#HeimatSommer
Schloss Augustusburg: „Rokoko under Construction"
- Moderne Ausstellungsarchitektur trifft auf barocken Prunk: „Rokoko under Construction“ zeigt rund 150 Exponate zur Baugeschichte von Schloss Augustusburg.
- Foto: Schlösser Brühl/Astrid Piethan
Selbstverständlich gehört zu unserer neuen Serie #Heimatsommer der Tipp für den Besuch von Schloss Augustusburg. Und aktuell kann man nicht nur Schloss und Park besichtigen, sondern eine neue Ausstellung nimmt Besucher mit hinter die Kulissen eines der prächtigsten Bauwerke des Rheinlandes - und zeigt, wie aus einer Großbaustelle ein UNESCO-Welterbe wurde.
Brühl. Hämmern statt höfischer Musik, Sägespäne statt französischem Parfum - Gerüste statt glänzender Festsäle: Wer heute durch Schloss Augustusburg schlendert, sieht eines der schönsten Rokoko-Schlösser Europas - doch vor rund 300 Jahren herrschte hier vor allem eines: Baustellenbetrieb.
Tagelöhner schleppten Material heran, Handwerker bearbeiteten Stein, Holz und Stuck, Künstler fertigten Entwürfe für Deckenmalereien und Verzierungen an. Über mehr als vier Jahrzehnte entstand im Auftrag des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August von Bayern eine Residenz, die bis heute Besucher aus aller Welt beeindruckt.
Genau diese Entstehungsgeschichte rückt die neue Ausstellung „Rokoko under Construction - The Making of Schloss Augustusburg“ in den Mittelpunkt. Im Gelben Appartement von Schloss Augustusburg wird erstmals der Bau des Schlosses selbst zur Hauptattraktion. Statt nur das fertige Meisterwerk zu bewundern, können Besucher einen Blick hinter die Kulissen werfen und erfahren, wie Architekten, Künstler, Handwerker und Arbeiter gemeinsam eines der bedeutendsten Bauwerke des 18. Jahrhunderts schufen.
Die Ausstellung erzählt dabei nicht nur von berühmten Namen wie François de Cuvilliés, Balthasar Neumann oder Carlo Carlone. Auch bislang kaum bekannte Hanwerker, Lieferanten und Tagelöhner bekommen ihren Platz in der Geschichte. Die Schau fragt, wie damals gearbeitet wurde, welche Materialien verwendet wurden und ob auf der Baustelle alles reibungslos verlief oder auch Konflikte und Skandale zum Alltag gehörten.
Rund 150 Exponate sind zu sehen. Dazu gehören Gemälde, historische Bauzeichnungen, ein restaurierter Teil der Wandvertäfelung aus dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Lackkabinett sowie der Entwurf für das berühmte Deckengemälde des Brühler Prunktreppenhauses. Interaktive Stationen machen historische Techniken wie Stuckarbeiten, Vergoldung, Freskomalerei oder die seltene Lacca-Povera-Lacktechnik erlebbar. Mit einem „Rokoko-Radar“ lassen sich außerdem Bereiche des Schlosses erkunden, die sonst nicht oder nur eingeschränkt sichtbar sind. Die Ausstellung schlägt zugleich die Brücke in die Gegenwart. Themen wie Bauen, Recycling und Denkmalpflege werden aus heutiger Perspektive betrachtet. Zu sehen ist die Schau bis Samstag, 1. November, in Schloss Augustusburg. Weitere Informationen und das Begleitprogramm gibt es unter:
www.schlossbruehl.de.
Redakteur/in:Montserrat Micaela Manke |