Sonderausstellung Neu!
Spurensuche im P26
- Exponat der Ausstellung „NEU!“: Ein Herbarbeleg, Teil der Dokumentation eines Forschungsprojekts der Botanischen Gärten im Herbarium.
- Foto: Abbildung: Tim Böhnert
Bonn (red). Seit der Eröffnung am 26. November lädt das P26, das Haus des Wissens und der Forschung der Universität Bonn in der Poststraße 26, zu einer ungewöhnlichen Entdeckungsreise ein. Die Sonderausstellung „Neu! Gesammelt – Genutzt – Gedacht“ zeigt bis zum 29. März 2026, wie vielfältig die Wege sind, auf denen neue Objekte in die über 20 Universitätsmuseen und -sammlungen gelangen – und wie diese Neuzugänge Forschung, Lehre und studentische Projekte prägen.
Im Zentrum der Ausstellung stehen Objekte, die in den vergangenen Jahren auf ganz unterschiedliche Weise ihren Weg in die Sammlungen gefunden haben: über Schenkungen, Nachlässe, Feldforschung, Ausgrabungen, Tausch, Leihgaben oder gelegentlich auch über gezielte Ankäufe. Kooperationen mit inner- und außeruniversitären Einrichtungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Oft bedeutet ein neues Objekt aber auch zusätzliche Arbeit, denn nicht immer ist seine Herkunft vollständig geklärt.
Forschung, Lehre – und die Geschichten dahinter
Die Ausstellung verdeutlicht, warum Sammlungen bis heute ein zentraler Motor wissenschaftlicher Arbeit sind. Gezeigt wird etwa, wie Materialanalysen, Röntgen- und MRT-Verfahren oder 3D-Erfassungssysteme eingesetzt werden, um Objekte neu zu untersuchen und in wissenschaftliche Kontexte einzuordnen. Unter Schlagworten wie „Neu gesammelt“, „Neu erforscht“ oder „Neu gesehen – neu gedacht“ werden exemplarische Neuzugänge präsentiert und ihre Bedeutung erklärt.
Besonders augenfällig wird dies in den naturwissenschaftlichen, medizinischen und landwirtschaftlichen Sammlungen: Hier gelangen jährlich hunderte Objekte zu Dokumentationszwecken in die Depots, etwa Herbarbelege aus Forschungsprojekten der Botanischen Gärten. Zusammengenommen ergeben Lebend- und Belegsammlung ein Archiv pflanzlicher Vielfalt, das gleichermaßen für Biodiversitätsforschung, Naturschutz und Wissenschaftsgeschichte bedeutsam ist.
Zwischen Schenkungen, Souvenirs und sensiblen Fragen
Dass neue Objekte nicht nur Forschung, sondern auch Diskussionen anstoßen können, zeigt ein Bereich, der sich problematischen Schenkungen widmet. Unter anderem werden Tierpräparate gezeigt, die in den 1970er Jahren legal als Reiseandenken erworben wurden, aus heutiger Sicht jedoch Fragen des Artenschutzes aufwerfen. In der Lehre dienen sie inzwischen dazu, diesen Wandel im Umgang mit Natur und Ressourcen sichtbar zu machen.
Einen weiteren Schwerpunkt bilden studentische Forschungsprojekte. So untersuchten Studierende der Kunstgeschichte zuletzt die Hintergründe einer Fotosammlung, deren Aufnahmen unter anderem jüdische Sammler des frühen 20. Jahrhunderts dokumentieren. In der Ausstellung steht hierfür exemplarisch die auf Karton montierte Fotografie einer Deckelkanne aus dem Nachlass des Kunsthistorikers Marc Rosenberg. Da viele der einst abgebildeten Objekte heute verschollen sind, liefert die Sammlung wertvolle Einblicke in Biografien und Verluste jüdischer Sammlerfamilien.
Führungen, Veranstaltungen und ein breites Begleitprogramm
Kuratiert wurde die Ausstellung von Sandra Müller-Tietz und Alma Hannig, die zugleich Sammlungsbeauftragte der Universität ist. Der Eintritt ist frei. Gruppenführungen können auf Anfrage gebucht werden, freitags um 15 Uhr bieten Studierende öffentliche Führungen an. Zahlreiche begleitende Veranstaltungen – auch für Kinder – ergänzen das Programm. Hinweise finden sich im Online-Auftritt des P26.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |