Montag Stiftung
Demokratie beginnt vor Ort

Bei der Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen der Montag Stiftung Urbane Räume standen gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung, Beteiligung und gesellschaftlicher Zusammenhalt im Mittelpunkt.  | Foto: Simon Veith
  • Bei der Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen der Montag Stiftung Urbane Räume standen gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung, Beteiligung und gesellschaftlicher Zusammenhalt im Mittelpunkt.
  • Foto: Simon Veith

Bonn (red). Wie können Städte angesichts gesellschaftlicher Polarisierung, des Klimawandels und wachsender sozialer Herausforderungen lebendig, widerstandsfähig und gerecht bleiben? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Montag Stiftung Urbane Räume bei ihrem 20-jährigen Jubiläum in Bonn. Vertreter aus Politik, Verwaltung, Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft diskutierten über die Zukunft der Städte und neue Formen der Zusammenarbeit.

Seit ihrer Gründung setzt sich die Stiftung dafür ein, Orte zu schaffen, an denen Menschen Verantwortung für ihr Umfeld übernehmen, aktive Nachbarschaften entstehen und demokratische Teilhabe gelebt wird. Immobilien und Stadtentwicklung versteht sie dabei nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, um gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

Zugleich nutzte die Stiftung das Jubiläum, um Mitarbeitenden, Wegbegleitern, Projektpartnern und Unterstützern für die Zusammenarbeit in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu danken.

Orte der Begegnung

„Demokratie und Teilhabe sind unser höchstes Gut, das es zu schützen gilt“, sagte Stiftungsvorständin Johanna Debik. Gerade angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen seien Orte notwendig, an denen Menschen einander begegnen, miteinander ins Gespräch kommen und ihr Lebensumfeld aktiv gestalten könnten.

Vorstand Robert Winterhager betonte, lebendige Orte entstünden nicht allein am Reißbrett. Sie müssten gemeinschaftlich entwickelt werden und sich im Alltag bewähren. Die Erfahrungen der vergangenen 20 Jahre zeigten, dass gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung besonders dort gelinge, wo Menschen Vertrauen aufbauten und Verantwortung teilten. „Vertrauen ist unser wichtigstes Kapital. Darauf bauen wir gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern“, sagte Winterhager.

Zusammenarbeit in den Städten

Bonns Oberbürgermeister Guido Déus würdigte die Stiftung als wichtigen Partner der Stadtentwicklung. Erfolgreiche Projekte entstünden durch „Vertrauen, Verlässlichkeit und den gemeinsamen Willen, etwas Gutes zu schaffen“. Mit Blick auf gemeinsame Vorhaben wie den Zukunftsort Dransdorfer Berg wünschte er sich weiterhin Mut und Gestaltungskraft für Bonn.

Markus Lewe, ehemaliger Präsident des Deutschen Städtetages, bezeichnete die Arbeit der Stiftung als wegweisend. Öffentliche Räume seien Orte der Begegnung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Kommunen benötigten kreative Impulse, um Veränderungen anzustoßen. „Kommunen brauchen kreative Zumutungen. Sonst gibt es keine Bewegung“, sagte Lewe.

Gute Beispiele wirken weiter

Auch Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, hob die Bedeutung konkreter Projekte hervor. Die Arbeit der Stiftung zeige, wie gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung gelingen könne. Notwendig sei eine qualifizierende Phase vor dem eigentlichen Planungsbeginn, damit selbst unter dem Druck schnellen Bauens sinnvolle und nachhaltige Lösungen entstehen könnten.

Entscheidend sei die Wirkung erfolgreicher Beispiele. Viele Ansätze, die in den vergangenen Jahren innerhalb der Projekte der Stiftung entwickelt wurden, würden inzwischen deutschlandweit aufgegriffen.

Nicht die Immobilie, sondern der Mensch im Mittelpunkt

Für Bernd Bach, Vorstand der Carl Richard Montag Förderstiftung, zeigt die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre, dass Gemeinsinn geeignete Rahmenbedingungen benötigt. „Nicht die Immobilie steht im Vordergrund, sondern der Mensch. Gebäude sind Mittel zum Zweck“, sagte Bach.

Ziel sei es, geschützte Räume für das Gemeinwohl zu schaffen, in denen sich Gemeinsinn entwickeln könne. Angesichts wachsender gesellschaftlicher Spannungen seien Orte des Zusammenkommens, des Austauschs und der Mitgestaltung wichtiger denn je. Die Aufgabe der Montag Stiftungen bestehe darin, solche Prozesse anzustoßen und Menschen dazu zu befähigen, sie selbst weiterzuführen.

Freude und Verantwortung

Stifter Carl Richard Montag blickte auf die Entwicklung der Stiftung zurück. „Dass aus einer Idee eine solche Wirklichkeit geworden ist, kann man nicht verdienen – das ist ein Geschenk“, sagte er. Als Kern seines Engagements bezeichnete er das Zusammenspiel von Liebe und Verantwortung.

Montag rief dazu auf, neugierig zu bleiben und Chancen mutig zu ergreifen. Zugleich erinnerte er an die Bedeutung von Gemeinschaft und Zuversicht. Die Kraft der Freude dürfe nicht unterschätzt werden. Sie ermögliche es, der Gesellschaft etwas zu geben.

Auftrag für die Zukunft

Die Montag Stiftung Urbane Räume versteht ihr Jubiläum nicht nur als Rückblick, sondern auch als Auftrag für die kommenden Jahre. Herausforderungen wie Klimaanpassung, sozialer Zusammenhalt und demokratische Erneuerung könnten nach ihrer Überzeugung nur bewältigt werden, wenn Menschen Verantwortung übernähmen und gemeinsam handelten.

Die gemeinnützige und unabhängige Stiftung gehört zu den Montag Stiftungen in Bonn. Sie arbeitet mit Kommunen, Verbänden und zivilgesellschaftlichen Initiativen an einer demokratischen und chancengerechten Stadt- und Quartiersentwicklung. Ihr Schwerpunkt liegt auf gemeinwohlorientierten Immobilienprojekten und der Weitergabe der dabei gewonnenen Erfahrungen. „Die Zukunft unserer Städte entsteht durch Menschen, die gemeinsam handeln, Verantwortung übernehmen und den Mut haben, Neues auszuprobieren“, sagte Winterhager.

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RAG - Redaktion

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