Online-Handel mit "exotischen" Tieren
Weihnachtliche Online-Geschäfte mit „Exoten“

Wer als Weihnachtsgeschenk ein Haustier erwerben möchte – zum Beispiel für die Kinder, die sich schon immer etwas Lebendiges zum Spielen und Knuddeln gewünscht haben – hat ganz bequem zuhause am Computer auch noch kurz vor Heiligabend die Qual der Wahl: Unter der Rubrik „Haustiere“ werden bei Ebay Kleinanzeigen u.a. Fische, Kaninchen, Vögel, Katzen, Hunde und Pferde vermarktet, manchmal auch kostenlos angeboten. Neu ab diesem Herbst ist, dass Hundewelpen und Katzenjungtiere, die noch keine 12 Wochen alt sind, nur noch von Tierheimen, Tierschutzvereinen und eingetragenen Züchter*innen zum Verkauf angeboten werden dürfen. Zudem soll verhindert werden, dass Tiere verschenkt, getauscht und vermietet werden. Auch wer es exotisch mag, hat in der diesjährigen Vorweihnachtszeit Pech: Als Reaktion auf die vielstimmige Kritik von Tierschützer*innen an der Vermarktung von Tieren als Online-Ware hat Ebay Kleinanzeigen den Verkauf sog. Exoten deutlich eingeschränkt. Das Unternehmen verkündete ein komplettes Aus für den Handel mit Reptilien wie Schlangen, Schildkröten und Echsen. Mit dieser Maßnahme soll zukünftig der illegale Handel mit geschützten Arten unterbunden werden. Die Kontrolle der neuen Bestimmungen liegt bei den Nutzern: Nur, wenn Verstöße und Verdachtsfälle gemeldet werden, können Übertretungen der neuen Angebotsregeln verhindert werden.
Der ETN macht für sog. exotische Tiere die Probe aufs Exempel mit der Online-Suche nach einem Chamäleon: Für diese farbenfrohe tropische Reptilienart werden bei Ebay Kleinanzeigen ab 100,- € tatsächlich nur noch volleingerichtete Terrarien angeboten. Doch ist der passende Bewohner schnell bei einem anderen Online-Anbieter gefunden. Hier kann ein Chamäleon schon ab 50,- € erworben werden: Dieser Preis passt ins Weihnachtsbudget der meisten Einkommensklassen. Womit die Riesenüberraschung unterm Tannenbaum näher rückt. Wer denkt schon an die Folgekosten, z.B. für Futter und Energie? Und den Zeitaufwand, der zur Pflege des exotischen Tieres notwendig ist? Wenn es im neuen Jahr eng wird, muss man eben weitersehen.
Die Zahl exotischer Tiere, die in der derzeitigen Wirtschaftskrise aufgrund steigender Energie- und Futterkosten in Tierheimen abgegeben werden, ist unbezifferbar hoch. Im Dunkeln bleibt zudem, wie viele Tiere einfach so entsorgt oder an unwissende Tierfreund*innen weiter verschenkt werden. Viele wollen helfen, haben aber keinerlei Erfahrung mit den Bedürfnissen von Tieren aus tropischen Regionen.
So wie die Punkerin in der Berliner U-Bahn, die mitten im dichtgedrängten Berufsverkehr mit Hund und einem Chamäleon in einer Plastiktüte unterwegs war. Eine Tortur für das Tier, das zu alledem während der Fahrt zum Vorzeigen hervorgeholt wurde. Weil es apathisch, gelblich-grau verfärbt und über und über mit Geschwüren bedeckt war, wurde es gestreichelt. „Krebs“, diagnostizierten die umstehenden Fahrgäste, „wie traurig“.
Unwissenheit trägt oft unbeabsichtigt nicht nur zum Leid exotischer Tiere bei. Schlimmer noch: Häufig bleibt die Ursache für ihr Leiden unerkannt oder wird falsch gedeutet. So dürfte der jämmerliche Zustand des Chamäleons in der Berliner U-Bahn auf akuten Vitamin-Mangel zurückzuführen gewesen sein. Aber wer weiß denn schon so etwas?
Aufklärung tut Not. Wer etwa mit dem Gedanken spielt, sich ein Chamäleon, eine Python-Schlange, ein Äffchen oder einen kleinen, süßen Wüstenfuchs als Haustier anzuschaffen oder zu Weihnachten zu verschenken, sollte sich vorher gründlich informieren. Im Einsatz für exotische Tiere stellt dazu der ETN mit seiner Kampagne „Ich bin kein Haustier“ in den sozialen Medien und im Internet anschaulich leicht verständliches Informationsmaterial bereit.
Kontakt für Rückfragen:
Europäischer Tier- und Naturschutz e.V.
Todtenmann 8
53804 Much
www.etn-ev.de
02245 6190-0

LeserReporter/in:

Ingrid Dr. Kreide-Damani aus Rhein-Sieg

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