Wanderer zwischen zwei Welten
Lachse kehren in ihre alte Heimat zurück

Ein besonderer Fischaufstieg (hier vorne vor dem eigentlichen Siegfluss) ermöglicht es Lachsen und anderen Wanderfischen, das Wehr mühelos zu überqueren. | Foto: Röhrig
  • Ein besonderer Fischaufstieg (hier vorne vor dem eigentlichen Siegfluss) ermöglicht es Lachsen und anderen Wanderfischen, das Wehr mühelos zu überqueren.
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Als die Lachse im Rhein und seinen Nebenflüssen, auch in der Sieg, ausstarben, war das ein Riesenverlust für die Berufsfischer und Angler, aber auch für die Ökologie in den Flüssen und Bächen. Grund waren die schlechte Wasserqualität, die in den 70er Jahren auch zu großem Fischsterben führte, und die fehlende Durchlässigkeit, die allen Wanderfischen, also auch Meerforellen und Aalen zu schaffen machte. Danach begann ein Umdenken, Abwässer von Industriebetrieben wurden besser kontrolliert, die Durchlässigkeit der Flüsse verbessert. Und schließlich wurde das Wanderfischprogramm erarbeitet, das auch als Lachsprogramm 2000 bekannt ist, um die Rückkehr der Lachse wieder möglich zu machen, die oft auch als Wanderer zwischen den Welten bezeichnet werden.
Über die große Beteiligung vieler Menschen und Behörden bei der Rückkehr der Lachse informierte jetzt Antonio Rogmann vom Vorstand des 800 Mitglieder zählenden Siegburger Fischereischutzvereins, der 17 Kilometer Siegstrecke gepachtet hat, an der Kontrollstation in Buisdorf. Sogar die Angelsportler griffen in die Tasche, um die Finanzierung für Verbesserungen zu ermöglichen. Neben interessierten Bürgern hörte auch eine Schar von Junganglern zu.

Nach dem Ablaichen auf kiesigen Fluss- und Bachböden schlüpfen die kleinen Lachse, auch Parr genannt, und bleiben etwa ein Jahr vor Ort. Als sogenannte Smolts machen sich anschließend auf ihren langen Weg zum Atlantik bis nach Grönland, berichtete Rogmann weiter. Dort können sie bei guter Nahrung bis zu 30 Kilo schwer und bis zu 1,5 Meter lang werden. Nach ihrer Rückkehr in ihre Laichhabitate legen sie bis zu 10.000 Eier pro Weibchen ab, von denen allerdings laut Rogmann nur ein Prozent der Fischchen überleben. Wichtig neben der verbesserten Wasserqualität waren auch die Anstrengungen für eine verbesserte Durchgängigkeit der Wehre. So wurde auch 1989 der Fischaufstieg am Siegburger Wehr auf der Buisdorfer Siegseite und anschließend 1999 die Kontrollstation dort eingerichtet. Dort werden die Fische von einem automatischen Zählsystem erfasst. Im Herbst wird zu Zeiten des Lachsaufstiegs noch eine konventionell Reuse in einer Fangkammer zugeschaltet.

Der Erfolg blieb nicht aus. Laut Rogmann wurden dort seit dem Jahr 2000 fast 4.000 zurückgekehrte Lachse gezählt, in der Agger rund 1 200. Jährlich sind das mindestens zwischen 350 und 800 Lachse, die in das Siegsystem zurückkehren. Man könne aber von einer wesentlich höheren Zahl ausgehen, betonte der Sportfischer, denn viele Lachse steigen den Fluss auf, ohne die Reusen der Fangstation zu passieren. In dem inzwischen gebauten Wildlachszentrum am Gelände des Wahnbach-Talsperrenverbandes am Siegelsknippen wird inzwischen sogar eine genetische Reserve für die Lachse herangezogen. Dort setzt man auf aus den Eiern herangezogene Süßwasserlachse, die keine beschwerlichen Reisen in den Atlantik und zurück mehr auf sich nehmen müssen.

Bei ihrer Rückkehr legen die Lachse meist bis zu 5.000 Kilometer zurück, ohne etwas zu fressen, berichtete Sven Wohlgmuth von der Landesfischereianstalt in Albaum, die sich um die Kontrollstation kümmert. Dabei schleppen die Weibchen auch ihre Eier mit, die meist ein Viertel ihres Körpergewichts ausmachen. Viele der Lachs-Smolts werden wie kleine Aale oder Meerforellen auch heute noch zerhäckselt, wenn sie auf dem Weg zum Atlantik an Staustufen kommen, in denen Strom gewonnen wird. Dort müssen sie Turbinen passieren, die sie oft das Leben kosten. Insgesamt stagnierte wohl ihre Zahl in den vergangenen Jahren, was aber auch an den geringeren Wasserständen der Flüsse liegen kann. So wurde dieses Jahr erste ein einziger Lachs in der Kontrollstation gefangen. Es gab aber auch schon Jahre, in denen 51 Lachse in einer Nacht in die Fangreuse gingen, berichtet Wohlgemuth.

Freie/r Redaktionsmitarbeiter/in:

Harald Röhrig aus Siegburg

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