Schloss Augustusburg
Mehr als ein neuer Anstrich

Die Südorangerie ist zu Beginn der umfangreichen Renovierungsmaßnahmen eingerüstet und komplett mit Folie eingedeckt. Hier wird unter anderem das Dach saniert.
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  • Die Südorangerie ist zu Beginn der umfangreichen Renovierungsmaßnahmen eingerüstet und komplett mit Folie eingedeckt. Hier wird unter anderem das Dach saniert.
  • Foto: Zingsheim

Schloss Augustusburg wird umfassend saniert. Die Arbeiten werden bis zum Ende des Jahrzehnts andauern, denn die Erneuerung der 300 Jahre alten UNESCO-Welterbestätte erfordert besondere Sorgfalt. Der Besuch des historischen Orts wird aber weiterhin möglich sein.

Brühl (zi). In Schloss Augustusburg werden zunächst alle Fenster saniert, oder, wenn dies aufgrund des Zustandes nicht mehr möglich ist, denkmalgerecht ausgetauscht. Aktuell sind die beiden Köpfe auf der Ostseite, die man vom Bahnhof aus sehen kann, bereits einegrüstet. Anschließend geht es mit der Fenstersanierung im Ehrenhof weiter. Darüber hinaus muss die Fassade bearbeitet werden: Putz, Natursteinelemente, schmiedeeiserne Brüstungsgitter, Fensterbänke, Giebelfiguren und mehr werden stellenweise ausgebessert und die Fassade wird komplett neu gestrichen. „Vor allen Dingen wird das Dach in den nächsten Jahren erneuert. Es wird komplett neu mit Schiefer gedeckt“, erklärt Regina Junga, Dienststellenleiterin der UNESCO-Welterbestätte Schlösser Augustusburg und Falkenlust. „Das können wir dann nur noch mit einem kompletten Dachüberbau – wie man es jetzt an der Südorangerie sieht – leisten.“ Die Sanierung umfasst auch die Nebengebäude. In der Süd- und Nordorangerie müssen die Fassaden komplett neu verputzt und nicht nur ausgebessert und gestrichen werden. Bei der Südorangerie einschließlich Kuckuck muss aufgrund von großen Rostschäden der komplette Flachdachaufbau aus der Nachkriegszeit mitsamt der Unterkonstruktion aus Stahlträgern erneuert werden. Die Grundsanierung von Fassaden und Dächern des Schlossgebäudes wird sich durch das ganze Jahrzehnt ziehen, und im Anschluss wird das Wirtschaftsgebäude bearbeitet. Die Arbeiten an der Süd- und Nordorangerie sollen 2023 abgeschlossen werden wie auch die Instandsetzung der Fenster im Ehrenhof, die Fenster der äußeren Fassaden werden dann gemeinsam mit der Fassaden- und Dachinstandsetzung bearbeitet. Ein Ziel der Restaurateure ist immer: Nicht nur oberflächlich verschönern, sondern auch die Historie zur erhalten und sichtbar zu machen. Ereignisse wie die Pandemie oder die Flutkatastrophe können den Zeitplan womöglich durcheinander bringen. Für die Maßnahme sind Kosten in Höhe von rund 19,5 Millionen Euro veranschlagt, die aus dem Landeshaushalt kommen.

Größtmögliche Sorgfalt und intensiver Austausch mit dem Denkmalschutz sind bei allen Gewerken zu berücksichtigen. Denn: Eine Welterbestätte hat den Kernauftrag, die historische Substanz qualitativ möglichst hochwertig und entsprechend den historischen Vorgaben zu erhalten und zu präsentieren. „Nur schön Anstreichen genügt nicht“, sagt Regina Junga. Deshalb wird jede Maßnahme intensiv mit den Denkmalschützern der Bezirksregierung Köln und des Landschaftsverbandes Rheinland abgesprochen und genehmigt. „Wir können auch manche heute technisch sinnvollen Maßnahmen, die bei Neubauten eingesetzt werden, um zum Beispiel möglichst energieeffizient zu sein, leider nicht ergreifen.“

Ein gutes Beispiel ist die Temperierung im Schloss: Augustusburg ist vor 300 Jahren als Sommerschloss mit wenig Heizmöglichkeiten errichtet und historisch ausgestattet worden. Darauf hat sich die Gebäudesubstanz eingerichtet. „Würden wir heute eine moderne Heizung einbauen und die Fenster vielleicht noch doppelt verglasen, wäre es zwar im Winter schön warm, aber die historische Raumaustattungen wie unsere Deckenfresken, Stukkaturen, Holzvertäfelungen mit Gemäldesupraporten, historische Wandfliesen, Stoff- oder Ledertapeten und andere Schmuckelemente, die den kulturhistorischen Wert des Hauses mitbestimmen, würden durch die völlig veränderten Klimabedingungen Schaden nehmen.“ Das hat zur Folge, dass im Winter den Besucherbetrieb eingestellt wird. Für die Besucher ist es zu kalt, aber für den Erhalt des Hauses ist die Abkühlung richtig.

Wenn man von der optischen Beeinträchtigung durch die Gerüste und Verkleidungen absieht, gibt es für Besucher während der Renovierung keine Einschränkungen. Im Einzelfall ist schon einmal – wie aktuell wegen des Gerüstes am südlichen Ostkopf des Gebäudes – einer der Zugänge zur Terrasse versperrt. „Auch den Eingang Kuckuckstor mussten wir vorübergehend schließen, weil zu viel Staub durch die Dacharbeiten an der Südorangerie aufgewirbelt worden ist“, so Junga.

Aus den Baumaßnahmen in anderen Schlössern wisse man, dass viele Gäste Bauarbeiten und öffentlich zugängliche Restaurierung spannend fänden.

Redakteur:

Georg Zingsheim aus Kerpen

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