Parasport - Dressur-WM
Nach WM-Silber sind Paralympics jetzt das Ziel
- Das deutsche Para-Dressur-Nationalteam mit Helen Brandt (3. v. l.).
- Foto: Frank Heinen
Lindlar/Wiehl (red). Die Anzeigetafel zeigt es unmissverständlich: Bronze für Helen Brandt. Die 28-jährige Para-Dressurreiterin aus Lindlar blickt einen Moment lang fast ungläubig auf die Wertung, dann überwiegt die Freude. Bei ihrer ersten Weltmeisterschaft überhaupt gewinnt sie in Aachen die Bronzemedaille in der Kür. Wenige Tage zuvor hat sie bereits Team-Silber mit der deutschen Nationalmannschaft geholt. Für die Medizinstudentin ist es der bislang größte Erfolg ihrer sportlichen Laufbahn.
Dabei hatte noch zu Beginn der Saison kaum etwas auf diesen Triumph hingedeutet. Schon die Nominierung für die Weltmeisterschaften war für Brandt ein besonderes Erlebnis. Entsprechend groß war die Freude, überhaupt in der berühmten Aachener Soers an den Start gehen zu dürfen. Im hochklassig besetzten Teilnehmerfeld belegte sie zunächst Rang acht in der Einzelwertung. Die Atmosphäre, die Zuschauer und die besondere Kulisse verlangten Pferd und Reiterin einiges ab.
Doch im Verlauf des Championats fanden Brandt und ihr Pferd Vulkan Vefas IB immer besser zusammen. In der abschließenden Kür gelang ihnen schließlich eine persönliche Bestleistung. Mit 78,005 Prozent sicherten sie sich den Bronzerang hinter der Französin Alexia Pittier und der US-Amerikanerin Kate Shoemaker. Aus einer starken Weltmeisterschaft wurde damit ein märchenhaftes Debüt.
Besonders bemerkenswert ist dieser Erfolg mit Blick auf Brandts bisherigen Lebensweg. Schon früh träumte die gebürtige Dortmunderin von einer Karriere im Pferdesport. Doch eine Stoffwechselerkrankung und eine Autoimmunerkrankung veränderten ihr Leben grundlegend. Ihr linkes Bein ist unterhalb des Knies vollständig gelähmt, auch Becken und Oberschenkel verloren einen Großteil ihrer Kraft. Hinzu kommen Einschränkungen im rechten Bein.
Für eine Dressurreiterin, die ihr Pferd über feinste Gewichtsverlagerungen und präzise Hilfen mit den Beinen lenkt, schienen die Hürden enorm. Brandt gab ihren Traum jedoch nicht auf. Mit viel Disziplin kämpfte sie sich zurück in den Leistungssport und schaffte schließlich den Sprung in die deutsche Para-Dressur-Nationalmannschaft.
Vor zwei Jahren führte sie die Liebe ins Oberbergische nach Lindlar. Von dort aus arbeitet sie heute an ihrer sportlichen und beruflichen Zukunft. Die Weltmeisterschaft in Aachen wurde nun zum vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung. Die Medaillen gewann sie vor den Augen ihres Ehemannes Oliver Brandt, des Wiehler Co-Bundestrainers Rolf Grebe und des Bergneustädters Friedhelm Julius Beucher, Ehrenpräsident des Deutschen Behindertensportverbandes.
Der Blick richtet sich inzwischen bereits auf das nächste große Ziel. Mit dem Gewinn von Team-Silber sicherte sich die deutsche Mannschaft vier Startplätze für die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Auch Helen Brandt träumt von einer Teilnahme. Trotz aller sportlichen Ambitionen bleibt sie jedoch bodenständig. Für sie stehen die Gesundheit von Pferd und Reiterin sowie die gemeinsame Entwicklung im Vordergrund. Vielleicht ist genau das die Grundlage dafür, dass aus großen Träumen manchmal große Erfolge werden.
Redakteur/in:Ulf-Stefan Dahmen |