Folgetherapien können die Lebensqualität erhalten
„Mir geht es trotz Parkinson wirklich gut“

Melanie bekam mit 38 Jahren ihre Diagnose. Heute sagt sie: „Ich habe keine Angst vor Parkinson.“ Foto: DJD/AbbVie
  • Melanie bekam mit 38 Jahren ihre Diagnose. Heute sagt sie: „Ich habe keine Angst vor Parkinson.“ Foto: DJD/AbbVie
  • hochgeladen von Angelika Koenig

(djd). Parkinson gilt oft als Krankheit, die nur alte ältere Menschen betrifft. Tatsächlich erkrankt jedoch jeder fünfte Betroffene mit unter 60 Jahren, jeder zehnte sogar schon vor dem 50. Lebensjahr. So wie Melanie, die 2012 mit nur 38 Jahren die Diagnose Parkinson erhielt. „Bei mir war es ein Zufallsbefund in der Schmerzambulanz, wo ich mit meiner Migräne war“, erzählt sie. Anfangs schien die Krankheit schnell voranzuschreiten. In Melanies ländlicher Umgebung gab es keine Parkinson-Spezialisten, die Therapie verlief nicht immer optimal: „Das hat mich in den ersten fünf Jahren bis zum Rollator gebracht.“
Tablettenwirkung lässt nach
Damals musste Melanie schon achtmal am Tag ihre Parkinson-Tabletten einnehmen. Dass die Wirkung mit der Zeit nachlässt, gehört zum typischen Verlauf der Krankheit. Bei Parkinson fehlt es im Gehirn am Botenstoff Dopamin, der für die Weiterleitung von Bewegungsimpulsen gebraucht wird. „Die Medikamente liefern eine Vorstufe von Dopamin, die im Gehirn umgewandelt und von den Nervenzellen gespeichert und kontrolliert abgegeben wird“, erklärt Dr. med. Andreas Becker, Chefarzt der Neurologie im Kurpfalzkrankenhaus Heidelberg: „Das Fortschreiten der Erkrankung bedingt aber, dass diese Speicherkapazität zunehmend zugrunde geht.“ Dadurch komme es nach der Medikamenteneinnahme zu Spitzen mit Überbeweglichkeit und später zu sogenannten Offs mit schlechter Beweglichkeit.
Fortgeschrittenen Parkinson behandeln
Spätestens, wenn fünf oder mehr Tabletten am Tag eingenommen werden müssen oder die Patienten täglich zwei Stunden im „Off“ oder eine Stunde überbeweglich sind, ist ein Therapiewechsel angezeigt (5-2-1-Regel). Erste Hinweise gibt ein Selbsttest unter www.parkinson-check.de. Eine mögliche Folgetherapie ist dann die tiefe Hirnstimulation, bei der Elektroden in bestimmte Gehirnbereiche implantiert werden und diese anregen. „Alternativ gibt es die Möglichkeit, das Medikament mithilfe von Pumpen kontinuierlich in den Körper zu bringen“, so Becker. Dafür könne entweder mit einer Operation ein dünner Schlauch in den Dünndarm eingeführt werden oder der Wirkstoff subkutan, also unter die Haut, eingebracht werden, wofür kein operativer Eingriff nötig ist. 
Melanies neues Leben
Melanie hat sich für eine Pumpentherapie entschieden und war sofort überzeugt. Die Handhabung findet sie unkompliziert, Aktivitäten wie Sauna, Schwimmen, mit dem Hund gehen und ihr ehrenamtliches Engagement für junge Parkinson-Erkrankte funktionieren wieder problemlos. Ihr Fazit: „Ich kann heute nach 13 Jahren sagen, dass es mir mit Parkinson wirklich gut geht.“

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RAG - Redaktion

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