Jupiter
KI aus Bonn hebt ab
- Prof. Dr. Jürgen Gall, Lamarr-PI und Informatikprofessor an der Universität Bonn, leitet mit seinem Team der Bonner Computer Vision Group das ausgezeichnete Projekt HoMe.
- Foto: Max Waidhas
Bonn (red). Der europäische Exascale-Supercomputer Jupiter sorgt bereits vor seiner vollständigen Inbetriebnahme für Schlagzeilen – und Bonn ist mittendrin. In der bundesweiten Gauss-AI-Compute Competition wurde das Projekt „HoMe“ der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Jürgen Gall als eines von nur zehn Vorhaben ausgewählt, die exklusiven Zugang zu dem neuen Hochleistungsrechner erhalten. Für die Bonner KI-Forschung ist dies ein deutliches Signal: Die Expertise in Vision, Robotik und generativen Modellen zählt zur Spitzengruppe in Deutschland und Europa.
Jupiter, angesiedelt am Forschungszentrum Jülich, gehört zu den weltweit leistungsfähigsten Rechnern. Sein Potenzial ist gigantisch: Über 70 Exaflops – also mehr als 70 Trillionen Gleitkommaoperationen pro Sekunde – sollen die Entwicklung neuer KI-Modelle in bislang ungeahnte Dimensionen katapultieren. Für die ausgewählten Projekte stehen rund 15 Millionen GPU-Stunden bereit.
Ein Modell lernt das menschliche Sehen
Im Bonner Projekt HoMe widmet sich die Arbeitsgruppe von Prof. Gall einem ambitionierten Ziel: Ein generatives KI-Modell zu entwickeln, das realistische Videos aus der Egoperspektive erzeugt. Gesteuert wird die Darstellung durch die dreidimensionale Körperpose einer Person. Dadurch lassen sich Szenen erzeugen, die zeigen, was jemand in einer bestimmten Bewegungssituation sehen würde – und das in bislang unerreichter Präzision.
„Jupiter hebt unsere Forschung auf ein völlig neues Level“, erklärt Gall. Die enorme Rechenleistung ermögliche Modelle, die das Zusammenspiel von Wahrnehmung, Handlung und Interaktion wesentlich realistischer darstellen. Davon profitieren nicht nur Vision- und Robotiksysteme, sondern auch Anwendungen in AR und VR, Teleoperation, Computerspielentwicklung oder assistiven Systemen.
Ein Gewinn für den Forschungsstandort Bonn
Die Entscheidung der Jury unterstreicht die Position des Lamarr-Instituts als zentralem Kompetenzzentrum für verantwortungsvolle, leistungsstarke und nachhaltige KI. Das Institut, getragen von der Universität Bonn, der Technischen Universität Dortmund und zwei Fraunhofer-Instituten, zählt bundesweit zu den wichtigsten Einrichtungen für maschinelles Lernen.
Mit HoMe kann das Bonner Team nun zeigen, wie sich generative Modelle weiterentwickeln lassen – und welchen Beitrag deutsche Forschung zu digitaler Souveränität in Europa leisten kann. Dass Jupiter dafür den Rechenraum bereitstellt, wertet die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusätzlich als Anerkennung ihrer bisherigen Arbeit.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |