Lessenicher Jahrbuch
Starfighter-Absturz, Kirmes und Feldarbeit
- Bau der Wasserleitung in der Wachendorfer Straße um 1905.
- Foto: Repro: Manfred Lang/Stadtarchiv Mechernich/pp
Bärbel und Elisabeth Geusen veröffentlichen zweite Auflage ihres Heimatbuchs über Lessenich - und vielleicht gibt es ja auch noch eine Fortsetzung
Kann man über ein 400-Einwohner-Dorf ein lesenswertes Dokument der Zeitgeschichte verfassen? Die Autorinnen Bärbel und Elisabeth Geusen beweisen es eindrucksvoll. Auf über 250 Seiten und mit mehr als hundert historischen Fotos zeichnen sie das Leben der einfachen Leute in Lessenich im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts nach – im Dorf wie auch in der großen Welt. Ebenso berichten jene, die nach dem Zweiten Weltkrieg heimatvertrieben waren und in Lessenich eine neue Heimat fanden. Entstanden ist ein Werk, das persönliche Erinnerungen und regionale Geschichte in bemerkenswerter Tiefe verbindet.Die erste Auflage des Buches „Lessenich in der Eifel – Ein Dorf im Wandel der Zeit“ war Weihnachten 2024 binnen einer Woche vergriffen. Nun ist die zweite Auflage mit 150 Exemplaren erschienen, unterstützt von der Volksbank und der Kreissparkasse Euskirchen.
Rund zwei Dutzend Zeitzeugeninterviews führte Bärbel Geusen für das Projekt, viele davon über Monate hinweg vorbereitet. Das Interesse bleibt groß: Inzwischen melden sich auch Heimat- und Familienforscher aus Euskirchen, Kommern, Kreuzweingarten und Obergartzem sowie ehemalige Lessenicher, die den Ort weiterhin eng verbunden sehen.
Beide Autorinnen stammen aus Lessenich. Die Rechtspflegerin Bärbel Geusen, geborene Esser, begann mit Gesprächen mit den ältesten Bewohnerinnen und Bewohnern, später folgten die um die 60-Jährigen wie Barbara Graf, Tochter der früheren Wirtefamilie der Dorfschänke Kolei.
Unterstützt wurde sie vom Ahnenforscher Martin Geusen, Bruder von Diplom-Geographin und Orgelbauerin Elisabeth Geusen. Neben Interviews fanden auch Schul- und Vereinschroniken, Feldpostbriefe, private Aufzeichnungen und Zeitungsausschnitte Eingang in das Buch und ergänzen die Stimmen aus dem Dorf.
Eine zentrale Rolle spielte zudem der umfangreiche Nachlass von Änni Geusen, die 1994 den Rheinlandtaler erhielt. Aus ihrem Fundus entstand 2023 die Ausstellung zur 1000-Jahr-Feier des Ortes, die den Ausgangspunkt für das Buchprojekt bildete.
Die Autorinnen zeigen Alltag und Besonderheiten des Dorflebens: Kirmes und Karneval, Landwirtschaft, Dorffeste, Bräuche und außergewöhnliche Ereignisse wie den Absturz eines Starfighters. Die Fülle an Material macht sichtbar, wie vielfältig die dörfliche Lebenswelt über Jahrzehnte war.
Auch nach Erscheinen der zweiten Auflage sehen die Autorinnen ihre Arbeit nicht als abgeschlossen. „In Lessenich steckt sicherlich noch Stoff für einen weiteren Band, und die Zeitgeschichte bleibt schließlich nicht stehen“, sagt Bärbel Geusen.
Das Buch wird gegen eine Spende abgegeben; Interessierte können sich unter 0151-50 41 96 26 informieren.
Redakteur/in:Ulf-Stefan Dahmen |
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