Überraschung zum Wiederantritt
Woelki hat Papst Amtsverzicht angeboten

Kardinal Rainer Maria Woelki, der Erzbischof von Köln, hat dem Papst seinen Rücktritt angeboten.
  • Kardinal Rainer Maria Woelki, der Erzbischof von Köln, hat dem Papst seinen Rücktritt angeboten.
  • Foto: Andreas Arnold/dpa/Archiv
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Wie geht es im und mit dem Erzbistum Köln weiter? Obwohl Kardinal Rainer Maria Woelki am heutigen Aschermittwoch, wie ursprünglich geplant, sein Amt wieder aufgenommen hat, wurde doch auch Überraschendes verkündet: Woelki ist wohl aktuell Kölner Erzbischof auf Probe beziehungsweise Abruf. Der Kardinal hat dem Papst seinen Rücktritt angeboten.

Der Papst werde zu gegebener Zeit über Woelkis Angebot entscheiden, teilte das Erzbistum Köln am Mittwoch mit. Zunächst habe der Papst Kardinal Woelki aber angewiesen, seinen Dienst als Erzbischof von Köln wie geplant am Mittwoch wieder aufzunehmen.

In einem Brief an die Gläubigen des Erzbistums gab Woelki sein Rücktrittsangebot bekannt, warb aber zugleich um eine zweite Chance. Er bat die Kirchenmitglieder um Offenheit und plädierte für einen Neuanfang. "Dafür möchte ich in den kommenden Wochen und Monaten die Begegnung mit möglichst vielen von Ihnen suchen", schrieb Woelki. Gleichzeitig bedauere er die schwierige Situation im Erzbistum: "Es tut mir leid, dass diese Zeit für viele Menschen in unserer Kirche eine so belastete Zeit ist."

Maria 2.0 - nicht nur auf den Kardinal fixieren

Dies zeigte sich am Mittwochmorgen auch auf der Kölner Domplatte, wo gegen Woelkis Rückkehr demonstriert wurde. Die Reformbewegung Maria 2.0 hatte angesichts der erwarteten Rückkehr von Woelki in sein Amt als Kölner Erzbischof einen tiefgreifenden Wandel in der katholischen Kirche gefordert. Woelki komme "gegen jeden Wunsch" zurück, sagte die Sprecherin der Reformbewegung Maria Mesrian am Mittwoch dem Sender WDR5. Man halte davon nicht viel. «Aber für uns ist wichtig, dass man sich nicht nur auf den Kardinal fixiert», erklärte die Theologin. Es gehe nicht nur um eine Person, sondern es gehe um ein System. Die Kirche habe eine Struktur, die keine Machtkontrolle kenne, die willkürlich handle. «Deshalb muss dieses System kontrolliert werden», sagte Mesrian.

Kirchenrechtler Schüller: "Erzbischof auf Abruf"

Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht Kardinal Rainer Maria Woelki nach dessen Rücktrittsangebot an Papst Franziskus als «Erzbischof auf Probe beziehungsweise auf Abruf». Schüller sagte der Deutschen Presse-Agentur, der damit entstandene Schwebezustand sei im Grunde eine «Zumutung für Woelki, denn er muss etwas liefern, was er nicht leisten kann: Dialogfähigkeit, Gabe der Versöhnung und die Bitte um Vergebung, die ihm die Gläubigen abnehmen können». Aber auch den Gläubigen werde wieder eine weitere Hängepartie zugemutet. «Wie viel Zeit wird sich der immer zögerliche und zaudernde Papst Franziskus eigentlich noch nehmen wollen, um endlich zu erkennen, dass die Scheidung auf Katholisch im Erzbistum Köln zwischen Kardinal und Gläubigen unausweichlich ist?»

Woelki und seine Auszeit

Kardinal Woelki nahm in seinem Brief auch Bezug zu seiner fünfmonatigen Auszeit, die er ab Oktober  2021genommen hatte. Woelki nannte als Grund eine Art Burn-out: «Tatsächlich war für mich im Oktober letzten Jahres ein Maß an körperlicher und mentaler Erschöpfung erreicht, das eine Auszeit notwendig machte. Es wird nicht wenige unter Ihnen geben, die um die Notwendigkeit einer solchen Zeit wissen, weil Sie selbst oder Ihnen nahestehende Menschen schon einmal die Erfahrung einer solch langfristigen Überbeanspruchung gemacht haben.»

Woelki hatte die Auszeit angetreten, nachdem ihm Papst Franziskus «große Fehler» vor allem in seiner Kommunikation bescheinigt hatte. Seit Woelki 2020 entschieden hatte, ein Gutachten über den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch zunächst nicht zu veröffentlichen, befindet sich das Erzbistum Köln in einer Krise. Der Kardinal führte seinerzeit rechtliche Gründe dafür an und gab ein neues Gutachten in Auftrag. Im Zuge dieser Entscheidung kam es zu einer immer stärkeren Entfremdung zwischen dem Kardinal und den wichtigsten Gremien des Erzbistums.

(vd)  /  © dpa-infocom, dpa:220302-99-350171/3  /  dpa:220302-99-348413/2  /  dpa:220302-99-351061/2

Redakteur:

RAG - Redaktion

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