Einblick in die Stadtförsterei
Der Kampf um Jungbäume
- Die Arbeit der Forstfachleute im dichten Bewuchs und bei hochsommerlichen Temperaturen ist nicht nur körperlich eine Herausforderung, sondern erfordert auch viel Fachwissen.
- Foto: S. Engst/stadt Bonn
Bonn (red). Wenn neue Bäume gepflanzt werden, stehen oft die Pflanzaktionen im Mittelpunkt. Doch damit ist die Arbeit im Wald längst nicht erledigt. Im Bonner Stadtwald beginnt nach dem Pflanzen ein jahrelanger Pflegeprozess, der darüber entscheidet, ob aus den jungen Setzlingen tatsächlich ein stabiler Wald heranwächst.
Rund zehn Hektar Waldkulturen betreut die Stadtförsterei Bonn in diesem Jahr. Die Flächen müssen regelmäßig von konkurrierendem Bewuchs freigeschnitten werden. Ohne diese Arbeiten hätten viele der jungen Bäume kaum eine Chance, sich gegen schnell wachsende Pflanzen durchzusetzen.
Besonders deutlich zeigt sich das im Kottenforst. Dort sind nach den Schäden durch den Borkenkäfer größere Freiflächen entstanden. Durch das zusätzliche Sonnenlicht wachsen Brombeeren, Brennnesseln und Farne auf den nährstoffreichen Böden besonders stark und erreichen teilweise Höhen von mehr als zwei Metern.
„Viele Menschen sehen die jungen Bäume nach einer Pflanzaktion und denken, die Arbeit sei damit erledigt. Tatsächlich beginnt dann erst ein jahrelanger Pflegeprozess“, sagt Stadtförsterin Angelika Dauermann. „Ohne diese Pflege hätten die meisten Jungbäume kaum eine Chance, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen.“
Kampf um Licht und Wasser
Die dichte Begleitvegetation nimmt den jungen Bäumen Licht, Platz und vor allem Wasser. Gerade in trockenen Sommern kann das für die frisch gepflanzten Setzlinge zum Problem werden. Während Brombeeren und Farne mit ihren weit verzweigten Wurzelsystemen auch längere Trockenphasen gut überstehen, verfügen die jungen Bäume noch nicht über ausreichend tiefe Wurzeln.
Hinzu kommt, dass die Setzlinge im Bewuchs oft kaum noch sichtbar sind. „Wer eine Kulturfläche im Sommer betritt, steht oft vor einem regelrechten Dschungel“, beschreibt Dauermann die Situation. „Zwischen meterhohen Brombeeren und Farnen die kleinen Baumsetzlinge überhaupt noch zu finden, ist eine Herausforderung.“
Pflege über mehrere Jahre
Damit die Jungbäume überleben können, müssen die Kulturflächen ein- bis dreimal pro Jahr freigeschnitten werden. Die Arbeiten erfolgen überwiegend in Handarbeit mit Freischneidern oder Sicheln, um die empfindlichen Pflanzen nicht zu beschädigen.
Bis die Bäume groß genug sind, um sich gegen die Konkurrenzvegetation zu behaupten, vergehen je nach Pflanzengröße drei bis fünf Jahre. Seit Ende Mai ist deshalb ein Team von meist drei bis vier Beschäftigten der Stadtförsterei nahezu durchgehend mit der Kulturpflege beschäftigt. Die Arbeiten werden den gesamten Sommer andauern.
Mehr als körperliche Arbeit
Neben der körperlichen Belastung bei häufig hohen Temperaturen ist auch Fachwissen gefragt. Die Forstkräfte müssen im dichten Bewuchs die verschiedenen Baumarten erkennen und wissen, welche Pflege sie benötigen.
So muss eine junge Eiche als Lichtbaumart konsequent freigestellt werden, damit sie ausreichend Sonnenlicht erhält. Eine junge Buche kann dagegen von einer gewissen Beschattung profitieren. „Diese Unterschiede im Dickicht sicher zu erkennen und für jeden Baum die richtige Entscheidung zu treffen, erfordert viel Erfahrung und Fachwissen“, sagt Dauermann.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |