Corona- schwierige Zeit für Hebammen
Der Klappperstorch hat’s auch nicht leicht

Der Klapperstorch und seine Helferin Gaby Sonntag geben auch in Corona-Zeiten ihr Bestes.
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Rhein-Sieg-Kreis - Corona macht auch für Hebammen den Berufsalltag schwieriger

Auf dem Weg ins Leben kommt (fast) niemand an ihnen vorbei: Hebammen
begleiten werdende und junge Mütter/ Eltern und deren Kinder vom
Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit. Sie sind
kompetente und einfühlsame Beraterinnen bei vielen, auch
medizinischen, Fragen des Lebens.

Schon während der Schwangerschaft suchen die Expertinnen für
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett die werdenden Mütter auf,
zeigen ihnen Entspannungs- und Atemtechniken, beraten bei
Schwangerschaftsbeschwerden, untersuchen die Frauen und überprüfen
beispielsweise die Lage oder die Herztöne des Kindes.

Sie begleiten die Frauen selbständig durch die Geburt und nur bei
ungewöhnlichen Verläufen wird ein Arzt hinzugezogen.

„Es gibt keinen schöneren Beruf als den der Hebamme“, sagt
Frederike Sawallisch, Leiterin des Kreißsaals der GFO Kliniken Bonn
am Standort Marienhospital. „Denn es gibt nichts Schöneres als nach
einem Dienst nach Hause zu gehen und das Gefühl zu haben, etwas
wirklich Sinnvolles getan zu haben.“

Der Berufsstand hat es sowieso schon nicht leicht, weil freie Hebammen
beispielsweise horrende Beiträge zur Haftpflichtversicherung bezahlen
müssen und Hebammen an den Krankenhäusern vielfach überlastet sind.
Sawallisch: „Die grundlegenden Rahmenbedingungen müssen von
politischer Seite endlich verbessert werden. Vor allem braucht es dazu
mehr Hebammen zur Entlastung der vorhandenen Kolleginnen, Hilfskräfte
zur Unterstützung von fachfremden Tätigkeiten und eine der
Verantwortung angemessene Bezahlung.“

Jetzt hat auch die Corona-Pandemie die Arbeit verändert. „Unsere
Arbeit hat an Leichtigkeit verloren“, meint Gaby Sonntag, freie
Hebamme aus Königswinter. „Die Schwangerenbetreuung zu Hause ist
jetzt nicht mehr so wie früher möglich. Vorgespräche werden per
Video-Konferenz geführt, man sieht nur das Gesicht und kommt den
Frauen nicht mehr so nah. Wenn Untersuchungen durchgeführt werden,
dann nur mit Maske und Handschuhen. Das macht es schwieriger, einen
guten Kontakt zu bekommen.“

Video-Kurse zur Geburtsvorbereitung oder Rückbildungsgymnastik im
Wochenbett ersetzen Präsenz-Kurse, die in der Pandemie nicht möglich
sind, nur unzureichend, weil der körperliche Kontakt fehlt. Besonders
im Kreißsaal ist die Situation schwieriger geworden: die Väter oder
andere Begleitpersonen dürfen nicht von Anfang an dabei sein. „Ich
hatte Väter, die stundenlang im Auto vor dem Krankenhaus gewartet
haben, bis sie reindurften“, so Sonntag. „Dabei sind die Väter
zur Unterstützung bei der Geburt so wichtig. Ich hoffe, das ändert
sich bald wieder.“

Frederike Sawallisch sieht das ähnlich: „Für mich war und ist die
größte Herausforderung, die Begleitpersonen der werdenden Mütter
mehr oder weniger ersetzen zu müssen. Wir rufen die Begleitpersonen
zwar frühzeitig zu der Geburt dazu, dennoch muss eine gewisse Zeit
überbrückt werden. Ich wünsche besonders den gebärenden Frauen,
dass bald Begleitpersonen wieder während des gesamten
Geburtsprozesses unterstützend dabei sein können.“

So hoffen auch die Hebammen auf ein baldiges Ende der Pandemie um
wieder unter normalen Bedingungen arbeiten und damit Familien optimal
begleiten zu können. „Wir legen mit unserer Arbeit den Grundstein
für das weitere gesunde Leben von Mutter und Kind. Alles, was unter
der Geburt passiert, kann körperliche und psychische Auswirkungen auf
das spätere Leben von Mutter und Kind haben. Eine gute und kompetente
Begleitung durch die Hebamme ist somit essenziell“, so Frederike
Sawallisch.

- Christa Gast

Redakteur:

RAG - Redaktion

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