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Akkordeon in all seinen Facetten
Sonderausstellung „Instrument des Jahres – Akkordeon“ im Haus Kemnade eröffnet

Gut besuchte Vernissage zur Ausstellung "Instrument des Jahres - Akkordeon" im Haus Kemnade. 
V.l.n.r. Ralf Kaupenjohann, Marko Kassl, Christoph Schlierkamp.  | Foto: Anita Brandtstäter
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  • Gut besuchte Vernissage zur Ausstellung "Instrument des Jahres - Akkordeon" im Haus Kemnade.
    V.l.n.r. Ralf Kaupenjohann, Marko Kassl, Christoph Schlierkamp.
  • Foto: Anita Brandtstäter
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Hattingen/Wesseling. Die Sonderausstellung „Instrument des Jahres – Akkordeon“ im Kulturhistorischen Museum Haus Kemnade lädt dazu ein, ein scheinbar vertrautes Instrument neu zu entdecken. Anlass ist die Wahl des Akkordeons zum Instrument des Jahres 2026, eine Auszeichnung der Landesmusikräte, die jedes Jahr ein anderes Instrument ins Rampenlicht rückt. Mit dem Schauspieler und Musiker Ulrich Tukur konnte dafür ein prominenter Schirmherr für Nordrhein-Westfalen gewonnen werden.

Bis zum 29. März 2026 flankieren Konzerte das Ausstellungsprogramm und lassen die enorme klangliche Bandbreite des Akkordeons lebendig werden. Führungen – zu festen Terminen und auf Anfrage – ermöglichen zudem einen vertieften Blick auf die Exponate und ihre Geschichte.

Kurator Ralf Kaupenjohann, unterstützt von Verena Funtenberger, zeichnet anhand von rund 30 überwiegend historischen Instrumenten die Entwicklung des Akkordeons nach: von frühen Handbalginstrumenten wie der französischen Flutina über die Wiener Schrammelharmonika und das russische Garmon bzw. Bajan bis hin zu Instrumenten renommierter deutscher und italienischer Hersteller. Die Exponate zeugen von großem Erfindergeist und handwerklicher Präzision. 

Die Ausstellung spannt einen weiten historischen Bogen: vom ältesten Vorläufer des Akkordeons, der chinesischen Sheng, über die Patentanmeldung des „Accordion“ durch Cyrill Demian im Jahr 1829 bis zu den technisch ausgereiften Konzertinstrumenten des 20. Jahrhunderts. Ein eigener Bereich widmet sich den unterschiedlichen Akkordeontypen – vom diatonischen Instrument über das Pianoakkordeon bis zum chromatischen Knopfakkordeon – und vermittelt anschaulich Wissen über Aufbau, Mechanik und Spielweisen.

Ergänzt wird die Präsentation durch historische und zeitgenössische Fotografien, Noten, Schallplattencover und weitere Dokumente, die die kulturelle Praxis des Akkordeons lebendig machen. Deutlich wird: Das Akkordeon hat sich vom Spielzeug über das Volksinstrument zum hochentwickelten Konzertinstrument entwickelt, das längst die internationalen Bühnen erobert hat.

Die Vernissage am Sonntag, 1. Februar, war ein eindrucksvoller Auftakt. Hausherr Christoph Schlierkamp begrüßte die zahlreichen Gäste im Sälchen von Haus Kemnade – so viele waren gekommen, dass nicht alle einen Sitzplatz fanden. Anschließend erläuterte Ralf Kaupenjohann das Ausstellungskonzept. Ausgangspunkt waren zehn Instrumente aus dem Harmonikamuseum, die beim Festival „Akkordeonherbst“ im Oktober 2025 in der Essener Philharmonie auf großes Interesse gestoßen waren.

Da die eigene Sammlung nicht ausreichte, erhielt Kaupenjohann Unterstützung von vielen Seiten. Besonders bewegend war die Erinnerung an Claus Brusch, mit dem er noch im Dezember gemeinsam musiziert hatte und der Anfang Januar verstorben war. Die Gäste gedachten seiner mit einer Gedenkminute. Weitere Unterstützung kam unter anderem vom Musikhaus Hoppe im Sauerland, vom Landesmusikrat (ermöglicht durch Prof. Robert von Zahn), von den Akkordeonistinnen Bärbel Hölzing und Stefanie Schulze-Hofmann sowie von Norbert Grote, von der Akkordeon-Werkstatt Wolfgang Bratz sowie vom Deutschen Harmonikamuseum Trossingen: Ohne Salvatore Martinelli wäre rund die Hälfte der Exponate nicht nach Kemnade gekommen.

Inhaltlich basiert die Ausstellung auf einem Fachartikel von Ralf Kaupenjohann, der den Weg vom einfachen, fünftönigen diatonischen Instrument nach Demians Patent bis zum heutigen Konzertakkordeon nachzeichnet. Themen wie die Bedeutung der Wiener Schrammelmusik, frühe osteuropäische Entwicklungen – darunter Converter-Instrumente für den Unterricht in der DDR – sowie eine Übersicht europäischer Hersteller finden ebenso Platz wie das Akkordeonorchester, die Verbände DHV und DALV, Langspielplatten und die Geschichte von Kinderinstrumenten.

Für die musikalische Umrahmung der Vernissage sorgte Marko Kassl, der mit einem stilistisch breit gefächerten Programm das Fachpublikum begeisterte: von Petri Makkonens Originalkomposition „The Flight Beyond Time“ über Mozarts „Fantasie d-Moll“ und das „Adagio für Glasharmonika“ bis hin zu Kassls eigener Komposition „Die Harmone spielen verrückt“ - alles wurde mit viel Applaus gefeiert.

Die Ausstellung erweist sich als spannende Zeitreise durch die Geschichte eines überaus vielseitigen Instruments – kenntnisreich, überraschend und mit großer Leidenschaft erzählt.

Gut besuchte Vernissage zur Ausstellung "Instrument des Jahres - Akkordeon" im Haus Kemnade. 
V.l.n.r. Ralf Kaupenjohann, Marko Kassl, Christoph Schlierkamp.  | Foto: Anita Brandtstäter
Marko Kassl sorgte für eine vielfältige musikalische Umrahmung.  | Foto: Anita Brandtstäter
Kurator Ralf Kaupenjohann erläuterte das Konzept der Ausstellung und die Entstehung.  | Foto: Anita Brandtstäter
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Anita Brandtstäter aus Köln

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