Nachdenkliches
Endlich die Kurve gekriegt!
- hochgeladen von Ellen Thoms
Wann war noch gleich die Flutkatastrophe an Erft und Ahr? Wann war von einer Minute auf die andere die Welt dort nicht mehr in Ordnung ... alles zerstört, Menschen verloren, Hab und Gut vernichtet ???
So etwas kann ich nicht! Mein Friedefreudeeierkuchenheileweltnaturell bekommt es nicht so gut und schnell verarbeitet, wenn positive Dinge sich ins Negative verabschieden und verändern! Egal, ob das Menschen, Tiere, Landschaften oder Situationen betrifft. Da bin ich Seelchen!
Auch, wenn ich selbst nicht davon betroffen war, schleicht mir ein solch gravierendes fürchterliches Ereignis tagelang, monatelang nach und besetzt mein Denken und Fühlen !!!
Bad Neuenahr und Ahrweiler waren so ungefähr meine zweite Heimat! Ich war ganz oft und unheimlich gerne dort! Idyllisch, die Örtchen. Die Landschaft wunderschön! Wie oft war ich in den Weinbergen und der herrlichen Landschaft entlang der Ahr wandern. Wie oft habe ich mich dort mit meiner großen Liebe getroffen. Jeder hatte dann die gleiche kilometermäßige Anfahrt! Wie oft eine Freundin besucht. Wie oft habe ich an meinen Lieblingsplätzen oben in den Weinbergen gesessen und nur fasziniert Landschaft geguckt. Alleine und schweigend. Das liebe ich! Innere Ruhe und nur bei mir und mit mir sein!
Ich habe meine Zeit im Ahrtal geliebt! Auch oft dort übernachtet in verschiedenen kleinen schnuckeligen Hotels direkt an der Ahr mit Ahrrauschen.
Gestern war ich fest entschlossen und hatte auch ein bisschen Lust, nach Bad Neuenahr und Ahrweiler zu fahren und mir anzuschauen, wie es inzwischen dort weitergegangen ist.
Ich wollte eigentlich mittags los, musste aber dann das noch tun und dies noch erledigen, und dann fielen mir noch ein paar Dinge ein, die normalerweise noch einen Monat hätten warten können. Verzögerungstaktik. Vermeidungstaktik. Startschwierigkeiten. Erst um 16 Uhr habe ich endlich die Kurve gekriegt und bin ins Auto gestiegen. Reicht ja von der Zeit her. Ist ja nicht so weit. Und ist lange hell!
Um es direkt vorweg zu nehmen ... Ahrweiler habe ich zeitlich nicht mehr geschafft, obwohl ich dieses Örtchen immer schöner fand, als Bad Neuenahr.
Also ... Bad Neuenahr! Ich hatte Schlimmeres erwartet! Noch nicht alle Straßen waren frei befahrbar, wie ich es von früher kannte. Rot-weiß abgesperrt! Noch viele rot-weiße Absperrungen. Sie dominieren zeitweise das Straßenbild. Schon direkt am Anfang vermisste ich ein Hotel an der Ahr, in dem ich schon übernachtet hatte. Weg! Nur noch ein Loch! Oder habe ich mich geirrt? Wie kann ein Hotel einfach weg sein?
Die Ahr hatte wenig Wasser ... vermutlich hitzebedingt und plätscherte harmlos und friedlich vor sich hin! Wo früher grünes Gras war an den Uferböschungen, jetzt nur noch Unkraut. Nein, Wildwuchs nennt man das. Und Wildwuchs ist auch Natur.
Auf den ersten flüchtigen Blick wirkte alles doch recht normal. Bis ich zwischen den inzwischen instandgesetzten Häusern und Kur- und sonstigen Kliniken Häuser und Gebäude entdeckte, die noch nicht instandgesetzt waren! Mit und mit sank meine Stimmung etwas. Irgendwie machte sich ein bedrücktes Gefühl in mir breit. Es war noch lange nicht alles so, wie es einmal war und hätte sein sollen! Ich nahm mir vor, mich am Positiven zu orientieren! An dem, was ganz normal aussah ... frisch gestrichen, wiederhergestellt, freundlich! Die ehemalige Therme ... nix. Das ehemalige Spielcasino ... ein brauner lebloser Bau. Da, wo früher Fußgängerbereich war ... parkende Autos, teilweise auf Schotter. Das Steigenberger Hotel wieder in alter Pracht, soweit ich sehen konnte. Der ehemals wunderschöne Kurpark eine große Baustelle ... einschließlich ehemaligem Kurhaus!
Ich bin irgendwie nicht sonderlich weit gekommen. Ich hatte mir viel mehr vorgenommen! Ich war spät. Es war schwülheiß. Ich fühlte mich wie Blei! Um mich herum lief alles normal ab ... Einheimische, Kurgäste, Besucher, Urlauber. Nur mein Innenleben tickte nicht richtig! Es war nicht mehr meine ehemalige zweite Heimat.
Die Eisdiele links am Anfang des Städtchens, von der Kirche aus gesehen, existierte nicht mehr oder noch nicht wieder. Stattdessen gab es von dieser Eisdiele neben der Kirche einen Eiswagen, Eisstand ??? ... so etwas wie ein Imbisswagen. Mir fällt keine richtige Bezeichnung im Moment ein. An diesem Wagen gab es das leckere Eis und Getränke. Drumherum standen Tische und Stühle. Ich dachte mir ... vier Bällchen Eis machen fröhlich !!! Eis sehr lecker! Fröhlich ???
In dem "Kleinen Cafehaus" am Markt gab es so leckeren Kuchen! Zerstört.
Ich bin ja nicht mehr so wanderstark. Nach dem Eis war ich im Kurpark, der nicht mehr so richtig Kurpark war. Dann war ich im Steigenberger und habe vor dem Hotel an der Ahr auf einem verdörrten Stück Wiese vor einem abgesperrten Baustück in einem Holzsessel gesessen und versucht, auszuruhen. Na ja. Und das wars auch schon.
Städtchen habe ich mir erspart. Keine Lust. Einen Spaziergang an der Ahr entlang Richtung Ahrweiler, wo ich mir gerne alles angeschaut hätte und wo ich früher unheimlich gerne war, habe ich mir erspart. Keine Lust Keine Energie. Zu spät. Hunger. Schwitzig. Müde. Ich habe nicht viel gesehen. Aber was ich gesehen habe, hat erst einmal gereicht!
Ich habe dann noch auf zwei Bänken (nacheinander natürlich) direkt an der Ahr gesessen, dem Fließen des Wassers zugeschaut, dem Plätschern und leisen Rauschen zugehört, den Fischreiher vor mir im Wasser beobachtet und meinen Gedanken nachgehangen. Ich wollte Ruhe tanken! Aber wie das so ist, wenn man alleine auf einer Bank sitzt und sich freut, DASS man alleine auf der Bank sitzt ... Entschuldigung, darf ich mich zu Ihnen setzen? Und zwei Atemzüge später ist man in eine Unterhaltung verstrickt! Nix mit Ruhe genießen.
Jedenfalls habe ich erfahren, dass die Flutkatastrophe inzwischen fünf Jahre her ist, 2021 und dass das Hotel, was ich vermisst habe, tatsächlich abgerissen wurde, obwohl die Eigentümerin sich wohl anfangs dazu entschlossen hatte, es wieder instand zu setzen. Vielleicht fehlten schlussendlich die finanziellen Mittel? Was da an Geld investiert werden muss ... nicht auszudenken Nicht vorstellbar.
Um 22.30 Uhr war ich wieder zu Hause. Voller für mich bedrückender Eindrücke. Mein Besichtigungspensum habe ich überhaupt nicht geschafft. Ich habe nicht gut geschlafen.
Und ich bin so froh, dass ICH nach der Flut bis jetzt NICHT in Bad Neuenahr bzw. im Ahrtal war! Das hätte mir absolut NICHT gut getan !!! Bei Gelegenheit werde ich mir Ahrweiler und Altenahr anschauen und in meinem Lieblings-Michaelishof oben in den Weinbergen essen gehen! Ein so schönes Fleckchen Erde mit einem wunderschönen Blick!
(eth)
LeserReporter/in:Ellen Thoms aus Pulheim |