Schwimmbad in Heimerzheim
Blick frei auf den nackten Beton

Vor-OrtTermin  auf der Baustelle (von links): Adriatik Mahmudi (POS 4), Jürgen Funke (Gemeinde), Architekt André Pilling, Andreas Schmickler (Gemeinde) und Petra Kalkbrenner. | Foto: fes
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  • Vor-OrtTermin auf der Baustelle (von links): Adriatik Mahmudi (POS 4), Jürgen Funke (Gemeinde), Architekt André Pilling, Andreas Schmickler (Gemeinde) und Petra Kalkbrenner.
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Swisttal-Heimerzheim (fes). „Ich hatte mir nicht vorstellen können, dass das Gebäude so stark entkernt wird“, staunte Swisttals Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner als sie mit Vertretern der Gemeinde und des Architekturbüros POS4 die Baustelle des Kleinschwimmbades in Heimerzheim besuchte. Derzeit sieht alles noch sehr unwirklich aus, doch in einem Jahr, im Juli 2026, soll das Hallenbad, wenn alles planmäßig läuft, neu eröffnet wird. Dann dürfen sich die Swisttaler über eine runderneuerte und vor allem barrierefreie Sportstätte mit modernsten Standards freuen.

All das hat einen stolzen Preis: Insgesamt rund 6,8 Millionen Euro werden eingesetzt, davon werden 4,5 Millionen Euro aus dem Investitionspaket „Soziale Integration im Quartier“ finan-ziert. Dies sei damit die größte Investition in ein Bauprojekt der vergangenen Jahre, das nicht im Zusammenhang stehe mit dem Wiederaufbau durch die Schäden der Flutkatastrophe vom Juli 2021, betonte Kalkbrenner: „Das Schwimmbad ist natürlich für die Bevölkerung von besonderem Interesse. Viele haben gar nicht mitbekommen, dass das Bad wieder saniert wird, die ande-ren warten ungeduldig darauf, das Bad wieder nutzen zu können. Wir sind froh, heute mit unse-rem Partner, dem Architektenbüro POS 4, zeigen zu können, dass es Fortschritte gibt.“ Sie betonte auch noch einmal, dass die Gemeinde eine solche Sanierung ohne die Fördermittel nicht hätte „wuppen“ können.

Bereits 2019 wurde durch die Gemeindeverwaltung ein Förderantrag gestellt, Rat und Ausschüsse hatten dem zugestimmt. 2020 kam der Zuwendungsbescheid. Doch dann kam die Flutkatastrophe vom Sommer 2021, deren Schäden vorrangig abgearbeitet werden mussten. Erst zwei Jahre später konnte nach einem europaweiten Ausschreibungsverfahren schließlich das Düssel-dorfer Architekturbüro POS4 als Generalunternehmer beauftragt werden. Im März konnten die Arbeiten beginnen. Die Abbrucharbeiten sind nun nahezu abgeschlossen. Anfang Juli begannen die Erdarbeiten für die neue Bodenplatte, die den Startschuss für die anschließenden Rohbauar-beiten darstellen. Desweiteren wurden die Gewerke der technischen Gebäudeausrüstung für Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro ausgeschrieben und vergeben. Im September folgen die Gerüstbau- sowie die ersten Stahlbauarbeiten. Ursprünglich sollte die Sanierung bis Anfang 2026 abgeschlossen sein, doch ein Bestandsgebäude zu sanieren bedeute auch, sich erst einmal mit den Ressourcen und Gegebenheiten vertraut zu machen, erläuterte Architekt André Pilling, nicht immer sei klar, was auf die Sanierer zukomme. Das beginne schon bei den Bauplänen von damals – das Gebäude wurde Mitte der 1970er Jahre errichtet: „Die Pläne waren noch mit Tusche gezeichnet und es interessierte niemanden so richtig, welche Baumaterialien verwendet wurden. Sie öffnen irgendeine Decke oder Wand und dahinter steckt etwas ganz anderes, als das, was sie angenommen haben.“ So mussten beispielsweise zunächst der verbaute Asbest und andere Schadstoffe entsorgt werden.

Damit das Schwimmbad barrierefrei genutzt werden kann, setzt das Architekturbüro auf kurze Wege und Wechselplätze für Rollstühle und Rollatoren. Es wird zwei weitere Sammelumkleiden geben, das spart jede Menge Zeit, da der Wechsel der Schulklassen direkt am Beckenrand erfolgen kann. Auch zusätzliche Lagerräume für Schwimmnudeln oder –bretter wird es geben.

Der flexible Hubboden aus den siebziger Jahren wird bleiben. Für damalige Verhältnisse galt dies als sehr innovativ. Die maroden Kacheln wurden bereits abgeschlagen und werden durch einen modernen Belag ersetzt. Durch den verstellbaren Beckenboden von 1,35 bis 1,80 Meter können sowohl Baby- als auch Schwimmkurse für Größere angeboten werden. Erneuert wird zudem die komplette Glasfront, die bislang schlecht isoliert war. Der vorhandene Baumbestand vor der Fensterseite bilde übrigens nicht nur eine hervorragende naturnahe Kulisse, sondern sor-ge im Sommer auch für einen natürlichen Hitzeschutz, erklärte Pilling.

Da der vorhandene Gebäudebestand nicht vollständig ersetzt, sondern soweit wie möglich als Ressource genutzt wird, spare dies Material, Energie und Kosten.

Darüber hinaus wird das Projekt digital begleitet: Eine Bestandsaufnahme mittels 3-D-Scan-Technologie ermöglicht eine detaillierte digitale Abbildung des Baus. Diese Daten werden während der gesamten Bauphase in die Planung und Ausführung eingebunden. Erstmals kommt bei einem Projekt dieser Größenordnung in Swisttal dieses Planungsinstrument zum Einsatz: „Dieses digitale Werkzeug erlaubt eine vernetzte Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten, erhöht die Planungsgenauigkeit und ermöglicht eine transparente Kostenkontrolle“, so Pilling.

Genutzt wird das Bad vormittags für das Schulschwimmen. Derzeit werden die Kinder und Ju-gendliche dafür in andere Kommunen gefahren. Gemeinsam mit der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRF) kann das Bad auch öffentlich von allen Bürgern genutzt werden. Die DLRG betreut das öffentliche Schwimmen. Der SSV Heimerzheim und die Volkshochschule bieten zusätzlich Kurse wie Aquajoging oder Wasseraerobic an.

Vor-OrtTermin  auf der Baustelle (von links): Adriatik Mahmudi (POS 4), Jürgen Funke (Gemeinde), Architekt André Pilling, Andreas Schmickler (Gemeinde) und Petra Kalkbrenner. | Foto: fes
Die Arbeiter haben das alte Gebäude entkernt: Jetzt fällt der Blick durch große Öffnungen in der Decke auf den Himmel. | Foto: fes
Redakteur/in:

Frank Engel-Strebel aus Bornheim

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