehören“, sagt Angelika Krell, eine von insgesamt acht ehrenamtlich aktiven Personen, die das Team „Große helfen Kleinen“ bildet. Aufgabe des Teams ist es, eingehende Anträge auf finanzielle Unterstützung zu prüfen und gegebenenfalls schnell zu helfen. Angelika Krell ist vor neun Jahren zum Team dazugestoßen: „Ich wollte damals für eine Flüchtlingsfamilie in Bergisch Gladbach spenden. Die Stadt hatte mich an den Kinderschutzbund vermittelt, der sich für Integration und Sprachförderung der Kinder einsetzt.“ So sei sie damals auf den Kinderschutzbund aufmerksam geworden, berichtet Krell. Als sie gefragt wurde, ob sie dauerhaft mitarbeiten möchte, war sie sofort Feuer und Flamme und erkundigte sich gleich, wie sie helfen könnte. Manfred Lenthe ist Gründungsmitglied des Patenprojekts und von Beginn an dabei: „Ich ging 2005 in Altersteilzeit und wollte nicht die ganze Zeit zuhause sitzen. Stattdessen wollte ich lieber mit meiner neu gewonnenen Zeit etwas Vernünftiges machen. Hier fühlt man sich nützlich“, sagt Lenthe.
Die Anfragen auf Unterstützung kommen von Erziehungsberechtigten, Schulsozialarbeitern, Jugendämtern und karitativen Organisationen. Oft wenden sich die Eltern mit einem konkreten Wunsch auch direkt an das Patenprojekt des Kinderschutzbundes. „Wir prüfen, ob die Eltern Grundsicherung erhalten und lassen uns dies schriftlich bestätigen“, erklärt Manfred Lenthe. Die finanzielle Hilfe erfolgt in solchen Fällen schnell und unbürokratisch. Das ist wichtig, denn wenn gesellschaftliche Teilhabe nicht möglich ist, kann dies schnell zu einer psychischen Belastung und dem Gefühl der Ausgrenzung führen. Dem möchte das Hilfsprojekt des Kinderschutzbundes entgegenwirken.
Seit seiner Gründung verzeichnet das Patenprojekt jedes Jahr steigende Förderzahlen. „Aktuell haben wir 200 Kinder in unseren Unterlagen“, berichtet Krell. Für die Ehrenamtlerin sind es besonders die kleinen Erfolgsgeschichten, die sie immer wieder motivieren, sich weiterhin im Projekt zu engagieren. Dabei denkt sie beispielsweise an einen Jungen, der bei seiner alleinerziehenden Mutter aufwuchs und sich nichts mehr wünschte, als Kickboxen zu lernen. Das Projekt hatte ihm den Start des Trainings ermöglicht. Wie sich schnell herausstellte, wurde das Kickboxen zu seiner großen Passion: Der Junge wurde als Kickboxer in Bergisch Gladbach sehr erfolgreich, hatte sich für zahlreiche Meisterschaften qualifiziert und es sogar bis zur Weltmeisterschaft im Kickboxen geschafft, bei der er seinen Verein aus Bergisch Gladbach hervorragend vertrat.
Die finanzielle Realisierung der Maßnahmen kann das Projekt „Große helfen Kleinen“ nur dank vielseitiger Unterstützung umsetzen: Dank Spenden von Privatpersonen, Initiativen und Stiftungen sowie Mitgliedsbeiträgen im Kinderschutzbund und Fördermitteln können aktuell Maßnahmen mit insgesamt 45.000 Euro pro Jahr gefördert werden. Dazu trägt maßgeblich auch die Unterstützung durch den Härtefallfonds der Stadt Bergisch Gladbach bei: „Eine wichtige Säule unserer Arbeit sind die Fördermittel der Stadt“, sagt Krell. Für die Zukunft plant der Kinderschutzbund, das Angebot im Rheinisch-Bergischen Kreis noch bekannter zu machen und mehr Familien zu erreichen.

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