Paris mon Amour
Zwei Jahrhunderte französischer Klarinettenmusik beim Eichholzer Schlosskonzert
- Pamela Coats, Klarinette, und Carmen Stefanescu, Klavier, begeisterten das Wesselinger Publikum mit ihrem Programm "Paris mon amour".
- Foto: Anita Brandtstäter
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Wesseling. Ein musikalischer Kurzurlaub an der Seine im Rheinforum mit Blick auf den Rhein: Unter dem Titel „Paris mon Amour“ entführte das Musikforum Wesseling in Zusammenarbeit mit der Stadt Wesseling das Publikum beim Eichholzer Schlosskonzert am Freitag in die faszinierende Klangwelt französischer Kammermusik. Zwei Jahrhunderte Klarinettenmusik standen auf dem Programm – interpretiert von zwei herausragenden Musikerinnen: Pamela Coats an der Klarinette und Carmen Stefanescu am Flügel. Die beiden haben auch ein Album mit demselben Titel veröffentlicht.
Dass dieser Abend nicht mehr Zuhörerinnen und Zuhörer fand, lag sicher nicht an der Qualität des Programms, sondern eher an der fünften Jahreszeit: Karneval konkurrierte mit Paris. Schon zu Beginn setzte Camille Saint-Saëns’ "Sonate op. 167", die in seinem Todesjahr 1921 entstanden ist, einen starken Akzent. Pamela Coats führte kenntnisreich und charmant in die einzelnen Stücke ein und erläuterte, dass dieses Werk dem Geist der französischen Spätromantik entspricht. Weit gespannte Melodiebögen, pastorale Ruhe und spritzige Virtuosität verbanden sich zu einem Werk voller Poesie, Heiterkeit und Klarheit – alles in einem fein aufeinander abgestimmten Zusammenspiel des Duos.
Mit der "Première Rhapsodie" von Claude Debussy stand ein Werk auf dem Programm, das der Komponist 1909 für die Bläserwettbewerbe des Pariser Conservatoire national de Musique geschrieben hat. Debussys poetischer Umgang mit dem Soloinstrument, das „träumerisch“ langsam beginnt und „lebhaft scherzend“ endet, kam in Pamela Coats’ melodisch ausgeprägter Interpretation schön zur Geltung – stets getragen von Carmen Stefanescus differenziertem Klavierspiel. Die emotionale Tiefe von Ernest Chaussons "Andante et Allegro", geprägt von Einflüssen César Francks und Richard Wagners, aber auch von der Nähe zu impressionistischen Künstlerkreisen, entfaltete sich danach eindrucksvoll.
Mit dem "Solo de Concours" von André Messager erklang nach der Pause die typisch französische Klangsprache jener Zeit: ursprünglich als Prüfungsstück gedacht, entpuppte sich das Werk als charmantes Kleinod, das Technik und Ausdruck verbindet. Besonders lebendig wurde es bei der "Sonate Nr. 1 op. 85" von Charles Koechlin, dessen Berufsziel ursprünglich eine Ingenieurslaufbahn waren. Pamela Coats bereicherte die Einführung mit einer persönlichen Anekdote über eine IT-Konferenz in Montpellier, bei der sie einem künstlerisch tätigen Nachfahren Koechlins begegnet war. Die Sonate selbst überzeugte durch strukturelle Klarheit und einen spannungsvollen Finalsatz.
Ein besonderer Platz im Programm gehörte Lili Boulanger, der einzigen Komponistin des Abends. Ihre "Deux Morceaux – Nocturne und Cortège", ursprünglich für Violine geschrieben, berührten mit ihren schönen Melodielinien und ihrer feinen Emotionalität. Die tragische Lebensgeschichte der Künstlerin, die mit 19 Jahren den begehrten Kompositionspreis Prix de Rome gewann und die nur fünf Jahre später starb, verlieh der Musik zusätzliche Tiefe – und machte diesen Programmpunkt zu einem Höhepunkt. Mit Gabriel Faurés "Élégie op. 24" endete das Konzert langsam und emotional. Das ursprünglich für Cello geschriebene Werk entfaltete in der Klarinettenfassung seine ganze melancholische Schönheit – und wurde vom Wesselinger Publikum begeistert aufgenommen. Als Zugabe erklang Faurés berühmte „Sicilienne“, die den Abend elegant ausklingen ließ.
Einen glanzvollen solistischen Akzent setzte Carmen Stefanescu in der zweiten Programmhälfte mit Debussys "L’Isle Joyeuse". Dieses Meisterwerk des Impressionismus forderte die gesamte Palette pianistischen Könnens – Kraft, Anmut, Brillanz. Stefanescu meisterte diese Herausforderung mit beeindruckender Souveränität. Bravo-Rufe und lang anhaltender Applaus waren der verdiente Lohn.
"Paris mon Amour" war ein Konzert voller Klangfarben und musikalischer Entdeckungen – ein Abend, der Lust auf mehr französische Musik in der Reihe der Eichholzer Schlosskonzerte machte. Am 27. März gibt es erst einmal eine ungewöhnliche Instrumentenkombination mit dem Trio in un fiato: es kommen Mariia Kostina - Flöte. Oksana Shnit - Klavier, und Günther Wiesemann - Klavier, Schlagwerk, der auch einige Kompositionen zum Programm beisteuern wird.
LeserReporter/in:Anita Brandtstäter aus Köln |
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