Brücken-Plan bis nach 2040
Kölns Rheinquerungen stehen vor Jahren als Baustelle

Die Severinsbrücke steht an Nummer zwei der Sanierungsliste.  | Foto: Uwe Weiser

Vier Brücken, ein riesiger Sanierungsplan und für Köln eine Aufgabe, die noch viele Jahre dauern wird: Die Stadt hat offengelegt, was auf die Rheinquerungen zukommt.

Köln steht bei seinen Rheinbrücken vor einer Mammutaufgabe. Bei einer Pressekonferenz hat die Stadt nun über den Zustand ihrer vier städtischen Rheinbrücken informiert und einen langen Fahrplan für Sanierung und Instandsetzung vorgestellt. Für viele Kölner ist das eine Nachricht mit Gewicht, denn Mülheimer Brücke, Zoobrücke, Deutzer Brücke und Severinsbrücke gehören zu den wichtigsten Verbindungen zwischen den beiden Rheinseiten und sind Tag für Tag stark belastet.

Die Stadt macht deutlich: Wegen des Alters der Bauwerke und der intensiven Nutzung müssen die Brücken nacheinander instandgesetzt werden. Grundlage für die Planungen ist seit 2023 das digitale Werkzeug „Masterplan Ingenieurbauwerke“, das die Ergebnisse der Bauwerksprüfungen bündelt und den Zustand sowie den Sanierungsbedarf der Ingenieurbauwerke der Stadt jederzeit abrufbar macht.
Mülheimer Brücke
Am weitesten ist die Stadt bei der Mülheimer Brücke. Sie wird bereits seit 2018 von Grund auf instandgesetzt. Nach aktuellem Stand soll die laufende Gesamtinstandsetzung bis Ende der 2020er Jahre abgeschlossen sein. Mit der laufenden Bauphase 3 wird derzeit der gesamte Streckenzug Süd für die spätere Verkehrsumlegung auf die sanierte und teilweise erneuerte Südseite vorbereitet. Wenn diese Bauphase im Oktober 2026 abgeschlossen ist, sind zwei Drittel der gesamten Fläche des Brückenzugs fertig. Die Bedeutung der Brücke für den Verkehr im Kölner Norden ist so groß, dass während der Sanierung möglichst viele Verkehrsbeziehungen aufrechterhalten werden sollen. Gerade das macht das Projekt besonders komplex. Die Kosten dafür werden nach jetzigem Stand voraussichtlich bei 498.182.000 Euro brutto liegen. 
Dass die Arbeiten an der Mülheimer Brücke so aufwendig geworden sind, hat die Stadt im Hintergrund noch einmal erklärt. Zwar wurden die vorgeschriebenen Prüfungen und weitere Untersuchungen durchgeführt, doch während der Arbeiten ab 2018 zeigte sich, dass der Zustand der Brücke deutlich schlechter war als gedacht. Schäden wurden teils erst sichtbar, als Bauteile geöffnet oder zurückgebaut wurden. Das führte zu Umplanungen, Verzögerungen und höheren Kosten. Auch 2024 kam es zu weiteren Verzögerungen, weil beim Abriss an wichtigen Bereichen abweichende und teils beschädigte Stahlbewehrung entdeckt wurde. 2025 mussten zudem blockierte Windlager an der Strombrücke gelöst und daraus entstandene Risse saniert werden. Seit dem 15. September 2025 fahren die Stadtbahnen wieder. Im Jahr 2026 stehen noch Restarbeiten an, ehe der Verkehr am 22. Oktober 2026 über die Südseite geführt werden kann. Danach beginnt Bauphase 4 mit der Gesamtinstandsetzung der Nordseite, die voraussichtlich weitere zwei Jahre dauern wird.
Severinsbrücke
Nach der Mülheimer Brücke soll die Severinsbrücke als zweite Rheinquerung umfassend instandgesetzt werden. Dafür peilt die Stadt grob den Zeitraum von 2030 bis 2035 an. Bis dahin sind aber noch mehrere vorbereitende Maßnahmen nötig. Ein externes Gutachten zu wiederkehrenden Schäden am Korrosionsschutz der Tragkabel empfiehlt zusätzliche Manschetten an den Tragkabeln. Außerdem läuft die Nachrechnung nach der Bundesrichtlinie „NaRiLi“. Ein erstes Ergebnis zeigt bereits, dass beide Rampenbauwerke erneuert werden müssen. Zusätzlich wird ein Monitoring installiert, um Traglastreserven zu ermitteln. Die grobe Kostenschätzung liegt vor Beginn der Planung bei rund 324,5 Millionen Euro brutto für Planung und Bau.
Deutzer Brücke
Als drittes Projekt folgt danach die Deutzer Brücke, deren Gesamtinstandsetzung nach jetzigem Stand etwa zwischen 2036 und 2040 vorgesehen ist. Dort wurden auf der Nord- und Südseite bereits neue Beläge, Fugen und Übergangskonstruktionen eingebaut. Offen ist noch die Übergangskonstruktion im Stadtbahnbereich. Sie soll in den Sommerferien 2026 gemeinsam mit weiteren Maßnahmen zum Hochwasserschutz und der Sanierung der Stadtbahnhaltestelle Deutz Messe umgesetzt werden. Die Nachrechnung des Bauwerks läuft. Dazu gehören auch Bauwerksanalysen, eine Machbarkeitsstudie und eine Wirtschaftlichkeitsprüfung. Eine grobe Kostenschätzung gibt es bislang noch nicht.
Zoobrücke
Zum Abschluss soll dann die Zoobrücke als jüngste der vier Rheinbrücken nach 2040 gesamt instandgesetzt werden. Doch schon jetzt arbeitet die Stadt daran, Schäden zu vermeiden und die Lebensdauer einzelner Teilbauwerke zu verlängern. Die Zoobrücke ist mit über 100.000 Fahrzeugen am Tag eine der verkehrlichen Hauptschlagadern Kölns. Erste Maßnahmen wie die Erneuerung der Entwässerung, von Teilen der Fahrbahnbeläge und der innenliegenden Beleuchtung sind bereits erfolgt. Weitere Arbeiten betreffen die Verstärkung der Rampenbauwerke. Bei einzelnen Teilbauwerken wurde Spannstahl verwendet, der anfällig für Spannungsrisskorrosion ist. Deshalb sollen diese Bereiche besonders überwacht werden. Querkraftverstärkungen sind in Planung, weitere statische Verstärkungen sind aus Sicht der Stadt unerlässlich. Auch ein Monitoring wird eingerichtet, um das Tragverhalten der Brücke zu untersuchen und Reserven zu ermitteln. Die zulässige Geschwindigkeit bleibt bei 50 km/h. Eine grobe Kostenschätzung liegt auch hier noch nicht vor.

Für Köln heißt das: Die Sanierung der Rheinbrücken wird die Stadt noch viele Jahre beschäftigen. Die Mülheimer Brücke ist mitten in der Großbaustelle, die Severinsbrücke steht als Nächstes auf dem Plan, die Deutzer Brücke folgt danach und bei der Zoobrücke reicht der Ausblick schon über 2040 hinaus. Für die Bürger ist das ein klares Signal: Diese vier Verbindungen bleiben für Köln unverzichtbar, doch ihr Erhalt wird ein Projekt über Jahrzehnte. (bn.)

Redakteur/in:

EXPRESS - Die Woche - Redaktion aus Köln

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