„Schaufensterkrankheit"
Klinikum Leverkusen setzt auf schonendes Verfahren

Prof. Dr. Thomas Lübke, Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie des Klinikums, setzt seit Anfang des Jahres auf ein schonendes Verfahren, um die Schaufensterkrankheit zu behandeln.  | Foto: Klinikum Leverkusen
  • Prof. Dr. Thomas Lübke, Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie des Klinikums, setzt seit Anfang des Jahres auf ein schonendes Verfahren, um die Schaufensterkrankheit zu behandeln. 
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Leverkusen - Es beginnt mit Schmerzen beim Gehen – häufig in den Waden. Diese
Schmerzen zwingen einen alle 30 bis 50 Meter stehen zu bleiben, wie
bei einem Schaufensterbummel. Deshalb spricht man umgangssprachlich
von der „Schaufensterkrankheit“.

Obwohl der Begriff harmlos klingt, verbirgt sich dahinter eine
häufige und gefährliche Erkrankung: die periphere arterielle
Verschlusskrankheit (PAVK), eine Durchblutungsstörung der Beine. Im
Extremfall kann sie zum Verlust des betroffenen Beines führen, zu
Schmerzen der Beine auch im Ruhezustand und das Risiko für einen
Schlaganfall oder Herzinfarkt steigt.
Laut Prof. Dr. Thomas Lübke, Direktor der Klinik für
Gefäßchirurgie des Klinikums Leverkusen leiden in Deutschland etwa
4,3 Millionen Menschen an einer Durchblutungsstörung der Beine. Sie
wird entweder durch ein Blutgerinnsel oder durch eine Verkalkung der
Gefäße verursacht.

Tablette gegen Kalk?
„Ich bin immer wieder von unseren Patienten gefragt worden, ob wir
nicht eine Tablette hätten, die den Kalk in den Gefäßen auflösen
könnte, so wie bei der Waschmaschine. Ein solches Medikament gibt es
leider nicht. Aber mit unserem neuen Katheter-Verfahren können wir
ebenfalls sehr schonend und minimal invasiv die Gefäßverstopfungen
beseitigen – ohne Operation und Vollnarkose. Im Gegensatz zur
althergebrachten reinen Katheteraufdehnung wird die Verkalkung beim
neuen Verfahren nicht nur durch einen Ballon oder einen Metallstent
zur Seite an die Gefäßwand gedrückt, sondern über einen kleinen
Bohrer aufgefräst und abgesaugt. Hierdurch können auch völlig
verschlossene Gefäße wieder durchgängig gemacht werden.“

Bei dem Rotarex-Verfahren werden mit lokaler Betäubung über eine
Punktion der Leiste die etwa zwei Millimeter kleinen Katheter mit dem
Mini-Bohrer an der Spitze in das betroffene Gefäß bis zur
Verstopfung eingeführt. Unter Röntgenkontrolle beseitigt dann die
Mini-Fräse die Verkalkung oder das verstopfende Blutgerinnsel in der
Arterie. Gleichzeitig wird das Material dabei abgesaugt und verbleibt
nicht im Körper.
„Dieses moderne Verfahren steht uns seit Anfang des Jahres zur
Verfügung. Der Vorteil besteht darin, dass nicht nur die Durchblutung
der Beine verbessert wird, sondern auch gleichzeitig die Verkalkungen
in den Arterien komplett entfernt werden. Ein weiterer Vorteil ist,
dass das neue Verfahren ohne Vollnarkose nur mit örtlicher Betäubung
durchgeführt werden kann, was es für den Patienten viel schonender
macht“, erklärt Prof. Dr. Lübke.

Die neue Methode, die bereits bei vielen Klinikum-Patienten mit
schweren Arterienverkalkungen erfolgreich angewendet wurde, kann dabei
in geeigneten Fällen die aufwendigere Bypass-Operation ersetzen.
„Welches Verfahren im Einzelfall für den Patienten das Beste ist,
wird in der interdisziplinären Ge-fäßkonferenz besprochen.
Insgesamt hat das neue Verfahren ein hohes Potential, die Häufigkeit
und Risiken von z.B. einer medikamentösen Lysetherapie oder von offen
chirurgischen Eingriffen zu reduzieren“.

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