Geschichte der Metzmacher-Brauerei
Als man das Rats-Kölsch noch riechen konnte
- Im alten Bahnhof präsentierte Dr. Helmut Wirges zusammen mit dem Vorstand des Geschichtsvereins sein jüngstes Werk zur Geschichte der Familie und Brauerei Metzmacher.
- Foto: whm
Frechen (whm). Wenn vor Jahrzehnten in der Metzmacher-Brauerei im Herzen Frechens noch das beliebte „Rats-Kölsch“ gebraut wurde, da konnte man das auch riechen. Die älteren Frechener werden sich sicherlich noch gut daran erinnern, dass sie, wenn sie auf der Hauptstraße an der Haltestelle vor der damaligen Marienschule auf die Straßenbahn in Richtung Köln warteten, den Geruch aus dem Sudhaus gegenüber – bei passender Windrichtung – mitbekamen.
An dies und vieles mehr aus der Geschichte der Familie und der Brauerei Metzmacher erinnert Autor Dr. Helmut Wirges in der neuesten Sonderveröffentlichung des Frechener Geschichtsvereins, die Einblicke in die Frechener Brauerdynastie preisgibt. Vieles hat sich inzwischen in der Frechener City geändert, der Autoverkehr an der Kreuzung mit Frechens erster Ampel ist ebenso verschwunden wie die alten Bauten der Brauerei.
Dr. Helmut Wirges hat versucht, eine Rekonstruktion der Brauerei- und Familiengeschichte zu schaffen. Dabei ging es um die Frage, seit wann es die Brauerei gab, welchen Einfluss und Bedeutung sie und die beteiligten Familien für die Entwicklung der Gemeinde und späteren Stadt hatten. Rund eineinhalb Jahre hat Wirges an dem Buch gearbeitet.
„Bei der Vorarbeit konnte ich zum Teil auf mein bereits 1994 erschienenes Buch zur ,Biergeschichte zwischen Rhein und Erft‘ zurückgreifen“, so Wirges. Das war auch gut, denn ein Archiv über die Metzmacher-Historie gibt es nicht. Hilfreich war ihm unter anderem ein Aufsatz von Egon Heeg, der sich 2014 in einem Aufsatz mit einem Königsschild aus einer Schützenkette aus dem Jahr 1723 beschäftigte, dass das Zunftzeichen der Brauer zeigte.
1617 wurden in Frechen zwölf Wirte und ein Malzmacher erwähnt, die sicherlich alle ihr eigenes Bier brauten und in ihren Schankwirtschaften vertrieben. Die Vorfahren der Familie Metzmacher sollen seit 1723 das Braurecht besessen haben, sie lebten damals in Hücheln. Der Name Metzmacher taucht erstmals 1840 auf, als Adolph Metzmacher aus Poll bei Nörvenich in Frechen als Brauer angestellt wird und 1848 in die Hüchelner Brauerfamilie einheiratet. Seine Frau Anna Margaretha Blömeling erhält das Hofgut mit der Brauerei und Schankwirtschaft als Mitgift. Die Brauerei an der heutigen Ägidiusstraße lief erfolgreich, das Hofgut wurde ausgebaut und Adolph Metzmacher gehörte später auch dem Frechener Gemeinderat an.
Adolph Metzmacher hatte zwei Söhne, Engelbert und Robert. Engelbert übernahm die väterliche Brauerei, baute sie im Laufe der Jahre weiter aus. Robert Metzmacher dagegen machte sich als Brauer selbstständig und eröffnete 1879 seine Brauerei mit Gaststätte in Frechens Ortsmitte an der Cöln-Dürener Straße, wo er ein „untergäriges, helles Bier von hopfig edlem Geschmackscharakter“ anbot.
Es gab Höhen und Tiefen in der Firmengeschichte, wobei auch die Marktlage eine entscheidende Rolle spielte. Erhebliche Veränderungen auf dem Biermarkt traten mit Beginn der neunziger Jahre auf und so wurde 1994 die Brauerei Metzmacher komplett an die Kölner Dom-Brauerei (Funke-Gruppe Essen) verkauft. Einige Jahre später wurden der gesamte Komplex abgerissen. Das Rats-Kölsch kam fortan aus der Domstadt.
Auf 190 Seiten hat Dr. Hemut Wirges die Geschichten um das „Ratskölsch“ festgehalten, illustriert mit vielen historischen Abbildungen sowie Erinnerungen an die Werbeelemente und Kölschgläser der Vergangenheit. Erstmals hat sich der Frechener Geschichtsverein dazu entschieden, Sponsoren mit in das Buch (als Anhang) aufzunehmen, um so die Kosten für den druck aufzufangen.
Das Buch „Die Geschichte der Frechener Brauerdynastie Metzmacher“ gibt es ab sofort zum Preis von 15 Euro im örtlichen Buchhandel und beim Frechener Geschichtsverein. Der Geschichtsverein wird die Bücher auch beim Sommerfest aus Anlass der 75. Wiederkehr der Stadtwerdung an seinem Stand anbieten. (ISBN 978-3-943235-24-1)
Redakteur/in:RAG - Redaktion |