1951 - Beben schockte auch Köln
So entstand die Station Bensberg
- Die Erdbeben-Messstation in Bensberg
- Foto: Ludolf Dahmen/ Universität zu Köln
- hochgeladen von EXPRESS - Die Woche - Redaktion
Ein schweres Erdbeben erschüttert die Region, Häuser werden beschädigt, auch in Köln ist die Erschütterung deutlich zu spüren. Das Beben von 1951 wurde zum Weckruf – und zum Startpunkt für die Erdbebenstation Bensberg.
Vor 75 Jahren wurde der Region schlagartig vor Augen geführt, dass das Rheinland alles andere als erdbebenfrei ist. Am Vormittag des 14. März 1951 erschütterte ein starkes Beben das Gebiet zwischen Euskirchen, Köln und Bonn. Besonders hart traf es Euskirchen und die umliegenden Orte, vor allem den Raum Euskirchen–Bad Münstereifel. Dort kam es zu zahlreichen schweren Gebäudeschäden. Doch auch in Köln war das Beben deutlich zu spüren – und genau das machte das Ereignis auch für die Menschen in der Domstadt so bedeutsam.
Das Beben erreichte eine Magnitude von 5,1 beziehungsweise 5,7, je nach Magnitudenskala. Es war stark, aber vergleichsweise kurz. Seine Wirkung reichte dennoch weit über die eigentliche Schadensregion hinaus. Das Ereignis machte klar, wie aktiv die Niederrheinische Bucht und die angrenzende Eifel geologisch sind. Sie zählen zu den aktivsten Erdbebengebieten Deutschlands. Gerade deshalb wog eine andere Tatsache besonders schwer: Im Rheinland selbst wurde das Euskirchener Erdbeben damals gar nicht instrumentell aufgezeichnet. Moderne seismische Messstationen gab es in der Region noch nicht.
Diese Lücke hatte Folgen. Forschende erkannten, dass eine dauerhafte seismologische Beobachtung im Rheinland dringend nötig war – nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für den Bevölkerungsschutz. Die nächsten deutschen Stationen lagen damals mehr als 200 Kilometer entfernt, in Karlsruhe und Göttingen. Trotzdem war das Beben so stark, dass sogar die Registrierfedern der Stationen in Jena und Basel beschädigt wurden. Selbst im 9000 Kilometer entfernten Pasadena in Kalifornien konnte das Beben noch registriert werden.
Vor Ort blieb den Wissenschaftlern zunächst nur, Schadensberichte und die Wahrnehmungen der Bevölkerung auszuwerten. Erst über die Verteilung der Schäden ließ sich das Epizentralgebiet eingrenzen. Für die Region war das ein deutliches Signal: Beim nächsten Beben sollten bessere Daten vorliegen. Martin Schwarzbach, damals Professor für Geologie an der Universität zu Köln, setzte sich deshalb für den Aufbau einer eigenen Station ein. Weil in Köln die wachsende Industrie und ungünstige geologische Bedingungen gegen einen Standort in der Stadt sprachen, fiel die Wahl auf Bensberg, heute ein Stadtteil der Kölner Nachbarstadt Bergisch Gladbach.
Nach der Grundsteinlegung im Jahr 1952 nahm die Erdbebenstation Bensberg 1955 ihren Betrieb auf. Seitdem registriert sie kontinuierlich die seismische Aktivität im Rheinland. Was mit den Erfahrungen aus dem Beben von 1951 begann, wurde damit zu einem dauerhaften Frühwarn- und Forschungsinstrument für die Region.
Für viele Menschen blieb das Euskirchener Erdbeben ein prägendes Erlebnis. Für die Seismologie im Rheinland war es ein Wendepunkt. Ohne dieses Ereignis gäbe es die Erdbebenstation Bensberg in ihrer heutigen Form vermutlich nicht. Heute sorgen moderne digitale Messnetze, mit Sensoren sogar im Kölner Dom, dafür, dass selbst kleinste Erdbeben hochauflösend registriert werden. Zugleich ist die Station an das Institut für Geologie und Mineralogie der Universität zu Köln angegliedert und trägt damit auch zur Ausbildung neuer Studierender in der Seismologie bei. (bn.)
Redakteur/in:EXPRESS - Die Woche - Redaktion aus Köln |