Markierungen auf Adenauerallee abgeschlossen
Verkehrsversuch gestartet
- Aus der Vogelperspektive der Blick auf die Adenauerallee. Die Markierungsarbeiten sind pünktlich nach dem Ende der Sommerferien abgeschlossen worden.
- Foto: Giacomo Zucca/Bundesstadt Bonn
Bonn (red). Die Adenauerallee hat ein neues Gesicht: Nach Abschluss von Kanal- und Fahrbahnsanierungen hat die Stadt Bonn die Straße zwischen Zentrum und Bad Godesberg neu markiert. Nun teilen sich Autos und Fahrräder die Fahrbahn auf eigenen Spuren. Damit beginnt ein mindestens einjähriger Verkehrsversuch, der zeigen soll, ob die Neuaufteilung den Ansprüchen an Verkehrssicherheit und Leistungsfähigkeit gerecht wird.
Die Adenauerallee ist eine zentrale Verkehrsachse Bonns. Mit den neuen Radfahrstreifen wird sie Teil einer durchgängigen Hauptroute, die sich auf rund sieben Kilometern Länge von der Bonner Innenstadt über das Bundesviertel bis nach Bad Godesberg zieht. „Diese Hauptroute bindet wichtige Ziele an – von der Beethovenhalle über Uni und Innenstadt bis zu Museen, UN-Campus und Arbeitsplätzen im Bundesviertel sowie weiter zur Bad Godesberger Innenstadt“, erklärt Stadtbaurat Helmut Wiesner.
Platz für Räder und Wirtschaftsverkehr
Erstmals wurde entlang der Adenauerallee auch der Wirtschaftsverkehr ausdrücklich berücksichtigt. In regelmäßigen Abständen sind Ladezonen eingerichtet, die tagsüber zum Be- und Entladen dienen und abends sowie nachts von Anwohnenden genutzt werden können. „Die Förderung des Wirtschaftsverkehrs ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Bonner Mobilitätswende“, so Wiesner. „Wir wollen Platz schaffen für Verkehre, die nicht ohne Kraftfahrzeuge möglich sind.“Grundlage des Verkehrsversuchs ist eine Vereinbarung mit der Bezirksregierung Köln, die den Versuch begleitet und bewertet. Ein externes Fachbüro wird mithilfe von Videobeobachtung und Radarmessungen nahezu rund um die Uhr Daten zum Verkehrsfluss, zur Kapazität und zur Verkehrssicherheit sammeln. Auch die Akzeptanz der Verkehrsteilnehmenden soll in die Analyse einfließen. Nach Ende des Versuchs werden die Ergebnisse gemeinsam mit der Bezirksregierung ausgewertet und veröffentlicht.
Juristische Auseinandersetzung angekündigt
Unumstritten ist die Neuaufteilung nicht. Am 2. September ging bei der Stadt eine Klage gegen die verkehrsrechtliche Anordnung ein. Die Kläger fordern die Rückkehr zur früheren vierspurigen Verkehrsführung für Autos, bei der Radfahrende lediglich auf Schutzstreifen unterwegs waren. Für die Verwaltung kommt die Klage nicht überraschend. Sie prüft derzeit die eingereichte Schrift. Eine Rückkehr zum alten Zustand ist nach Angaben der Stadt allerdings ausgeschlossen. Die Bezirksregierung Köln habe bestätigt, dass die frühere Kombination aus vier Kfz-Spuren und schmalen Rad-Schutzstreifen nicht mehr den Anforderungen an eine sichere Verkehrsführung entspricht.
Wirtschaft und Handel mit klarer Kritik
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg warnt vor einer einseitigen Betrachtung der Adenauerallee. „Die Adenauerallee ist eine bedeutende Verkehrsachse für die Region Bonn und kein Dauerversuchslabor! Wichtig ist, dass hier alle Verkehrsträger ihren Platz finden. Ausreichende Kapazitäten auch für Pkw und Lkw auf einer Bundesstraße zu erhalten beziehungsweise zu schaffen, ist logischerweise unerlässlich. Es ist zu hoffen, dass durch die rechtliche Befassung auch für die regionale Wirtschaft die notwendige Klarheit zur Zukunft dieser Verkehrsader geschaffen wird“, heißt es in einer Stellungnahme.
Auch city-marketing Bonn e.V. äußert deutliche Bedenken. Der Verein, der zahlreiche Innenstadtunternehmen vertritt, sieht die Erreichbarkeit der Bonner City gefährdet. „Die aktuelle Verkehrsführung erschwert den Zugang zur Innenstadt und auch den Abfluss, insbesondere künstlich erzeugt und unnötig aus den zentralen Tiefgaragen“, heißt es in einer Mitteilung. Dadurch würden Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleister nachhaltig beeinträchtigt. Mit Blick auf künftige Großbaustellen wie am Stadthaus, an der Nordbrücke oder am Tausendfüßler betont city-marketing: „Für eine lebendige Innenstadt ist eine gute Erreichbarkeit – ob mit Auto, ÖPNV, Fahrrad oder zu Fuß – unverzichtbar. Die Kunden und Kundinnen, die mit dem Auto kommen, machen für den Einzelhandel den größten Teil des Umsatzes aus und sind deshalb unverzichtbar.“ Der Verein fordert, bei allen verkehrspolitischen Entscheidungen die Auswirkungen auf die Innenstadt sorgfältig abzuwägen und Lösungen zu finden, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch tragfähig sind.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |