Zukunft der Bonner Bühnen
Verwaltung präsentiert eine "Jahrhundertidee"
- Die Stadt Bonn hat die fünf möglichen Varianten zur Zukunft der Bonner Bühnen vorgestellt. V.l.: Olga Keil von "dasbauprojekt", Kulturdezernentin Dr. Birgit Schneider-Bönninger, OB Guido Déus, Rachid Jaghou (Betriebsleiter SGB) und Projektleiterin Constanze Falke.
- Foto: S. Engst/Bundesstadt Bonn
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Bonn (red). Nicht weniger als eine „Jahrhundertidee“ präsentierte die Bonner Stadtverwaltung in dieser Woche für die Zukunft der Bonner Bühnen. Davon ist jedenfalls Oberbürgermeister Guido Déus überzeugt. Bei einem Pressegespräch am Dienstag stellte er gemeinsam mit Kulturdezernentin Dr. Birgit Schneider-Bönninger und Projektleiterin Constanze Falke fünf mögliche Wege vor, wie mit den sanierungsbedürftigen Gebäuden von Oper und Schauspiel umgegangen werden könnte.
Für die Verwaltung markiert der Vorschlag einen Wendepunkt in einer seit Jahren geführten Debatte. „Erstmals kann die Verwaltung nun konkrete Schritte vorweisen“, sagte Déus. „Die Zeit des Überbrückens ist vorbei.“ Der Stadtrat soll im Mai entscheiden, welche der Varianten umgesetzt wird.
Gebäude nur noch begrenzt nutzbar
Sowohl die Oper in der Bonner Innenstadt als auch das Schauspielhaus in Bad Godesberg weisen erhebliche bauliche Mängel und einen massiven Sanierungsstau auf. Nach aktuellen Einschätzungen könne der Spielbetrieb in beiden Häusern nur noch etwa fünf Jahre aufrechterhalten werden – vorausgesetzt, es treten keine weiteren unvorhersehbaren Schäden auf. Besonders akut ist die Situation bei den Theaterwerkstätten in Beuel, wo wegen Einsturzgefahr kurzfristig bauliche Maßnahmen erforderlich sind.
Die Untersuchungen der vergangenen Monate wurden von der Stabsstelle „Zukunft Bonner Bühnen“ gemeinsam mit einer Arbeitsgemeinschaft der Beratungsunternehmen Drees & Sommer und dasbauprojekt erarbeitet. Ziel war es, tragfähige Lösungen für die Zukunft der Spielstätten zu entwickeln.
Fünf Varianten – große Unterschiede bei den Kosten
Aus den Untersuchungen entstanden fünf Varianten, die sich sowohl im baulichen Konzept als auch bei den Kosten deutlich unterscheiden.
Eine klassische Lösung wäre die umfassende Sanierung der bestehenden Gebäude bei gleichzeitiger Errichtung eines Interimsspielorts für die Bauzeit. Diese Variante wird derzeit mit rund 665 Millionen Euro kalkuliert.
Eine zweite Möglichkeit sieht einen Neubau der Oper am bisherigen Standort vor, während das Schauspielhaus saniert wird. Einschließlich eines Interims würde diese Variante etwa 734 Millionen Euro kosten.
Deutlich günstiger wäre ein Opernneubau in Modulbauweise am bisherigen Standort mit anschließender Sanierung des Schauspielhauses. Diese Lösung liegt nach aktuellen Berechnungen bei etwa 464 Millionen Euro.
Die beiden weiteren Varianten verlagern die Oper nach Beuel auf das Gelände der Theaterwerkstätten. In einer Variante würde dort nur die Oper neu gebaut, während das Schauspielhaus in Bad Godesberg saniert würde. Diese Lösung wird mit rund 445 Millionen Euro veranschlagt.
Die günstigste Variante sieht schließlich einen kompletten Neubau von Oper und Schauspiel in Beuel vor. Beide Häuser könnten dort in modularer Bauweise entstehen. Die Kosten werden derzeit auf rund 426 Millionen Euro geschätzt.
