Infos auch vom Meteorologen
Klima.Wandel.Anpassung.

Der ARD-Meteorologe Donald Bäcker informierte über wissenschaftliche Hintergründe des Klimawandels und seine Folgen.  | Foto: OBK
  • Der ARD-Meteorologe Donald Bäcker informierte über wissenschaftliche Hintergründe des Klimawandels und seine Folgen.
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Oberberg. Vielseitig, informativ und unterhaltsam: Unter dieser Maßgabe hat der Oberbergische Kreis zwei Veranstaltungen organisiert, in denen Kreis, Kommunen, Klimafachleute sowie Bürgerinnen und Bürgern die Herausforderungen des Klimawandels und mögliche Anpassungsmöglichkeiten vorgestellt haben. Grundlage ist das „Interkommunale Klimawandelanpassungskonzept“ (KWAK), das die Kreisverwaltung gemeinsam mit den 13 oberbergischen Kommunen und Fachstellen erarbeitet hat. Es dokumentiert den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel, den Auswirkungen auf den Oberbergischen Kreis und beinhaltet entwickelte Anpassungsmaßnahmen an die unabwendbaren Folgen, zum Beispiel zunehmender Hitzetage oder anhaltende Trockenphasen.

Koordinieren, informieren, sensibilisieren

Wie stark das Interesse daran ist, wurde anhand der ausgebuchten und darüber hinaus stark nachgefragten Veranstaltung, mit einem fach-öffentlichen und einem öffentlichen Teil, deutlich, wie Landrat Klaus Grootens bei der Eröffnung der Veranstaltung betonte: „Denn Klimawandelanpassung ist keine rein verwaltungsinterne oder akademische Aufgabe, sondern eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe.“ Daher sei es wichtig, „dass die Inhalte des Konzeptes verständlich, transparent und zugänglich sind“, so Klaus Grootens. „Unser Klimawandelanpassungskonzept verfolgt dabei ein klares Ziel: Lebensqualität erhalten, Risiken mindern und Vorsorge treffen – für heute und für kommende Generationen.“

Der Oberbergische Kreis kann dabei nicht alles selbst umsetzen, sondern müsse vor allem koordinieren, informieren, sensibilisieren, Akteure vernetzen und Unterstützung sowie Fördermöglichkeiten organisieren. „Entscheidend ist jedoch, dass Klimawandelanpassung nur dann gelingt, wenn viele mitwirken: Kommunen, Unternehmen, Vereine – und jede und jeder Einzelne“, sagte Landrat Klaus Grootens.

Prominente und unterhaltsame Unterstützung durch den ARD-Meteorologe Donald Bäcker

In seinem Vortrag „Ist ja bloß Wetter - oder doch Klimawandel“ referierte der Meteorologe und Wettermoderator Donald Bäcker über Wetterphänomene, deren Zusammenhänge und die Bedeutung des Klimawandels. Das Klima sei über die Jahrtausende hinweg betrachtet „nie stabil gewesen“, doch es gebe immer mehr Extremwetterereignisse in immer kürzeren Abständen, die sich nur noch durch den menschengemachten Klimawandel erklären lassen.

Durchschnittstemperatur in Oberberg stieg um 1,7 Grad

Auf den Oberbergischen Kreis bezogen hat Donald Bäcker festgestellt, dass die Temperatur bei im Jahresdurchschnitt seit den 1950er Jahren bis in die 2010er Jahre hinein, von 8,2 auf 9,9 Grad angestiegen ist. Der Meteorologe geht davon aus, dass zukünftig weniger Regen im Sommer fallen, es dafür im Winter aber mehr regnen wird und die Wahrscheinlichkeit für Starkregenereignisse wie 2021 steigt.

Widerstandsfähigkeite stärken

Die Notwendigkeit, daraus Anpassungsmaßnahmen abzuleiten, um Schäden zu verringern und die Widerstandsfähigkeit für unsere Region zu stärken, zeigte Umweltdezernent Frank Herhaus anhand der Ergebnisse der Interkommunalen Klimawandelanpassungskonzepts auf.

Kreisweite Analysen zur zukünftigen Hitzebelastung sowie zur nächtlichen Kaltluftbildung stellen neben dem Starkregenrisikomanagement, das der Kreis im Mai 2025 mit den Kommunen abgeschlossen hat, die zentralen Planungsgrundlagen für Klimaanpassungsmaßnahmen dar.

Aufbauend auf den wissenschaftlichen Ergebnissen wurden Betroffenheiten für 14 Themengebiete, immer mit besonderem Blick auf vulnerable Gruppen wie etwa Menschen höheren Alters mit Vorerkrankungen und Menschen, die im Freien arbeiten, ermittelt. Zu den Themenfeldern zählen unter anderem die Gesundheit, der Wald, Wasser und Gewässer oder die Oberbergische Wirtschaft.

Konkrete Maßnahmen

Im Ergebnis wurden 13 Maßnahmen für den Kreis sowie individuelle Maßnahmen für jede Kommune im Oberbergischen Kreis erarbeitet. Ein Beispiel dafür ist die Entsiegelung und Begrünung von Schulhöfen.

Neben dem Kreis und den Kommunen sind auch viele weitere Akteure gefragt, Klimaanpassungsmaßnahmen umzusetzen. Sei es die klimaangepasste Wiederbewaldung, die alle Waldbesitzer umtreibt oder eine angepasste Talsperrenbewirtschaftung, die die Wasserverbände vor Herausforderungen stellt, auch zukünftig stets genügend Trink- und Brauchwasser bereitstellen zu können und gleichzeitig genügend Stauraum vorzuhalten, um im Starkregenfall ausreichend Wasser auffangen zu können.

Selbstvorsorge treffen

Bei einer abschließenden Gesprächsrunde zum Thema „Klimawandelanpassung im eigenen Umfeld“ informierten der Meteorologe Donald Bäcker, Dr. Uwe Moshage vom Aggerverband; Julian Seeger als Leiter des Amtes für Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz und Kreisbrandmeister sowie Christine Wosnitza (Biologische Station Oberberg) und Julia Wäger (Projektagentur Oberberg) über konkrete Anpassungsmaßnahmen, die Bürgerinnen und Bürger betreffen.

Das Fazit: Neben den vielen Maßnahmen mit Institutionen wie Feuerwehr, THW, DRK ist es wichtig, dass auch Bürgerinnen und Bürger ihre Möglichkeiten an Vorsorgemaßnahmen ergreifen, etwa Wetter-Warn-Apps installieren oder sich ein batteriebetriebenes Radio anschaffen um - unabhängig vom Stromnetz - Informationen und Verhaltensmitteilungen bei Unwetterlagen zu empfangen.

Für Christine Wosnitza gibt es im eigenen Umfeld bereits viele kleine hilfreiche Maßnahmen: Regenwasserspeicher im Garten, möglichst wenig Flächen versiegeln und durch überlegtes Anpflanzen von Stauden und Sträuchern die Feuchtigkeit im Garten halten.

Auf Selbstfürsorge und Vorsorgemaßnahmen des Einzelnen zielte der Markt der Möglichkeiten ab. Hier konnte sich das interessierte Publikum über praxisnahe Maßnahmen informieren.

Im fach-öffentlichen Teil tauschten sich Experten zu konkreten Handlungsmaßnahmen auf Landes-, Regional- und Kommunalebene aus, beispielsweise, wie sich landwirtschaftliche Betriebe unter den veränderten Bedingungen des Klimawandels nachhaltig entwickeln können. Pauline Rothstein, Wirtschaftsförderung des Oberbergischen Kreises, zeigte auf, wie der Kreis Unternehmen unterstützen kann, klimaresilient zu werden. So sollen unter anderem kostenfreie Beratungsprozesse angeboten werden, in denen auf das jeweilige Unternehmen bezogene Klimawandelanpassungsmaßnahmen entwickelt werden.

Wie Anpassungen an den Klimawandel in einer Kommune erfolgen können, machte Sabine Nockemann-Hameran, Klimaanpassungsmanagerin in Engelskirchen, deutlich.

Weitere Infos

Weitere Informationen zum Klimwandelanpassungskonzept (KWAK) des Oberbergischen Kreises: www.obk.de/kwak

Erläuterung des Starkregenrisikomanagements: www.obk.de/starkregen. Von dort ist auch eine Verlinkung auf die Starkregengefahren- und -risikokarten in RIO möglich; im Portal RIO sind die Karten über https://rio.obk.de unter der Anwendung „Starkregen“ abrufbar.

Redakteur/in:

RAG - Redaktion

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