Blick ins Universum
Rätselhafte Galaxienhaufen
- Das Team vom Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn, das die Aufnahmen des Galaxienhaufens A3266 ausgewertet und analysiert hat (v.l.n.r.): Dr. Yuanyuan Zhao, Dr. Angie Veronica, Dr. Florian Pacaud, Jakob Dietl, Prof. Dr. Thomas Reiprich.
- Foto: Jakob Dietl/Uni Bonn
Bonn (red). Der Blick ins Universum wird schärfer: Das deutsche eROSITA-Konsortium hat seinen zweiten großen öffentlichen Datensatz veröffentlicht und damit den bislang umfassendsten öffentlich zugänglichen Katalog des Röntgenhimmels vorgelegt. An der Auswertung beteiligt ist auch die Universität Bonn. Forschende der Hochschule haben dabei einen massereichen Galaxienhaufen und seine kosmischen Filamente untersucht und Erkenntnisse gewonnen, die bestehende Modelle zur Entstehung des Universums weitgehend bestätigen, zugleich aber neue Fragen aufwerfen.
Der neue Datensatz basiert auf den ersten drei Himmelsdurchmusterungen des eROSITA-Teleskops an Bord der Spektrum-Röntgen-Gamma-Mission. Durch die Kombination dieser Beobachtungen entstand eine deutlich erweiterte Bestandsaufnahme des Röntgenhimmels.
Fast zwei Millionen Quellen erfasst
Der Hauptkatalog umfasst nahezu zwei Millionen Röntgenquellen. Dazu zählen vor allem Sterne sowie supermassereiche Schwarze Löcher, die aktiv Materie aufnehmen. Hinzu kommen zehntausende ausgedehnte Objekte wie Galaxienhaufen, nahegelegene Galaxien und Überreste von Supernova-Explosionen.
Im Vergleich zur ersten Datenfreigabe hat sich die Zahl der nachgewiesenen Quellen etwa verdoppelt. Dadurch erhalten Wissenschaftler eine deutlich breitere Grundlage für statistische Untersuchungen und neue Einblicke in die Struktur des Universums.
Auf der Suche nach den Bausteinen des Kosmos
Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Thomas Reiprich und Jakob Dietl vom Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn konzentrierte sich auf den Galaxienhaufen A3266. Dieser zählt zu den massereichen Strukturen des Universums und ist über sogenannte Filamente mit weiteren Materieansammlungen verbunden.
Die Bonner Wissenschaftler untersuchten die schwach leuchtende Röntgenstrahlung in den Außenbereichen des Galaxienhaufens. Dabei konnten sie erstmals messen, wie sich Materie entlang dieser großräumigen Strukturen sammelt.
Modelle bestätigt, aber nicht vollständig
Die Forschenden wollen verstehen, wie Materie im heutigen Universum verteilt ist und ob diese Verteilung den theoretischen Vorhersagen entspricht. Die Ergebnisse zeigen, dass die bestehenden Modelle grundsätzlich zutreffen. Gleichzeitig entdeckte das Team Abweichungen.So ist das beobachtete Gas in den Außenregionen des Galaxienhaufens und in den Filamenten etwas heißer und dichter als erwartet. Zudem wurde eine vergleichsweise geringe Menge schwerer Elemente festgestellt. Nach Einschätzung der Wissenschaftler könnten solche Unterschiede helfen, die theoretischen Modelle weiter zu verfeinern.
Für die Bonner Forscher ist dies ein weiterer Schritt auf dem Weg, die Entstehung von Galaxien und Galaxienhaufen im Detail zu verstehen. Die Aufnahmen und ihre Auswertung liefern dafür neue Bausteine und zeigen zugleich, dass das Universum auch weiterhin Überraschungen bereithält.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |