Statement des Schauspielensembles
Ensemble zeigt sich kämpferisch

Das Schauspielensemble des Theater Bonn wendet sich gegen die Prüfung einer möglichen Schließung der Schauspielsparte. | Foto: Collage: Theater Bonn
  • Das Schauspielensemble des Theater Bonn wendet sich gegen die Prüfung einer möglichen Schließung der Schauspielsparte.
  • Foto: Collage: Theater Bonn

Bonn (red). Das Schauspielensemble des Theaters Bonn wehrt sich mit deutlichen Worten gegen die Prüfung einer möglichen Schließung der Schauspielsparte. Wie in der vergangen Ausgabe von Schaufenster/Blickpunkt berichtet, hatte der Verwaltungsvorstand der Stadt Bonn in seiner Haushaltsklausur am 2. Oktober einen entsprechenden Prüfauftrag erteilt. Das Ensemble kündigt an, für das Haus zu kämpfen, falls die Prüfung tatsächlich vorgenommen wird.

Nach Angaben des Ensembles erfuhren die Beschäftigten am Tag der Deutschen Einheit aus der Presse von dem Vorstoß. Das irritiere die Mitarbeiter, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Zugleich kritisieren sie ein aus ihrer Sicht mangelndes Bewusstsein für den gesellschaftlichen Wert von Kunst und Kultur. In der angespannten Haushaltslage sei die Prüfung ein fatales politisches Signal.

Der Prüfauftrag erfolgte nach Darstellung des Ensembles kurz nach der Vertragsverlängerung von Generalintendant Bernhard Helmich. Mit der Verlängerung sei der Auftrag verbunden worden, den Zukunftsprozess der Bonner Bühnen in die nächste Phase zu führen. Eine Grundlage dafür sei der Ratsbeschluss zum Erhalt aller Sparten des Theaters gewesen. Helmich habe bereits deutlich gemacht, dass es mit ihm keine Schließung des Schauspiels geben werde.

Das Ensemble warnt, dass eine solche Entscheidung weit über den Verlust von mehreren hundert Arbeitsplätzen hinausginge. Das Schauspiel sei ein Ort, an dem sich die Stadtgesellschaft treffe, diskutiere, lache und streite. Menschen auf und hinter der Bühne arbeiteten gemeinsam an Inszenierungen, hinterfragten Bestehendes und entwickelten Theater für eine vielfältige Stadtgesellschaft. Diese Arbeit sei kein verzichtbarer Luxus, sondern Bestandteil eines offenen und kritischen Gemeinwesens.

Besonders scharf formuliert das Ensemble seine Kritik mit Blick auf die gesellschaftliche Lage. In einer Zeit, in der Rechtsextremismus die Demokratie bedrohe, sei der Prüfauftrag alarmierend. Das Theater wird in der Erklärung als Ort beschrieben, der für eine lebendige Demokratie unentbehrlich sei.

Nach Angaben des Ensembles gingen in den vergangenen Tagen zahlreiche Solidaritätsbekundungen aus der Bonner Bevölkerung sowie von anderen Theatern und Kulturinstitutionen ein. Diese Unterstützung bestärke die Beschäftigten in ihrer Haltung.

Das Ensemble bekräftigt, weiterhin Schauspiel für die Menschen in Bonn machen zu wollen. Sollte die angekündigte Prüfung stattfinden, werde es sich für das Haus, die Arbeitsplätze, das Publikum und die kulturelle Zukunft der Stadt einsetzen. Die Erklärung endet mit dem Satz: „Wer die Kunst ausklammert, schafft sich selbst ab!“

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RAG - Redaktion

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