Neues Bäderkonzept
Was vom Wasserspaß übrig bleibt
- Große Teile der Bonner Bäderlandschaft stehen vor großen Veränderungen, wenn es nach dem Willen der Verwaltung geht. Der Betrieb des Panoramabads in Rüngsdorf etwa soll an Dritte übergeben werden.
- Foto: Zucca / Bundesstadt Bonn
Bonn (red). Die Stadt Bonn plant einen grundlegenden Umbau ihrer Bäderlandschaft. Mit einer Fortschreibung des bisherigen Bäderkonzepts reagiert die Verwaltung auf deutlich gestiegene Baukosten, begrenzte Investitionsmittel und Personalengpässe im Bäderbetrieb. Ziel sei eine dauerhaft tragfähige und zukunftsfähige Infrastruktur für das Schwimmen in Bonn.
Ausgangspunkt ist das im Jahr 2020 beschlossene Konzept zur Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft. Nach Angaben der Stadt haben sich die Rahmenbedingungen inzwischen erheblich verändert. Für alle geplanten Maßnahmen werden die Kosten aktuell auf rund 256,5 Millionen Euro geschätzt. Bis 2029 stehen derzeit jedoch lediglich 150 Millionen Euro an Investitionsmitteln zur Verfügung. Gleichzeitig fehlen bereits heute Fachkräfte im Bäderbetrieb, weitere Beschäftigte werden in den kommenden Jahren altersbedingt ausscheiden.
Die Verwaltung schlägt deshalb vor, Prioritäten neu zu setzen. Im Mittelpunkt stehen künftig die Sicherung des Schulschwimmens und des Vereinssports sowie die Konzentration auf wirtschaftlich und personell tragfähige Standorte.
Besonders weitreichend sind die Vorschläge für den Stadtbezirk Bonn. Die bislang vorgesehene Generalsanierung des Frankenbades soll nicht weiterverfolgt werden. Stattdessen soll geprüft werden, ob am Standort des Römerbades ein neues Kombibad entstehen kann. Bis zu einer Entscheidung sollen lediglich notwendige Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden. Für das Frankenbad soll zudem ein Nachnutzungskonzept entwickelt werden.
Das Melbbad soll nach den Plänen der Verwaltung nicht saniert werden und dauerhaft geschlossen bleiben. Das Gelände könnte künftig als ganzjährig nutzbarer Sport- und Bewegungspark dienen. Im Sportpark Nord ist eine Sanierung der bestehenden Schwimmhalle vorgesehen. Auf die ursprünglich geplante Erweiterung der Wasserflächen soll jedoch verzichtet werden. Auch das Lehrschwimmbecken an der Schule am Hügel soll nicht wieder in Betrieb genommen werden.
Im Stadtbezirk Bad Godesberg hält die Stadt am bereits begonnenen Neubau des Kurfürstenbades fest. Das neue Bad soll über ein 25-Meter-Becken, ein Lehrschwimmbecken, ein Multifunktionsbecken sowie eine Sauna verfügen und ganzjährig nutzbar sein. Gleichzeitig schlägt die Verwaltung vor, den Betrieb des Freibades Friesdorf sowie des Panoramabades Rüngsdorf künftig an Dritte zu übertragen.
Für Beuel ist ein neuer Schwerpunkt vorgesehen. Am Standort des Ennertbades soll ein Kombibad entstehen, das neben dem Freibadbetrieb auch ein Hallenbad mit 25-Meter-Becken und Lehrschwimmbecken umfasst. Mit der Inbetriebnahme würde die Beueler Bütt geschlossen.
Das Hardtbergbad wird bereits saniert und erweitert. Geplant sind ein zusätzliches Lehrschwimmbecken, ein Multifunktionsbecken und ein Rutschenturm. Nach der Fertigstellung soll das Lehrschwimmbecken der Ludwig-Richter-Schule entfallen.
Ergänzend möchte die Stadt ein Interimsschwimmbad im Sportpark Nord errichten, um während der laufenden Bau- und Sanierungsmaßnahmen ausreichend Wasserflächen für Schulen und Vereine bereitzustellen. Mehrere bereits sanierte Schulschwimmbäder sollen erhalten bleiben.
Unterstützung erhält das Konzept vom Stadtsportbund Bonn. Dort wird die Fortschreibung als notwendige Antwort auf die veränderten finanziellen und personellen Bedingungen bewertet. Der Stadtsportbund betont insbesondere die Bedeutung verlässlicher Wasserflächen für Schul- und Vereinssport und warnt vor weiteren Verzögerungen durch erneute Grundsatzdebatten.
Auch die Ratskooperation aus CDU, SPD und FDP bewertet wesentliche Teile der Vorschläge positiv. Sie begrüßt zusätzliche Investitionen und die stärkere Orientierung an Kombibädern. Gleichzeitig wollen die Fraktionen die vorgeschlagene Übertragung von Freibädern an externe Betreiber noch genauer prüfen. Entscheidend sei, ob solche Modelle dauerhaft tragfähig seien.
Das Konzept stößt jedoch auch auf deutliche Kritik. Die Grünen werfen der Stadtspitze vor, die Zukunft wichtiger Schwimmbäder ausgerechnet während einer Hitzewelle infrage zu stellen. Sie sehen Freibäder als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge und wichtige Orte zur Abkühlung in zunehmend heißen Sommern. Zudem kritisieren sie das Vorgehen der Verwaltung und bemängeln fehlende Beteiligung von Bürgern, Vereinen und Initiativen.
Ähnlich äußert sich die Bezirksfraktion der Grünen im Stadtbezirk Bonn. Dort wird insbesondere die geplante Aufgabe des Melbbades kritisch gesehen. Die Fraktion verweist auf die Bedeutung wohnortnaher Schwimmmöglichkeiten und warnt davor, dass der bevölkerungsreichste Stadtbezirk durch die Neuordnung benachteiligt werden könnte.
Widerspruch kommt auch von den Freien Demokraten in Bad Godesberg. Sie sprechen sich ausdrücklich für den Erhalt der Freibäder in Friesdorf und Rüngsdorf aus und zweifeln daran, dass eine Übertragung an private Betreiber dauerhaft funktionieren kann.
Die Bürger Bund Bonn Fraktion lehnt die Schließungspläne ebenfalls ab. Sie kritisiert insbesondere die vorgesehenen Konsequenzen für Melbbad und Frankenbad sowie die angedachten Betreiberlösungen für Freibäder. Aus ihrer Sicht stehen die Vorschläge im Widerspruch zu früheren Erwartungen vieler Bürgerinnen und Bürger.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |