Besuch aus Belarus
Gute Ideen aus Hürth mitgenommmen
- Erfahrungsaustausch zum Thema Demenz (v.l.): Andrea Hein, Olga Gabrukovich mit Sohn Platon, Doris Gräber (APK Soziale Dienste), Tatjana Zhuk, Dr. Sibylle Schreckling, Mine Marklein (Gruppe Füreinander) und Inge Hartmann (Alzheimer Gesellschaft Rhein-Erft-Kreis)
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Über Besuch aus Belarus konnte sich die Arbeitsgemeinschaft für Psychisch Kranke (APK) in Hürth freuen. Tatjana Zhuk von der Caritas Erzdiözese Minsk/Mogiljow und Olga Gabrukovich vom Kinder-Rehazentrum „Nadeshda“ nutzten die Gelegenheit ihres einwöchigen Deutschland-Aufenthalts zum Ehrfahrungsaustausch. Den Kontakt vermittelt hatte Andrea Hein vom Verein „Hilfe für Tschernobyl-geschädigte Kinder“, der sich seit 1993 ehrenamtlich mit zahlreichen medizinischen, sozialen und humanitären Projekten in Belarus engagiert und Kindern aus Spenden Rehabilitations- und Erholungsaufenthalte ermöglicht.
Im Fokus stand besonders das Thema Demenz. Unterstützungs- und Entlastungsangebote, wie sie hierzulande beispielsweise von der Alzheimer Gesellschaft oder anderen Institutionen angeboten werden, befinden sich in vielen osteuropäischen Ländern erst im Aufbau. „Aus Scham versuchen die Familien, die Erkrankung im privaten Umfeld zu bewältigen, gesprochen wird darüber nicht“, erläuterte Tatjana Zhuk, die als Projektleiterin gerade ein Unterstützungsangebot für Familien auf den Weg bringt. Der Kontakt zu Fachkräften, Medizinern oder unterstützenden Einrichtungen erfolge häufig erst dann, wenn die Demenz bereits weit fortgeschritten sei und sich nicht mehr verbergen ließe.
Wie unverzichtbar ein soziales Auffangnetz aus ehrenamtlich Engagierten ist, konnten die Gäste aus Belarus im APK-Zentrum in Hürth live erleben. Die Gruppe Füreinander bietet dort an fünf Wochentagen eine qualifizierte Tagesbetreuung für Demenz-Erkrankte an. Durch Bewegungsangebote und Rehasport, Sitzgymnastik, Musik und Tanz werden alle Sinne angesprochen und pflegende Angehörige entlastet. Mit Unterstützung des Kontaktbüros Pflegeselbsthilfe, der Pflegekassen, Stadt und Bezirksregierung kann zudem einmal wöchentlich im Familienbüro „Mittendrin“ eine Beratung in Anspruch genommen werden, zusätzlich gibt es Demenzsprechstunden im Hürther Rathaus und im Sana Krankenhaus. 14 moderierte Angehörigen-Gruppen treffen sich regelmäßig zum Ehrfahrungsaustausch an verschiedenen Orten im Rhein-Erft-Kreis, so zum Beispiel in Pulheim, Erftstadt, Hürth und Bedburg. Neben dem Besuch im Sozialpsychiatrischen Zentrum standen auch Einblicke in die Behinderten-Werkstatt für Integration und Rehabilitation WIR in Kalscheuren sowie im Camille-Claudel-Wohnheim auf dem Programm.
„Demenz kann jeden treffen und darf kein Thema sein, das Menschen isoliert“, betonte Inge Hartmann, neue Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Rhein-Erft-Kreis. Als „erprobte Frontkämpferin“ und APK-Mitbegründerin weiß auch Dr. Sibylle Schreckling ein Lied von den schwierigen Anfangszeiten zu singen. „Was wir brauchen, sind keine Aufbewahrungsanstalten, sondern niederschwellige Angebote vor Ort, die die Menschen gut erreichen können und das Leben mit Demenz leichter machen.“
Für ihre Arbeit und das neue Projekt nimmt Tatjana Zhuk viele Impulse aus Hürth mit nach Hause: Zwar wächst das Bewusstsein für das Thema Demenz, doch eine der größten Herausforderungen bestehe darin, Betroffene und ihre Familien frühzeitig zu erreichen, Schritt für Schritt tragfähige Unterstützungsstrukturen aufzubauen und gesellschaftliche Akzeptanz zu fördern. „Aufklärung und Information bilden die Grundlage, um Vertrauen zu schaffen. Darauf aufbauend sollen nach und nach weitere Angebote wie Angehörigen-Selbsthilfegruppen entstehen, aus denen sich langfristig ein verlässliches Netzwerk entwickeln kann“, so Frau Zhuk. Einig war man sich vor allem in einem: Ändern muss sich die gesellschaftliche Haltung zum Alter – denn auch mit Einschränkungen bleibt das Leben lebenswert.
www.apk-soziale-dienste.de
www.alzheimer-gesellschaft-rhein-erft-kreis.de
LeserReporter/in:Andrea Floß aus Bergheim |
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