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Kolpingsfamilie Sankt Augustin
Die biblischen Schöpfungsgeschichten

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Im Rahmen der Reihe „Glaubensgespräche“ der Kolpingsfamilie Sankt Augustin stellte Pater Bernd Werle die beiden Schöpfungsberichte aus den Anfangskapiteln des Buches Genesis vor, die viele Christen unreflektiert als einfaches Glaubensgut verinnerlicht haben, die von anderen aber als unvereinbar mit der Wissenschaft vehement abgelehnt werden. Pater Werle betonte, dass die beiden Schöpfungsgeschichten keine wissenschaftlichen Berichte sein wollen, sie sind Deutungen der Natur- und Lebenserfahrung der Menschen in ihrer Zeit. So erlebten die jüdischen Gemeinden vor etwa 2500 Jahren ihre Zeit im babylonischen Exil als einen völligen Zusammenbruch der religiösen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Ordnung, als komplettes Chaos oder, um es mit einem hebräischen Wort zu umschreiben, als Tohuwabohu.
Die erste Schöpfungsgeschichte zu Beginn des Buches Genesis deutet den ihrer Heimat und religiösen Kultstätten beraubten jüdischen Exilgemeinden die Lebenswelt als eine von Gott geschaffene, sinnvolle Ordnung, ohne die ein Tohuwabohu walten würde. Dabei wird Gott nicht als ein Teil dieser Natur gesehen, sondern als etwas, das über der Natur steht und dieser erst ihre Ordnung gegeben hat. Es gibt keinen Baum-, Wasser- oder Sonnengott. Bäume, Wasser, Sonne etc. sind nur einfache Teile der Schöpfung. Deshalb darf man sie auch erforschen und nutzen, ohne die Strafe eines Baum- oder Wassergottes befürchten zu müssen. Der erste Schöpfungsbericht steht also nicht im Widerspruch zur Forschung, er ermöglicht sie erst, indem er die Natur entmythologisiert. Forschung und Glaube sind zwei berechtigte, aber völlig unterschiedliche Herangehensweisen an die Natur, die man nicht in einen Topf stecken darf. Niemand käme auf die Idee, in einer Butterdose heißen Kaffee zu vermuten und in einer Kaffeekanne leckere Butterbrote. Richtig zugeordnet ergeben beide aber zusammen mit anderen Sachen ein abgerundetes Frühstück.
Der etwa 300 Jahre ältere zweite Schöpfungsbericht im ersten Buch Mose wirkt im Gegensatz zum ersten eher wie eine schöne Geschichte und zeigt uns einen Gott, der ein sehr persönliches Verhältnis zu seiner Schöpfung und besonders zu seinem aus Erde geschaffenen Erdling Mensch hat, dessen Wesen erst als Frau und Mann komplett ist, und in dem unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe etc. der Geist Gottes wirkt.
Eine Fortsetzung der Reihe „Glaubensgespräche“ wird angestrebt.

LeserReporter/in:

Erich Pötz aus Sankt Augustin

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