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Unterwegs mit dem Kältebus: Hilfe für Obdachlose bei eiskalten Temperaturen

Das Kältebus-Team mit Melanie Möchel (re.) ist in längeren Kälteperioden fast täglich unterwegs.

Das Kältebus-Team mit Melanie Möchel (re.) ist in längeren Kälteperioden fast täglich unterwegs.

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Wackers

Rhein-Sieg-Kreis -

Es hat geschneit. „Der Wind ist so eisig”, sagt Melanie Möchel von den Johannitern in Sankt Augustin. „Stellen Sie sich vor, Sie müssten jetzt auf der Straße leben“. Gemeinsam mit ihrem Team packt sie den Kältebus. Alles ist in Tüten oder Kartons verstaut: Kleidung, Essen, Schlafsäcke und Futter für die Hunde. „Vor allem Jacken sind um diese Jahreszeit begehrt“, sagt Klaus Doepner, „auch Handschuhe und Unterwäsche sind gefragt“. Auf dem Boden stehen noch zwei Paar feste Schuhe. „Die habe ich heute von Spendengeldern gekauft, sagt Melanie Möchel, „zwei Männer benötigen ganz dringend Schuhe“. Die Johanniter haben auch immer Thermos-kannen mit heißen Getränken dabei. Jeden Montag fahren sie zu den Plätzen, wo sich Obdachlose aufhalten, sowohl im Rhein-Sieg-Kreis als auch in Bonn am Busbahnhof. Jetzt aber, wo es so kalt ist, sind sie fast täglich unterwegs.

Seit Mitte Januar kommen sie auch zum städtischen Bauhof in Sankt Augustin. In den Baracken wohnen derzeit 22 Männer. Einige warten schon auf sie und helfen beim Ausladen. Andere sind froh, dass endlich jemand da ist, dem sie von ihren Problemen erzählen können. Von der ausgefallenen Heizung, der gestiegenen Nutzungsgebühr für die Unterkunft, den undichten Fenstern. Heute gibt es Dosensuppen - und Brötchen vom örtlichen Bäcker.

Neben den Johannitern sind einige ehrenamtliche Frauen aus dem Ort da. Wie Marianne Cyris oder Annemarie Schwabedal. Einmal in der Woche kochen sie hier für die Männer. Die Lebensmittel verteilen sie auch auf andere Häuser, in denen auch obdachlose Menschen wohnen, wie in der Ankerstraße oder an der Ziegelei.

Sie sind alle ehrenamtlich unterwegs. Wie auch Klaus Doepner. Er arbeitet bei den Bonner Werkstätten, wo montags auch das warme Essen für die Obdachlosen in Bonn gekocht wird. Drei oder vier Männer und Frauen der Lebenshilfe Bonn, die selbst in den Werkstätten arbeiten, helfen am Abend, die Stehtische am Rande des Busbahnhofs aufzustellen und verteilen die Getränke. „Um anderen Menschen auch etwas Gutes zu tun“, sagt der 26-jährige Christian, der an einer spastischen Lähmung leidet. Bis zu 70 Obdachlose kommen zum Kältebus. Das Essen ist für viele oft die einzige warme Mahlzeit am Tag. Für sie ist der Kältebus auch eine wichtige Anlaufstelle, um Sorgen loszuwerden.

Melanie Möchel hat die Kältehilfe der Johanniter im Jahr 2010 gegründet. Als der Winter so kalt war und als sie hörte, dass in Berlin ein Obdachloser erfroren ist. „Das soll nicht im Rhein-Sieg-Kreis passieren“, beschloss sie, die hauptamtlich für die Johanniter arbeitet. Seitdem sammelt sie mit ihrem Vater Klaus Doepner und ihrer Schwester Sina fast täglich Spenden. Die Arbeit des Kältehilfe-Teams wird außerdem durch Sach- und Geldspenden von Bürgern und Firmen und auch von Supermärkten unterstützt. Das Team um Melanie Möchel ist froh über jede Unterstützung. Wer sieht, dass ein Obdachloser in Not ist, kann bei den Johannitern anrufen und den Kältebus anfordern. Aber auch Geld- und Sachspenden werden zur Zeit dringend benötigt:

Wer für die Johanniter spenden will: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Regionalverband Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE86370205000004317218, BIC: BFSWDE33XXX