40-Tonner auf der Sandstraße
„Wir beten für die Kinder“

Nach Warnungen aus der Bevölkerung darf die Sandstraße nur noch von Fahrzeugen unter 7,5 Tonnen befahren werden. Doch die Anwohner melden, dass weiterhin „30 bis 40 Sattelschlepper täglich“ die Straße nutzen und fordern mehr Kontrollen durch die Polizei. | Foto: Lars Kindermann / Martina Kohls
  • Nach Warnungen aus der Bevölkerung darf die Sandstraße nur noch von Fahrzeugen unter 7,5 Tonnen befahren werden. Doch die Anwohner melden, dass weiterhin „30 bis 40 Sattelschlepper täglich“ die Straße nutzen und fordern mehr Kontrollen durch die Polizei.
  • Foto: Lars Kindermann / Martina Kohls

Viel wurde an diesem Nachmittag schon über ihn gesprochen, jetzt hat er seinen lang erwarteten Auftritt: Ein großer blauer Lastwagen mit Anhänger fährt aus einer Einfahrt auf die Sandstraße und holpert dabei über einen Gehsteig. Auf seinem Weg in Richtung Dürener Straße müssen drei entgegenkommende Autos auf den Gehweg ausweichen. Fußgänger suchen Zuflucht auf privaten Einfahrten. In der abschließenden, engen Kurve kommt das Fahrzeug wieder auf die Gegenfahrbahn, bevor er auf die Dürener Straße abbiegt.

Seit Monaten klagen die Anwohner der Sandstraße über riesige 40-Tonner, die sich, teilweise in Reihe stehend, auf der engen Straße tummeln, bei Gegenverkehr sowie bei der Einfahrt auf ein Gewerbeareal auf die Gehwege fahren und dabei Fußgänger gefährden.

Die Straße in einem Wohngebiet mit geringem Gewerbeanteil scheint einfach nicht für Fahrzeuge dieser Größe ausgelegt zu sein. Stattdessen wird sie von vielen Kindern und Eltern auf ihrem Hin- und Rückweg zur benachbarten Lindenschule sowie zur KiTa „Severinchen“ und zwei privaten Kinderbetreuungseinrichtungen genutzt. Bei einem Vor-Ort-Termin sprechen die Anwohner daher liebevoll von ihrer „Wanderzirkusstraße“ oder „Kinderautobahn“.

Die meisten von ihnen haben in den letzten Monaten schon gefährliche Situationen mit den schweren Lastwagen erlebt oder beobachtet.

Sie sprechen von „30 bis 40 Sattelschleppern pro Tag“ die das Gelände mit Lagerhallen anfahren. „Die Gefahrenlage hier vor Ort, besonders für die Schulkinder, ist absolut inakzeptabel“, ärgert sich Anwohner Søren Schlottau. „Wir hoffen und beten täglich, dass den Kindern hier nichts passiert“, ergänzt Martina Kohls, ebenfalls Anwohnerin und Mitglied der Fraktion Perspektive für Frechen.

Sie fordert geeignete Gegenmaßnahmen, um die Kinder zu schützen und die Anliegerinteressen wegen der Lärm- sowie Verkehrsbelastung zu wahren. Kohls: „Es muss präventiv gehandelt und nicht erst agiert werden, wenn etwas passiert ist. So wie jetzt kann und darf es jedenfalls nicht weitergehen.“

Stadtverwaltung und Polizei sind über die Verkehrssituation im Bilde und haben reagiert:

In einem ersten Schritt wurde ein Zufahrtverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen erlassen und ein mobiles Verbotsschild an der Einfahrt Dürener Straße / Sandstraße aufgestellt. Außerdem wurde, seitens der Stadt, das Gespräch mit dem betroffenen Gewerbebetrieb gesucht. „Wir haben ihn auf die geltenden Verkehrsregelungen hingewiesen“, teilt die Stadt mit.

„Leider bleibt der gewünschte Effekt aus, weil offensichtlich nicht kontrolliert und Verstöße nicht sanktioniert werden. Das Verbotsschild wird schlichtweg ignoriert!“, wissen hingegen die Anwohner zu berichten.

Darauf angesprochen, erklärt die Stadtverwaltung: „Die Ahndung von Verstößen im fließenden Straßenverkehr fällt in die Zuständigkeit der Polizei“.

Diese teilt, auf Anfrage der Redaktion, mit: „Die Zufahrt wird regelmäßig (...) im Rahmen der Streife kontrolliert.“. Bei einer Missachtung des Durchfahrtsverbots würde ein Verwarngeld von 40 Euro fällig. „Im Rahmen der personellen Ressourcen“ sollen weitere Verkehrskontrollen folgen. Gespräche mit dem Vermieter des Gewerbeareals und dem Mieter der dortigen Lagerhallen, seitens der Polizei, habe es bisher noch nicht gegeben.

Die Anwohner sind überzeugt: „Wenn nicht härter durchgegriffen wird, machen die hier weiter, was sie wollen.“ Schließlich seien es „immer die gleichen Fahrer“, die das Durchfahrtsverbot missachten würden.

Die Anwohner fordern häufigere und strengere Kontrollen. „Würde die Polizei bei ihren Kontrollen durch das Bundesamt für Logistik und Mobilität unterstützt, könnten auch Lenk- und Ruhezeiten sowie Ladungssicherung und Fahrzeugtechnik geprüft werden“, schlägt ein Anwohner vor. Dann würde aus dem Verwarngeld von 40 Euro vielleicht plötzlich viel mehr und die Zulieferer würden zukünftig auf kleinere Fahrzeuge zurückgreifen.So lange bleibt die Situation ungemütlich. Zumindest die Schulkinder sind vorerst nicht gefährdet. Schließlich starten jetzt die Sommerferien. [/p]

Redakteur/in:

Lars Kindermann aus Rhein-Erft

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