Verwaltung setzt auf Beuel
Die Stadtverwaltung macht keinen Hehl daraus, welche Lösung sie für die sinnvollste hält. Aus ihrer Sicht bietet ein gemeinsamer Neubau der Bühnen in Beuel die größten Chancen – sowohl finanziell als auch organisatorisch. „Es ist aus meiner Sicht richtig, auf eine sehr riskante Sanierung der Bestandsimmobilien zu verzichten“, sagte Oberbürgermeister Déus. Die Konzentration der Bühnen an einem Standort eröffne die Möglichkeit, ein modernes und langfristig tragfähiges Theater zu schaffen.
Unterstützung komme dabei auch aus dem Theater selbst. Nach Angaben des Oberbürgermeisters stehe hinter der favorisierten Variante die Leitung aller drei Sparten. „Die Verwaltung hat für Variante E die Rückendeckung aller drei Intendanzen.“
Ein zentrales Element der Beueler Lösung ist ein ungewöhnlicher Ansatz für die Übergangszeit. Statt einen Interimsspielort zu errichten, könnten Oper und Schauspielhaus während der Bauphase weiterhin genutzt werden. Die bestehenden Gebäude würden so gewissermaßen zu ihrem „eigenen Interim“, während in Beuel neue Bühnen entstehen. Die Bauphase wird derzeit auf etwa fünf Jahre geschätzt.
Langfristig könnten durch die Zusammenführung der Standorte Einsparungen entstehen. Nach Berechnungen der Verwaltung wären jährliche Kostensenkungen von bis zu 5,6 Millionen Euro möglich, etwa bei Betrieb, Logistik und Gebäudemanagement.
Kulturdezernentin Dr. Birgit Schneider-Bönninger betonte, dass die Verwaltung bei der Entwicklung der Varianten politische Vorgaben berücksichtigt habe. „Der Stadtrat hat uns klare Prämissen vorgegeben wie den Erhalt aller Sparten – also Oper, Schauspiel, Beethoven-Orchester und der freien Szene – sowie langfristig die Kosten zu senken“, sagte sie.
In den vergangenen Monaten seien zahlreiche Gespräche geführt und Arbeitsgruppen sowie Workshops organisiert worden, um unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen. Dabei gehe es nicht nur um Gebäude, sondern auch um die Zukunft einer bedeutenden kulturellen Institution der Stadt.
Neue Perspektiven für Bad Godesberg
Sollte sich der Stadtrat für die Beueler Lösung entscheiden, würde das Schauspielhaus in Bad Godesberg seine Funktion als feste Spielstätte verlieren. Das denkmalgeschützte Gebäude müsste jedoch weiterhin saniert werden.
In der Diskussion sind bereits verschiedene Ideen für eine künftige Nutzung. So könnte das Contra-Kreis-Theater dort einen festen Spielort erhalten. Auch Gespräche mit dem Jungen Theater sowie dem Beethovenfest laufen, die das Gebäude künftig als zusätzliche Spielstätte nutzen könnten. Eine solche kulturelle Nachnutzung könnte zugleich zur Belebung der Godesberger Innenstadt beitragen.
Besonders sensibel ist die Zukunft des Operngrundstücks direkt am Rheinufer in der Bonner Innenstadt. Sollte die Oper dort aufgegeben werden, eröffnet sich eine der prominentesten städtebaulichen Entwicklungsflächen der Stadt. Nach Angaben der Verwaltung soll die künftige Nutzung jedoch nicht von Investoren bestimmt werden. Vielmehr wolle die Stadt dort Perspektiven entwickeln, die sowohl städtebaulich als auch kulturell überzeugen.
Die Verwaltung rechnet mit intensiven politischen Debatten über die Zukunft der Bühnen. „Ich erwarte natürlich Diskussionen. Das ist auch richtig so“, sagte Oberbürgermeister Déus. „Denn es stehen hier wichtige Entscheidungen an, über die Politik und Gesellschaft diskutieren müssen.“
Die endgültige Richtung für Bonns Theater wird voraussichtlich im Mai festgelegt. Dann entscheidet der Stadtrat, welche der fünf Varianten umgesetzt werden soll – und damit auch, wo Oper und Schauspiel künftig ihre Heimat haben.
Redakteur/in:Jan L. Dahmen aus Bonn |
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