150. Geburtstag von Konrad Adenauer
Der Kanzler und die Stadt
- Staatsbesuch im September 1962: Bundeskanzler Konrad Adenauer (r.) und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle auf dem Bonner Markt.
- Foto: Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek
Bonn (red). Am 5. Januar 2026 wäre Konrad Adenauer 150 Jahre alt geworden. Für Bonn ist dieses Datum weit mehr als ein historischer Geburtstag: Der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland prägte die Stadt wie kaum ein anderer Politiker der Nachkriegszeit. Ohne Adenauers Einfluss wäre Bonn kaum zur politischen Schaltzentrale der jungen Republik geworden.
Als Präsident des Parlamentarischen Rates spielte Adenauer eine Schlüsselrolle bei der Entstehung des Grundgesetzes, das zwischen 1948 und 1949 in Bonn erarbeitet wurde. Am 10. Mai 1949 fiel die richtungsweisende Entscheidung: Bonn wurde vorläufiger Sitz der Bundesorgane. Wenige Monate später bestätigte auch der erste Deutsche Bundestag diese Wahl. Adenauer verband mit Bonn bewusst keinen Hauptstadtglanz, sondern ein Signal des Provisoriums – einen ruhigen, unaufgeregten Ort für den demokratischen Neuanfang einer nach Westen orientierten Republik.
Mit dem Einzug von Bundestag und Bundesregierung wurde Bonn dennoch zum Zentrum politischer Macht. Die Kanzlerschaft Adenauers ist untrennbar mit der Stadt verbunden: Staatsbesuche, politische Entscheidungen von internationaler Tragweite und symbolträchtige Momente – etwa Begegnungen mit Charles de Gaulle oder John F. Kennedy – spielten sich auf Bonner Straßen und Plätzen ab.
Bonns Oberbürgermeister Guido Déus würdigt Adenauer anlässlich des Jubiläums als prägenden Staatsmann und Stadtgestalter. Mit der Befürwortung Bonns als Regierungssitz habe Adenauer eine Vision verfolgt, die für Stabilität, demokratischen Aufbruch und Verantwortung stand. Sein Wirken erinnere bis heute daran, wie entscheidend Mut und klare politische Haltung für eine funktionierende Demokratie seien.
Die Spuren Adenauers sind im Stadtbild allgegenwärtig. Das Adenauer-Denkmal von Hubertus von Pilgrim am Bundeskanzlerplatz erinnert seit 1982 an den ersten Kanzler – mit symbolischen Motiven, die sein Leben und sein politisches Vermächtnis widerspiegeln. Die Adenauerallee, die Konrad-Adenauer-Brücke, der Konrad-Adenauer-Damm oder Schulen mit seinem Namen zeigen, wie stark Bonn sein Erbe bis heute verankert.
Auch als Erinnerungsort der Demokratie versteht sich die Stadt. Alte Regierungsgebäude, Orte des Parlamentarischen Rates und Einrichtungen wie das Haus der Geschichte bilden ein dichtes Netzwerk historischer Lernorte. Der „Weg der Demokratie“ mit seinen beschilderten Stationen macht Bonns Rolle als politische Wiege der Bundesrepublik im Stadtraum sichtbar.
Das Adenauer-Jahr 2026 wird in Bonn mit zahlreichen Veranstaltungen begleitet. Die Bonn-Information bietet ganzjährig Führungen auf dem „Weg der Demokratie“ sowie eine spezielle Sonderführung zu Adenauers Wirken an. Das Stadtmuseum zeigt ab September eine Wanderausstellung der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, die Adenauers Rolle für Demokratie, Freiheit und Europa beleuchtet. Die Volkshochschule greift das Adenauer-Jahr ebenfalls in seinem Programm auf:
- Vortrag: Adenauer und die Kunst, Andrea Raffauf, Donnerstag, 26. Februar 2026, 19:00 Uhr, Mülheimer Platz 1, Haus der Bildung
- Workshop: Macht und Menschlichkeit – Adenauer und die Bildsprache der Macht, Wochenendworkshop für fortgeschrittene Fotograf*innen, Detlef Szillat, ab Samstag, 21. März 2026, Mülheimer Platz 1, Haus der Bildung
- Workshop: Rosen malen in Adenauers Garten, Lisa Bille, Samstag, 30. Mai 2026, 10:00 bis 18:00 Uhr, Bundeskanzler-Adenauer-Haus. Mehr Informationen und Anmeldung online auf www.vhs-bonn.de.
150 Jahre nach seiner Geburt bleibt Konrad Adenauer für Bonn eine prägende Figur – als Kanzler der jungen Republik und als politischer Wegbereiter einer Stadt, die Geschichte schrieb und bis heute von ihr lebt.
Redakteur/in:RAG - Redaktion |
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