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Joshua Clausnitzer in Mines Spatzentreff
Ein Abend voller Sprachwitz, Spielfreude und pointierter Beobachtungen

Der junge Autor Joshua Clausnitzer las zum siebten Mal in Mines Spatzentreff.  | Foto: Anita Brandtstäter
  • Der junge Autor Joshua Clausnitzer las zum siebten Mal in Mines Spatzentreff.
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Wesseling. Bereits zum siebten Mal verwandelte sich Mines Spatzentreff in Wesseling in eine Bühne für Literatur, die weit mehr ist als das gesprochene Wort. Gastgeberin Mine Murzoglu hatte am 24. April 2026 erneut den Autor und Entertainer Joshua Clausnitzer eingeladen – und der lieferte ein ebenso abwechslungsreiches wie mitreißendes Programm zwischen Spoken Word, Comedy und Poetry Slam.

Clausnitzer, der aus Meckenheim stammt, ist in Wesseling kein Unbekannter. Dass er bereits zum siebten Mal im intimen Rahmen des Cafés auftrat, spricht für sich. Kein Wunder: Seine Texte trägt er nahezu auswendig vor, kombiniert sie mit schauspielerischem Ausdruck und großartiger Bühnenpräsenz, die unterhaltsam und nahbar ist. Seine Lesungen finden bewusst im Stehen statt. Clausnitzer bezog sein Publikum von Beginn an aktiv ein, stellte Fragen, ließ reimen, abstimmen und mitdenken. Ob jemand Monika oder Markus heiße oder wer bereits Büroerfahrung habe – solche Fragen entwickelten sich zu humorvollen Türöffnern für entsprechende Texte.

Auftakt und Abschluss bildete eine verfeinerte Version seines Programms „Wer schreibt denn sowas?!“, ein ebenso skurriler wie sprachverspielter Mix aus Gedichten, Miniaturen und satirischen Einfällen. Beispielhaft dafür stand der Text rund um „Monika“, die munter die Harmonika spielt: Mit lautmalerischem Witz und absurder Steigerung kam er bestens an. Auch der Kulttext „Mar-Kuss“ aus demselben Buch durfte nicht fehlen und sorgte wieder für begeisterte Reaktionen.

Mehrere neuere Texte, die bei Wettbewerben ausgezeichnet wurden, waren im Programm. So etwa „Reimrebell“, der es in die Anthologie „Widerspruch“ des Klausur-Verlags schaffte, beim Wortwerkstatt-Preis für Bühnentexte 2025 eingereicht. Eine Premiere bei den Lesungen stellte die Kurzgeschichte „Das Büro-Momentum“ dar, entstanden für einen Wettbewerb zum Thema „Dieser eine Moment“. Mit viel Gespür für Situationskomik schilderte Clausnitzer darin eine völlig aus dem Ruder laufende Präsentation, die mit viel Improvisation gemeistert wurde - trotz ungeplantem Urlaubsfoto auf der Leinwand und dem unabsichtlichen Abspielen einer musikalischern Selbstmotivation. Ein Text, der die Absurditäten des Büroalltags pointiert einfing. Mit dem prämierten „Insel-Gedicht“ beteiligte er sich am Wettbewerb der Insel Föhr, obwohl er noch nie auf den Nordfriesischen Inseln war.

Zum Mitmachen lud Clausnitzer ein mit einem Text über Social Media Plattformen, die zu erraten waren. Und beim Gedicht über „die Fliege in der Suppe“ und den „Ober mit der Fliege“, kurz "zwei Oberfliegen" durfte das Publikum mitreimen. 

Nach der Pause gewährte Clausnitzer Einblicke in sein bisher größtes Projekt: seinen Roman „Ich sprach E, Du O!“. Auf Wunsch der Zuhörenden las er die Kapitel 12 und 13 – eine ebenso originelle wie sprachspielerische Passage rund um einen Schachwettbewerb in einem Zug. Auch hier zeigte sich sein Talent, Sprache nicht nur als Mittel, sondern als Spielfeld zu begreifen. Schon der Buchtitel lässt Fragen offen und gibt Antworten: "Sprach-e" bzw. "Du-o". 

Zurück in seinem Buch „Wer schreibt denn sowas?!“ griff Clausnitzer schließlich die augenzwinkernde Inspiration durch die TV-Show Wer weiß denn sowas? auf – und präsentierte unter anderem das Kapitel „Wer googlet denn sowas?!“. Im Finale folgte das, was sich das Publikum gewünscht hatte: heitere, nicht böse Texte. Wortspiele mit verfremdeten Moderatorennamen sorgten für Lacher, bevor mit „Trans-parent“ ein origineller Abschluss gesetzt wurde.

Das war wieder ein rundum gelungener Abend, der bewies, wie lebendig Literatur sein kann, wenn sie performt wird. Die Mischung aus Humor, Tiefgang und direkter Interaktion kam bestens an. Mines Spatzentreff war damit wieder ein inspirierender Ort, an dem Literatur nicht nur gelesen, sondern erlebt wird.

LeserReporter/in:

Anita Brandtstäter aus Köln

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