Kölner Rekordpegel von 66 Zentimetern erreicht
Der Rhein wird klein
- Am 31. Juli 2026 um 20 Uhr wurde der neue Allzeit-Niedrigwasser-Pegel von 68 Zentimetern erreicht.
- Foto: Büge
- hochgeladen von EXPRESS - Die Woche - Redaktion
Heiß und trocken. So ist der Sommer 2026 in Köln. Und die Auswirkungen sind immens. Am besten zu beobachten sind sie am Rhein. Denn: Der sonst so imposante Fluss ist zusammengeschrumpft. Am 31. Juli 2026 um 20 Uhr wurde Rekordmarke von 69 Zentimetern vom 23. Oktober 2018 um einen Zentimeter unterboten. Am Nachmittag des 1. August 2026 wurde dann sogar ein Pegelstand von 66 Zentimetern gemessen. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht, was dramatische Auswirkungen für die Wirtschaft haben wird.
Von Alexander Büge
In den kommenden Tagen könnte es sogar sein, dass der Rekordwert nicht nur unterboten, sondern sogar pulverisiert wird. Experten rechnen in den nächsten Wochen jedenfalls nicht mit großen Niederschlagsmengen. Vielmehr bleibt es heiß, was weiterhin zu einer besonders hohen Verdunstung führt. „Man muss damit rechnen, dass der Niedrigpegelwert des Rheins in Köln am Ende dieser Woche erreicht oder vielleicht sogar leicht unterschritten wird“, sagt Dennis Meißner von der Bundesanstalt für Gewässerkunde am Montag. „In den nächsten Wochen werden wir voraussichtlich auch in diesem sehr niedrigen Bereich verharren, eine Entspannung ist jedenfalls nicht in Sicht.“
Eine Einschätzung, die Wetterexperte Dr. Karsten Brandt teilt. „Es läuft alles auf Rekordniveau zu. Es werden Pegel von unter 70 Zentimeter erwartet, teilweise sogar unter 60 Zentimeter, was wirklich extrem ist“, sagt Brandt. „Der Pegel kann in den nächsten Wochen vorübergehend vielleicht wieder um einige Zentimeter steigern, deutlich verändern wird er sich aber erst, wenn sich die Wetterlage grundlegend ändert, was vielleicht im Oktober oder erst im November der Fall ist.“
Bis dahin werde es durchweg eine Zitterpartie, vor allem Dingen aus ökonomischer Sicht. „Es ist wirklich eine dramatische Lage, die da am Rhein besteht. An den Luxemburger Tankstellen ist beispielsweise vor Kurzem das Benzin ausgegangen, weil der Transport per Schiff über Kaub nicht mehr möglich war“, erklärt Brand. „So ein Szenario hätte ich erst in zehn oder 20 Jahren für möglich gehalten. Für die Wirtschaft ist das eine Katastrophe.“
- Am Rheinhafen liegen einige Boote auf dem Trockenen.
- Foto: Büge
- hochgeladen von EXPRESS - Die Woche - Redaktion
Schon seit Wochen können Schiffe nur noch mit einem Bruchteil ihrer ursprünglich geplanten Ladung fahren. Im Bereich Kaub könnte der Betrieb bei noch extremen Pegelständen sogar komplett eingestellt werden. Heißt: Der wirtschaftliche Schaden durch Niedrigwasser könnte in diesem Jahr sogar noch größer werden als im Oktober 2018, der damals laut Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes bei 2,4 Milliarden Euro gelegen haben soll.
Doch nicht nur die Fracht-, auch die Personenschifffahrt bekommt die aktuelle Situation wohl zu spüren. Bereits bei einem Pegel von 80 Zentimetern drohen bei der Köln-Düsseldorfer (KD) jedenfalls Einschränkungen, auch wenn die meisten KD-Schiffe einen geringen Tiefstand haben. Geplante Veranstaltungen müssten dann möglicherweise am Liegeplatz durchgeführt werden.
Vielleicht noch wichtiger: Das Schwimmen im Rhein bleibt auch bei extremen Niedrigwasserpegeln streng verboten und ist weiterhin lebensgefährlich. Denn der Fluss ist in Köln bei einem Pegelstand von 70 Zentimetern keinesfalls genauso tief, da noch die in Köln 1,11 Meter tiefe Fahrrinne hinzuaddiert werden muss. Heißt: Die Situation auf dem Rhein ist schon dramatisch genug, auch ohne in Not geratene Personen, die die Situation trotz nicht zu übersehender Warnungen falsch eingeschätzt haben.
Redakteur/in:EXPRESS - Die Woche - Redaktion aus Köln |