Nachzucht ausgewildert
Steinkauz-WG aufgelöst
- Falkner Mario „Ari“ Scholz und ein junger Waldkauz. Der große Moment selbst war ebenso ruhig wie bewegend. Nachdem die jungen Käuze sicher transportiert worden waren, bekam jeder seine eigene Niströhre im neuen Revier.
- Foto: Skyhunters Frechen
Nach vier Monaten voller Familienleben, Nachtunterricht und reichlich Mäusehäppchen war es für vier junge Nachwuchseulen so weit: Die jungen Steinkäuze aus der Falknerei Skyhunters Frechen wurden im Rhein-Erft-Kreis ausgewildert.
Rhein-Erft-Kreis (lk). „Ihre Eltern Romy und Nepi dürfen sich jetzt endlich wieder über ein bisschen Ruhe in den Niströhren freuen – denn die vier Sprösslinge waren nicht gerade pflegeleicht“, erzählt Falkner Mario „Ari“ Scholz. „Einer hat immer die Mäuse versteckt, der andere hat ständig die besten Sitzplätze belegt“, schmunzelt er. Und tatsächlich: Wer die kleine Kauz-WG miterleben durfte, bekam eher den Eindruck einer turbulenten Wohngemeinschaft als einer strengen Eulenschule.
Da gab es den Draufgänger, der stets als Erster neugierig aus der Röhre lugte – sehr zum Ärger seines vorsichtigen Bruders, der lieber noch einmal alles gründlich überlegte. Ein dritter ließ keine Mahlzeit aus und machte seinem Ruf als „Staubsauger der Niströhre“ alle Ehre. Und Nummer vier? Nun, der brauchte immer ein wenig länger, um in die Gänge zu kommen. Aber wenn er einmal gestartet war, dann mit voller Kraft.
Das ernste Ziel dahinter ist klar: „“Steinkäuze stehen auf der Roten Liste und brauchen dringend Unterstützung. Mit Projekten wie diesem soll der Bestand im Rhein-Erft-Kreis stabilisiert oder sogar erhöht werden. Jeder kleine Kauz, der erfolgreich ausgewildert wird, ist ein Schritt in Richtung Zukunft für diese bedrohte Art“, erklären die Skyhunters.
Der große Moment selbst war ebenso ruhig wie bewegend. Nachdem die jungen Käuze sicher transportiert worden waren, bekam jeder seine eigene Niströhre im neuen Revier. Dort wurden sie mit Futter für die ersten Tage versorgt – eine kleine Starthilfe ins große Leben. Dann öffneten sich die Klappen, vier Paar neongelbe Augen blitzten neugierig hervor, und einer nach dem anderen verschwand flatternd in die Freiheit. Ari Scholz: „Nur einer drehte sich noch einmal um, als wolle er sagen: Danke – ich meld’ mich dann mal!“
Auch für die Menschen hinter dem Projekt ist die Freude groß. Das gesamte Team der Skyhunters ist stolz, dass die Aufzucht wieder gelungen ist und die Auswilderung beginnen konnte. „Es ist jedes Mal ein besonderer Moment, wenn die Kleinen hinaus in die Freiheit starten“, betont das Team – und hofft, dass die vier eines Tages mit eigener Familie zurückkehren.
Und so ziehen die ehemaligen WG-Bewohner nun durch die Felder und Wiesen des Rhein-Erft-Kreises.
Steinkäuze bewegen sich auch auf dem Boden, mit langen Schritten und kurzen Sprüngen fort. Sie sind in der Lage, so schnell zu rennen, dass sie auch eine flüchtende Feldmaus einholen. Steinkäuze können während des Tages freisitzend auf Schornsteinen, Zaunpfählen, Felsblöcken, Leitungsdrähten oder Masten beobachtet werden. Ruhende Steinkäuze plustern ihr Gefieder häufig auf und ziehen den Kopf ein, so dass sie kugelförmig wirken.
„Steinkäuze haben ein sehr umfangreiches Lautrepertoire, das von bellenden, schnarchenden, miauenden Lauten bis zu klangvoll weichen Rufen reicht“, heißt es auf Wikipedia. Ihr Nahrungsspektrum reicht von Käfern, Regenwürmern und Grillen bis zu Mäusen, Kleinvögeln, Amphibien und Reptilien. In Mitteleuropa ist ihr vorwiegendes Beutetier die Feldmaus.
Über 70 Prozent der Steinkäuze sterben im ersten Lebensjahr. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa vier Jahren. Das Höchstalter für freilebende Steinkäuze beträgt 15 Jahre.
Redakteur/in:Lars Kindermann aus Rhein-Erft |