Was hilft gegen Vorurteile, Herr Franke?
Niemand sollte Diskriminierung hinnehmen!

Das ist Bernhard Franke. Er ist kommissarische Leiter der Anti-Diskriminierungs-Stelle des Bundes. Das Büro hilft allen, die benachteiligt oder ausgegrenzt werden.
  • Das ist Bernhard Franke. Er ist kommissarische Leiter der Anti-Diskriminierungs-Stelle des Bundes. Das Büro hilft allen, die benachteiligt oder ausgegrenzt werden.
  • Foto: Ingo Heine
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Der 1. März ist der Tag gegen Diskriminierung. Das haben sich 2014 die Vereinten Nationen überlegt. Das ist wichtig, denn es gibt Menschen auf der ganzen Welt, die diskriminiert werden wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe oder weil sie Frauen sind. Auch alte Menschen und arme Menschen werden diskriminiert oder weil sie eine andere oder keine Religion haben. Auch wir Menschen mit Behinderungen erleben Diskriminierung. Menschen mit Behinderung leiden darunter und fühlen sich verletzt und manche werden  depressiv. Alle Menschen haben das Recht mit dabei zu sein und sollen nicht ausgeschlossen werden! Wenn das passiert, bekommt man Hilfe von der Anti-Diskriminierungs-Stelle. Wir haben mit Bernhard Franke gesprochen. Er leitet das Büro in Berlin und kennt sich aus.

Blatt-Gold: Hallo Herr Franke, welche Arten von Vorurteilen gibt es?
Wie entstehen Vorurteile?

Bernhard Franke: Vorurteile gibt es oft, weil Menschen zu wenig wissen. Etwas ist ihnen unbekannt oder jemand lebt anders als sie selbst, dann bilden sich manche Menschen Vorurteile. Es gibt Vorurteile, weil manche Menschen ablehnen, wie andere leben, zum Beispiel weil diese eine andere Religion oder Herkunft haben. Oder es macht sie unsicher, weil sie sich nicht auskennen damit, wie andere leben. Es gibt auch Vorurteile, bei denen jemand etwas gut meint, aber es ist dann für andere nicht gut: Zum Beispiel, wenn jemand einem Menschen mit Behinderung keine Arbeit gibt, weil diese zu anstrengend sein könnte. Aber der Mensch mit Behinderung wurde gar nicht gefragt und hätte das gut machen können.

Blatt-Gold: Jeder Mensch hat Vorurteile. Warum?

Bernhard Franke: Vorurteile können die Welt erst einmal leichter verständlich machen. Es ist leichter, sich zu denken: Menschen aus einem bestimmten Land verhalten sich immer so, oder Frauen sind typisch so. Das Problem ist, dass das nie stimmt: Die Welt ist nun einmal viel komplizierter. Und es schadet Menschen, wenn sie immer auf eine bestimmte Weise gesehen werden und nicht als das, was sie sind. Niemand ist zum Beispiel vor allem nur ein Mensch mit Behinderung. Er ist gleichzeitig ein Mensch, der zum Beispiel gern Witze macht, lange schläft, viel arbeitet und Hunde mag. Das macht alles genauso eine Persönlichkeit aus.

Oft hilft es, andere besser kennenzulernen.
Neugier ist gut!

Blatt-Gold: Kann man etwas gegen Vorurteile tun und was hilft dagegen? Wie kann man sie beseitigen?

Bernhard Franke: Oft hilft es, andere besser kennenzulernen. Neugier ist gut! Es wäre auch gut, wenn alle sich angewöhnen könnten, ihre Vorurteile zu sehen und zu hinterfragen. Warum denke ich so? Gibt es dafür einen guten Grund? Meistens gibt es den nicht.

Blatt-Gold: Wir erleben häufig, dass Menschen Vorurteile haben, weil wir Lernschwierigkeiten haben und uns deswegen ausgrenzen oder uns auslachen. Haben Sie einen Tipp, wie man da am besten reagiert?

Bernhard Franke: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Wichtig ist es, sich Unterstützung zu suchen, zum Beispiel bei Freunden und Freundinnen, bei der Arbeit oder in der Familie. Wenn jemand zum Beispiel eine Arbeit nicht bekommt oder einen Vertrag, weil er oder sie behindert ist, dann kann auch ein Gesetz helfen: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Wer benachteiligt wurde, kann Kontakt zu uns aufnehmen und wir können Tipps geben oder zum Beispiel auch dem Chef schreiben, wenn das gewünscht ist. Auch viele Organisationen für Menschen mit Behinderung helfen weiter.

Blatt-Gold: Manche können Vorurteile nicht abbauen und tun Leute in Schubladen stecken. Die lassen sich nicht helfen. Warum ist das so?

Bernhard Franke:Weil das die Welt so einfach macht! Aber wir denken, dass es keine hoffnungslosen Fälle gibt. Wer lange genug mit vielen verschiedenen Menschen zu tun hat, wird Vorurteile los.

Wichtig ist, dass Menschen und ihre ganze Vielfalt viel mehr zu sehen und zu hören sind


Blatt-Gold: Diskriminierung - wie kann man das ändern, dass alle Leute so akzeptiert werden wie sie sind, weil es kann ja nicht jeder gleich sein.

Bernhard Franke: Wer diskriminiert wird, braucht eine starke Unterstützung. Da gibt es zum einen das Allgemeine Gleich-behandlungsgesetzbehandlungs-esetz, das alle kennen und nutzen sollten. Wichtig ist auch, dass Menschen und ihre ganze Vielfalt viel mehr zu sehen und zu hören sind: in der Politik, in den Medien, in der ganzen Öffentlichkeit.


Was hilft gegen Diskriminierung?


Blatt-Gold: Haben manche eine schlechte Erziehung oder warum sind die so gemein zu den behinderten Menschen?

Bernhard Franke: Wenn schon Kinder von Erwachsenen lernen, dass manche Menschen mit weniger Respekt behandelt werden können, dann ist das schlecht. Deswegen ist es wichtig, dass Kinder schon früh lernen, dass alle Menschen gleich viel wert sind. Es würde helfen, wenn schon im Kindergarten und in der Schule Kinder mit und ohne Behinderung zusammen sind. Leider ist das noch nicht überall so.

Blatt-Gold: Würden die Leute anders denken, wenn man mal mit denen die Rollen tauscht und sie selber mal ausgelacht werden, beschimpft, angepampt oder ausgeschlossen?

Bernhard Franke: Bestimmt! Leider funktioniert das im echten Leben schlecht. Es gibt aber zum Beispiel Menschen mit und ohne Behinderung, die für einen Tag ihre Arbeit tauschen. Das hilft auch, sich besser zu verstehen.

Blatt-Gold: Haben Sie sowas wie ein Rezept, was gegen Diskriminierung hilft?

Bernhard Franke: Ein Rezept gibt es leider nicht. Wichtig ist es aber, sich nichts gefallen zu lassen. Niemand sollte Diskriminierung hinnehmen. Es sollte immer klar sein: Anderen geht es auch so, niemand ist allein damit. Und es gibt Hilfe. Die sollten betroffene Menschen unbedingt nutzen!

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