Zukunft des Verwaltungsgebäudes
„Einfach plattmachen!“

Zum Meinungsaustausch trafen sich engagierte Bürger und Mitglieder des  Rheinischen Vereins für Denkmalschutz und Landschaftspflege vor dem RWE-Gebäude.
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  • Zum Meinungsaustausch trafen sich engagierte Bürger und Mitglieder des Rheinischen Vereins für Denkmalschutz und Landschaftspflege vor dem RWE-Gebäude.
  • Foto: Hermans

Für die einen ist es ein eindrucksvolles Zeugnis der Kölner Wirtschaftsgeschichte, für andere eher ein Mahnmal. Das Verwaltungsgebäude von RWE Power am Rand des Äußeren Grüngürtel erinnere daran, dass handfeste ökonomische Interessen und Kölner Klüngel im Verbund ein Monster gebären können. Wie sieht die Zukunft dieses Monuments aus?

von Hans-Willi Hermans

Junkersdorf. Großen Unternehmen werde sogar die Errichtung von Hochhäusern mitten im Grünen erlaubt, sobald sie mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen drohten, meinen Vertreter von Bürgervereinen und Initiativen aus den umliegenden Veedel.

Sie trafen sich kürzlich mit hochrangigen Mitgliedern des Rheinischen Vereins für Denkmalschutz und Landschaftspflege zum Meinungsaustausch vor dem Haupteingang der RWE-Zentrale an der Dürener Straße. Die RWE AG hat den Klotz wegen des geplanten Braunkohleausstiegs bis 2038 bereits verkauft, bis zum Herbst 2024 sollen die letzten Mitarbeiter anderswo untergekommen sein. „Einfach plattmachen und den ursprünglichen Zustand wieder herstellen“, formulierte Friedmund Skorzenski von der Bürgerinitiative „Grüngürtel für Alle“ eine Extremposition.

Dies dürfte auf den Widerstand der Käufer des Gebäudes stoßen, einem Konsortium der Firmen Garbe Immobilien-Projekte aus Hamburg und der Berliner Terragon AG. Die wollen, so ist zu hören, das Gebäude bis 2026 umbauen und dort 400 Wohnungen schaffen, ein großer Teil davon für betreutes Wohnen. Aus der Lindenthaler Bezirksvertretung kam der Vorschlag, dort sollte eine Schule einziehen.
Auch der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz könnte sich mit einem Abriss nur schwer anfreunden. Vereinsmitglied Walter Buschmann rekapitulierte, wie Köln bis in die 1950er Jahre zum Zentrum des rheinischen Braunkohlenbergbaus wurde und das seinerzeit führende Unternehmen Rheinbraun, das später in der RWE AG aufging, im Jahre 1981 seinen Unternehmenssitz am Kölner Konrad-Adenauer-Ufer aufgab und an die Dürener Straße umzog. In dieses markante 70er Jahre-Gebäude, das Buschmanns Kollege Ulrich Krings - ehemals Kölner Stadtkonservator – als architektonisch eindrucksvoll einstufte. Durch seine horizontalen und vertikalen Strukturen sei es klar, aber gleichzeitig abwechslungsreich gegliedert.

Eine neue Nutzung ist aber auch für Krings und seine Kollegen alles andere als unproblematisch: Die Frage sei, ob die charakteristischen Merkmale der Fassade erhalten blieben. Astrid Franzen von der Bürgerinteressengemeinschaft Junkersdorf hat auch ihre Bedenken: „Irgendwann sagt der Investor dann: Es rechnet sich nicht, wir brauchen zusätzliche Wohnungen in Anbauten. Der wird sich hier breit machen.“
Von Alexander Kierdorf, Vorsitzender des Regionalbands beim Rheinischen Verein, kam ein Vorschlag, wie allzu einschneidende Veränderungen unterbunden werden könnten, und auf den sich letztlich die meisten der Anwesenden einigen konnten: „Wir sollten das Gebäude unter Denkmalschutz stellen.“

Zum Meinungsaustausch trafen sich engagierte Bürger und Mitglieder des  Rheinischen Vereins für Denkmalschutz und Landschaftspflege vor dem RWE-Gebäude.
RWE-Betonklotz im Grünen: Bürger wollen über Zukunft mitentscheiden.
Redakteur:

EXPRESS - Die Woche - Redaktion aus Köln

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