Einjähriger übernimmt Polizeijob
Nilo ist „Türöffner“ durch Lebensfreude

Mittelpudel Nilo geht gerne mit Polizeihauptkommissarin Nadine Liboth an der Sieg spazieren.
  • Mittelpudel Nilo geht gerne mit Polizeihauptkommissarin Nadine Liboth an der Sieg spazieren.
  • Foto: Woiciech

Rhein-Sieg-Kreis. „Nilo ist ein empathischer Hund. Er spürt Freude, aber ebenso Traurigkeit sofort. Seine Anwesenheit wirkt einfach“, so Polizeihauptkommissarin Nadine Liboth.

Die Leiterin der Abteilung Verkehrsunfallprävention/Opferschutz der Direktion Verkehr bei der Kreispolizeibehörde in Siegburg ist das „Frauchen“ des lustigen Mittelpudels, der im März ein Jahr alt wurde. „Er ist total kinderlieb und freut sich auf jeden, der auf ihn zukommt, egal ob Jung oder Alt.“

Auch wenn der Rüde eigentlich der Familienhund von Nadine Liboth ist, hat er bei der Polizei einen weiteren Job übernommen und zwar als Opferschutzhund.

„Man muss sich im extremen Fall ein schlimmes Ereignis mit einem toten Kind vorstellen. Mit Nilo würde ich später zum Beispiel die Geschwister aufsuchen. Beim Spielen oder Spazierengehen vermittelt der Hund wieder etwas Lebensfreude. Eine andere Situation wäre, wenn traumatisierte Kinder zu einer Vernehmung geladen sind. Die Anwesenheit von Nilo funktioniert dann als Türöffner.“ Der Opferschutzhund hilft beim Stressabbau und ebnet den Weg zum ersten Gespräch.

Dabei ist Nilo kein ausgebildeter Therapiehund, sondern kommt den Umständen entsprechend zum Einsatz. Sein Aufgabengebiet umfasst jedoch nicht nur Unfälle mit schwer oder tödlich verletzten Personen, er lässt sich auch bei Missbrauch, sowie in der Unfallprävention, einsetzen. „Bei einer Schulwegbegehung könnten die Jüngsten dem Hund die Verkehrsregeln erklären.“ Darüber hinaus ist die Abteilung von Nadine Liboth neben den Fahrradprüfungen für Grundschüler obendrein beim Pedelec-Training für Senioren dabei.

Die Idee des Opferschutzhundes ist nicht neu. „Das Konzept hatte eine Kollegin aus Essen für sich ins Leben gerufen und wurde als nächstes von der Behörde in Gütersloh mitgetragen. Wir sind quasi die dritten“, erläutert die Polizistin. Sie stellte ihr Vorhaben bei der Kreispolizeibehörde vor und fand hier ein offenes Ohr für das Projekt. „Nilo ist dennoch kein reiner Diensthund, der volle Versorgung erhält. Die Behörde beteiligt sich mit einem Teil der Unterhaltskosten, gewissermaßen als Arbeitgeberanteil. Alles andere trage ich selbst.“

Vor der Anschaffung erkundigte sich Nadine Liboth bei Züchtern nach der idealen Rasse. „Er musste ja auch zu meinen privaten Lebensumständen passen. Außerdem kommt es ja auch auf den Charakter an, um als Opferschutzhund geeignet zu sein. Und letztendlich sollte er nicht haaren, damit Allergiker keine Probleme kriegen.“ Von Züchtern im Westerwald wurde sie nach Wesel verwiesen, wo sie im Wurf Nilo fand. „Mit seiner braunen Färbung im Gesicht und den braunen Socken sah er lustig aus. Und er besitzt so eine tolle Mimik.“ Der freundliche Hund eroberte schnell die Herzen der Familie Liboth und verzauberte sofort sämtliche Mitarbeiter der Dienststelle.

Allerdings steht Nilos Feuerprobe noch aus. „Das ist ja erst alles frisch über die Bühne gegangen. Gleichwohl starten wir in die Sommermonate, wo vermehrt Unfälle passieren, etwa wenn der Nachwuchs draußen spielt und mit dem Rad unterwegs ist. Ich hoffe sehr, dass die Einsätze nicht so üppig ausfallen.“ Sicherlich gestaltet sich nicht jeder Auftrag für Nilo kummervoll, doch gewiss ist, dass mit Nilos Hilfe ein erster Ansatz für einen Umgang mit schwierigen Situationen gegeben ist.

„Ich wünsche mir für die Opfer, dass sie nach ihren Schicksalsschlägen eine andere Art von Glück und Lebensfreude finden, an die zunächst vielleicht nicht zu denken ist.“

Redakteur:

Dirk Woiciech aus Siegburg

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